Arbeitslos, Auszeit, Urlaub, Home Office – wie nennt man das?

Heute beginnt die zweite Woche, in der ich nicht ins Büro fahren werde. Nicht mehr jenes, in das ich die letzten Monate gefahren bin. Heute ist offiziell mein Arbeitsverhältnis beendet – und ich so etwas wie Arbeitslos. Meine Gefühle dazu spielen für diesen Beitrag im Grunde keine Rolle . und Scham wäre hier fehl am Platz. Die viel größere Aufgabe in den letzten Tagen für mich bestand aus einer anderen Frage: Was sag ich denn zu meinem Sohn?

Wie sagte ich meinem Kind, dass Mama nicht mehr „arbeitet“

Ich habe es für mich so gelöst:

In der letzten Woche sagte ich ihm schon mal zwischen drin so etwas wie „puh, bald müssen wir uns morgens nicht mehr so hetzen“ (Sie dürfen – nebenbei gesagt – gern raten, wer gestern in Rekordzeit fertig war, obwohl es ja gar nicht nötig gewesen wäre…). Das bedeutet, er hatte eine Ahnung davon, dass ich jetzt morgens nicht mehr so dringend das Haus verlassen muss.

Und dann kam die Frage von ganz allein: „Mama, Du meinst doch nicht den Urlaub, oder? Gehst Du nicht mehr arbeiten?“
„Nein mein Hase, ich brauche wirklich mal eine kurze Zeit lang eine Auszeit. Eine Pause von meiner Arbeit. Verstehst Du das? Aber schreiben und bloggen, das mache ich weiterhin!“

Ja, ich habe von Auszeit, Pause gesprochen – nicht von Arbeitslosigkeit. Ein Wort, welches Kinder nicht verstehen oder durch aufgeschnappte Brocken nur Angst einjagt. Außerdem, meine jetzige Zeit ist eine Pause für mich. Die letzten Wochen bzw. Monate waren nicht einfach für mich – vielleicht bin ich an der Vereinbarkeit oder an der Arbeitswelt gescheitert. Darüber muss ich noch mal gesondert bloggen. Ihr merkt, mein Kopf ist voll und ich bin einerseits voller Pläne andererseits voller Angst. Eine Auszeit war vielleicht der richtige Weg – auch wenn ich (das möchte ich betonen) das SO sicher nicht gewollt hatte. Ich finde aber dennoch, mein Kind darf verstehen, dass auch Erwachsene gewisse Situationen nicht unendlich aushalten können und müssen. 

Ich möchte, dass mein Kind lernt, auf sich und seine Gesundheit und vor allem auf sein eigenes Ich zu achten. Wenn etwas nicht stimmig ist, dann gehe einen anderen Weg!

Aber, mir war es auch wichtig, dass er versteht: Ich hänge nicht nur rum (zugegeben, dass ist für mich ebenso wichtig, um motiviert zu bleiben). Es gibt Dinge, die ich gerne mache, die mir ja gut tun und die ich weiter ausbauen will und kann. Nur Sofa ist für mich einfach kein Synonym für „ich brauche eine Pause“.

 

Keine Schuldgefühle und Sorgen bezüglich der Arbeitslosigkeit pflanzen!

Wir führten mehrere solcher Gespräche und während allen war mir eines wichtig: Du, mein Sohn, hast in keinster Weise etwas mit dieser Auszeit zu tun und ja, wir haben genug Geld, um wohnen und essen zu können.

Beide Punkte würden nämlich enorme Schuldgefühle in ihm auslösen. Das möchte ich auf keinen Fall! Denn er hat rein gar nichts mit meinem Weggang (ich hasse das Wort „Arbeitslosigkeit“) aus dem Büro zu tun und er ist viel zu klein, um sich Sorgen über Geld zu machen. Das ich jetzt aber nicht jedes beliebige Spielzeug kaufen oder wir 500 Ausflüge machen können, das habe ich leider schon erklären müssen. Denn einsparen muss ich jetzt. Überall. 
Nur, das sollte für ihn nicht zu einem Hauptproblem werden! Es reicht, wenn ich da nicht wirklich schlafen kann. Und Kinder sind ja noch mal mehr sensibler als wir Erwachsenen, wenn auch nicht immer auf den ersten Blick. 

 

Wart ihr schon in der Situation, dass ihr euren Kindern so einen Lebenswechsel erklären musstet? Ich finde es fast so schwer wie „Papa zieht aus“. Wenn sie Größer werden bzw. sind, kommen ja Ängste wie Hartz 4 und Stigmata-Angst hinzu… Das mag ich mir gar nicht ausmalen -.-

 

Bildquellen: Pixabay.com (Alexas_Fotos, nhattienle94)

6 Kommentare




  1. // Antworten

    Was das Thema Arbeit angeht, so ist das tatsächlich auch schon für die ganz Kleinen interessant. Kürzlich erhielt meine 4-Jährige von ihrer Kita-Erzieherin die „Hausaufgabe“, ihre Eltern nach dem Beruf zu fragen. In der darauffolgenden Woche haben die Kinder dann an einem Tag über Arbeit und Berufe geredet.
    Ich selbst bin schon seit vielen Jahren selbstständig und arbeite im Home Office, was zur Folge hat, dass mein Sohn mich immer wieder aufzieht: „Mama kann zu Hause bleiben, die hat’s gut…“.
    Ich werde auch oft von Kindern und Erwachsenen angesprochen, was genau ich denn zu Hause mache und wie viel ich verdiene. Anfangs war mir das unangenehm, aber mittlerweile sehe ich ein, dass der Beruf doch irgendwie eine enorm große Rolle für den Menschen spielt. Offenbar fällt es den Leuten dann einfacher, andere zuzuordnen/in Schubladen zu stecken.
    Ich erkläre jedenfalls ganz geduldig, was ich mache („Bloggen“ ist nicht gerade ein gängiger Beruf), aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass nur die wenigsten Gesprächspartner etwas damit anfangen können. Das wiederum nagt wirklich an meinem Selbstwert. Dann muss ich mir aber nur wieder vor Augen halten, wie gut es mir geht, dass ich so einen wunderbaren Beruf ausüben kann – und schon ist es mir wieder egal, was die anderen dazu sagen 🙂
    LG Anne!!!


    1. // Antworten

      Ja. Kinder wollen verstehen und fragen nach! Oft und dann ungehemmt. Ich kann vom bloggen nicht leben, aber es ist Arbeit. Und eine Pause brauchte ich auch. Themen, die man den Kindern nahe bringen sollte. Alleine schon, damit sie für sich selbst achtsame Entscheidungen treffen können.
      Du machst einen tollen Job!
      P.S. Männer fragen übrigens immer, ob ich arbeite und meine Rechnungen bezahlen kann… -.-


  2. // Antworten

    Ich frag mich ja immer, in wie weit „Arbeit“ für die Kleinen überhaupt schon Thema ist: Das heißt, macht es für Deinen Sohn einen Unterschied, ob Du 4 Stunden wohin gehst, um am Ende den und den Betrag auf dem Konto zu haben? Oder ist es für Deinen Sohn gleichwertig, wenn Du in der Zeit drei Blogartikel schreibst und Notizen für das Buch? Hm. Wahrscheinlich macht es den Unterschied, wenn es finanziell ein Problem ist, bevor ich mich hier aber in Gedankengängen über das Grundgehalt verliere: Was macht die Bali-Planung? Lieben Gruß, Bettie


    1. // Antworten

      Hey,
      Danke für Deine Gedanken. Tatsächlich mache ich wenig Unterschied zwischen Büroarbeit und Blog Artikel, wenn es um „ich muss arbeiten“ geht. Aber durch die Selbständigkeit und später durch das getrennt-erziehen war das Geld durch Arbeit schon Thema.
      Mit 5 fängt es ja an, sich für Berufe und „was machst du eigentlich“ zu interessieren… Natürlich kann ich „schreiben“ antworten. Aber es bringt ja (noch nicht) das Geld… schweres Thema!

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