Sicht einer Alleinerziehenden: Wie sieht deine Vaterschaft aus?

WOW!
Ich finde, das ist eine ganz schön schwere Frage. Vor allem für mich. Oder wie seht ihr das?
Das Projekt #VäterNRW des Familienministeriums hat zu einer Blogparade zu der Frage „Was begeistert Sie an Ihrer Vaterschaft? – Aufruf zu #WasDuDrausMachst“ aufgerufen und mich gefragt, ob ich mitmachen möchte. Sicher! Irgendwie… Ist ja schon seltsam, dass ich mitmachen soll, will, wo doch kein (erwachsener) Mann in diesem Haus weilt.

Wo will ich also hin mit meinem Text? 

Zunächst: Ich will NICHT über abwesende Väter meckern. Die gibt es, die kennen wir alle und das ist einfach nur kacke!!! Aber meckern können wir alle, diese Väter ändern können wir aber nur sehr schwer. Darum ich hatte mich ja dazu entschlossen, lieber Impulse für ein besseres Miteinander zu geben, wenn die Väter noch da sind, statt nur die Missstände aufzuzeigen. Und mir ist klar, dass sich meine Worte einfacher anhören, als die Realität aussieht. Viele Väter WOLLEN NICHT. Trotzdem plädiere ich für „geht immer wieder auf sie zu“.

Ihr werdet merken, dass ich eigentlich noch 1000 Wörter mehr hätte schreiben wollen, aber ich versuche mit zu konzentrieren.

Wie erreicht man, dass man als Alleinerziehende Väter nicht per se verurteilt?

Ja, ich weiß! Wir wünschen uns für unsere Kinder die besten Väter. Die Definition weicht von Mutter zu Mutter ab, aber wir wollen doch im Grunde alle Väter für unsere Kinder, die sich kümmern, die präsent sind, die uns entlasten und dennoch ihren Mann stehen. Oder?
Was wir nicht wollen, sind Väter, die sich einen Dreck um ihren Nachwuchs schert. Trotzdem höre ich von vielen Alleinerziehenden, dass gerade aber Letzteres der Fall ist.

Dazu habe ich mir mal meine Gedanken gemacht und ein paar Schritte aufgeschrieben, die wir als Mütter vielleicht tun könnten

Folgende drei Schritte möchte ich euch mit auf den Weg geben:

1.: Vergebt euch selbst
Natürlich gibt es Väter, die gar nicht erst wollen und die kein Interesse haben oder die den Kindern nachweislich Schaden zufügen wollen. Bei diesen Konstellationen kann ich den Müttern nur raten: Macht euch keine Vorwürfe, dass ihr den „Falschen“ ausgesucht habt. Es ist Vergangenheit und ihr könnt es nicht rückgängig machen! Und genau solche Väter können wir auch nicht ändern. Das Wichtigste ist aber, dass ihr euch verzeiht! Wenn ihr diesen Mann als Fehler seht, verzeiht euch diesen Fehler! Nur, wenn ihr mit euch im reinen seid, könnt ihr nach vorn gehen und weiter euer Leben leben! 
Ich wette mit Dir, dass es die Beziehung zu dem Kindsvater positiv verändern kann, wenn ihr euch selbst verzeiht. Wenn der Vater noch da ist, kann man es direkt im Umgang spüren und wenn er abwesend ist, dann hören zumindest eure Gedanken auf, ständig um diesen Missstand zu kreisen.

Eure Kinder werden euch übrigens auch verzeihen, dass ihr keine klassischen Familienrollen vorlebt. Kinder sind da viel flexibler. Und wenn ihr da große Bedenken bezüglich des männlichen Vorbildes habt, seid beruhigt, die Kinder suchen sich schon Ersatz. Geht zu den Großeltern, den Geschwistern, Freunden, Sportvereine. Dort finden sich schon noch genug Männer 🙂

2.: Vertraut wieder
(Fast) Jede getrennte Mutter (besonders die, die verlassen wurde) ist sehr sensibel, wenn das Thema auf neue Partnerschaft kommt. Oft erkenne ich dabei ein Grundproblem: Wir vertrauen niemandem mehr! „Männer“ sind oft die Schweine, sind schuld an dem Verhalten der Kinder, müssen gefälligst hinten anstehen. Und warum? Weil wir das Vertrauen in uns UND in männliche Partner verloren haben. Damit steht ihr euch, eurem Glück und eventuell sogar euren Kindern im Weg!

Das heißt, verzeiht nicht nur euch, sondern auch dem „Mann“! Vertrauen in uns und unser Gegenüber ist der zweite Schritt nach dem Verzeihen und führt euch wieder ein Stück zu einem guten Leben!
Vielleicht kommt so ja ein „neuer“ Papa in die Familie?

3.: Bezieht die Väter mit ein
DAS ist die Königsdisziplin und für die Allermeisten, die schlechte Erfahrungen mit Vätern gemacht haben, einfach undenkbar.

Aber ich möchte darauf hinweisen, dass einige Mütter bewusst oder unbewusst das ungewünschte Verhalten der Väter heraufbeschwören oder es ihnen zumindest schwer machen. Da wird kritisiert, kontrolliert, diskriminiert, beschimpft, verweigert und gestritten.

Allein für diesen Satz bekomme ich bestimmt mega mäßige Kritik. Macht nichts, ich glaube nämlich fest, dass zu einer Beziehung immer zwei gehören (Ausnahmen wie bei Gewallt-Situationen etc. gibt es – ich weiß!). Und ich sage ja nicht, dass es in 100% aller Fälle zu trifft. Ich möchte nur, dass jeder sich selbst (sehr wichtig: wertfrei) fragt, was habe ich zu dieser Situation beigetragen? Denn dann sieht man, dass man vielleicht auch etwas zur Verbesserung selbiger beitragen könnte. Warum sollte man das tun: Es ist doch die eigene Energie, die man in negative Gedanken, Streitereien oder sogar Wut und Hass verschwendet! Energie, die wir im täglichen Leben brauchen können. 

Und wenn wir es schaffen, das Verhältnis zwischen uns als Eltern zu verbessern, dann können plötzlich auch die Väter, die bisher abwesend waren, eine Stütze sein. Wenn wir sie dazu machen und auch lassen! Wenn wir uns bewusst machen, dass Väter machen Dinge anders handhaben als Frauen, das aber nicht heißt, dass die Kinder einen Schaden erleiden, dann können wir alle friedlicher miteinander umgehen. Wenn es die Situation gibt, dass der Vater es nicht von sich aus kann, müssen eben wir Mütter eine Beziehung aufbauen (zwischen ihm und dem Kind). Oder es zumindest auf die ehrlichste Weise, die wir können, versuchen! So umgehen wir auch, dass wir schlecht über die Väter reden (jemandem, dem wir verzeihen, machen wir ja nicht schlecht).

NOCHMAL: alle GEWALTTÄTIGEN MÄNNER sind hier aus meiner Sichtweise ausgenommen.

 

Ihr glaubt mir nicht? Ich erzähle mal von uns

Nein, natürlich nicht. Frustrierte ober überlastete oder gekränkte Mütter können sich schwer vorstellen, dass Väter auch gute Eltern sind. Dabei brauchen Kinder ihre Väter! Ich kann euch nur sagen, wie ich es gemacht habe – und ich bin die genannten 3 Schritte gegangen.

Schritt eins: Monatelang habe ich das Verzeihen geübt. Erst immer wieder mir und sobald der Lausbub-Papa etwas tat, was mir nicht passte, habe ich ihm  in meiner Küche vergeben – laut ausgesprochen. Wirklich! Selbstgespräche sind verpönt, helfen aber 🙂
Als Schritt zwei bin ich dazu übergegangen, nicht mehr kontrollieren zu wollen. Er fährt mit dem Kind weg und ich weiß es nicht? Macht nichts! Er kann auf seinen Sohn schon aufpassen. Und wenn nicht, erfahre ich es wohl schneller als mir lieb ist. Es gibt nach dem Wochenende mehr saubere als dreckige Wäsche? Ich könnte platzen und rummeckern (nur eines der zahllosen Beispiele, bei denen ich früher in die Luft ging). Aber ich bleibe dabei: Das Kind wird nicht daran zugrunde gehen, darauf vertraue ich. 

Dann habe ich als Ergänzung zu Schritt eins einen entscheidenden Schritt getan: Am Geburtstag des Vaters habe ich ihm gratuliert und ihm für das Dasein unseres Sohnes gedankt. Das hat ihn so gefreut und erstaunt, dass sich unser Verhältnis nachhaltig gebessert hat. Seit dem ist er präsenter, hilft wo er kann und im Rahmen seiner persönlichen Möglichkeiten versucht er „da zu sein“. Ich habe ihn also in Boot geholt.

Seit meiner Entscheidung, nicht mehr im „Weg zu stehen“, rufe ich an, wenn es wichtige Entscheidungen gibt. Will er daran teilhaben: Ok! Will er nicht: AUCH OK! Über das Verhältnis von „er will“ und „er will nicht“ denke ich nur noch selten nach! Ich habe für mich aber Klarheit und grüble nicht, ob er wohl will oder nicht. Und ich frage nicht ständig „warum meldet er sich nicht“, denn ich habe ja bereits angerufen und nachgefragt.

Das schont meine Energie 🙂

Das ist vielleicht nicht die Vaterschaft, wie ich sie mir vorstelle und wünsche. Aber es ist die, die gerade möglich ist und DER ich definitiv nicht im Wege stehe. Und das muss ich akzeptieren. Dann kann man in kleinen Schritten auch aufeinander zugehen.

Dadurch stand sogar das Treffen, der (längst nicht mehr so) Neuen an (ich hab mal einen Brief an eine unbestimmte Next verfasst). Jetzt ist es nicht nur der Papa, sondern Papa und X. Ich gönne meinem Sohn die Zeit mit dieser zweiten Familie. Sie machen Dinge, die ich nicht machen würde oder kann. Vielleicht ist nach dem Treffen alles noch einfacher? Beziehungsweise mehr so, wie ich es mir wünsche. Vielleicht auch nicht. Aber ich bin mir sicher, ich habe es zu einem großen Teil in der Hand. Getreu dem Motto #WasDuDrausMachst

Fazit

Vaterschaft ist in erster Linie etwas, was wir Mütter uns wünschen und nur zu einem Teil beeinflussen können!
In unserer Vorstellung existiert ein Vater, so wie er sein soll. Oft ein Abbild unseres Vaters (oder das extreme Gegenteil). Der Mann, den wir uns als Vater unserer Kinder aussuchen, KANN das gar nicht erfüllen, wenn wir uns nicht auf diesen Mann einlassen und uns von unseren Vorstellungen verabschieden! Akzeptanz und Wertschätzung sind der Schlüssel für ein gutes Miteinander 😉

Warum treten wir nicht mal einen Schritt zurück und fragen sehr direkt: Wie möchtest Du als Vater sein? Was kannst Du leisten? Ich wette, ihr werdet über die Antworten erstaunt sein. Wer fragt, muss die Antworten allerdings akzeptieren – DAS ist das eigentliche Problem, oder?

 

ICH danke jedenfalls allen Vätern und Müttern (unabhängig wie ihr lebt), die ihr Bestes für ihre Kinder geben! So, wie sie es eben können. <3

Hier gibt es alle weiteren Beiträge zu der Reihe!

3 Kommentare


  1. //

    Danke! 🙂


  2. //

    super toll geschrieben, sehr viel menschliche größe. bewundernswert.


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