Brief an die (unbestimmte) Next

Liebe Next,

ich kenne Dich nicht, denn ich habe keine bestimmte Person vor Augen, wenn ich das hier tippe. Ob es die jetzige Freundin des Ex ist oder eine zukünftige, ich möchte etwas Allgemeingültiges zu Dir sagen, okay?

Aber Moment. Allein das Wort „Next“ ist eigentlich total daneben. Oder? Ich meine, ich möchte einen persönlichen Brief schreiben. Da ist das Wort „Next“ irgendwie abwertend und sorgt vielleicht direkt für negative Stimmung? Na, vielleicht können wir uns darauf einigen, dass es einfach beschreibt, wer Du bist? Nämlich die „nächste“ Partnerin meines Ex-Freundes. Und damit irgendwie auch ein Teil meines Lebens. Denn meinen Ex-Freund und mich verbindet ein gemeinsam gezeugtes Kind

Also liebe Next, da wären wir mitten im Thema. Ganz offensichtlich hast Du Dich für einen Mann mit Kind entschieden. Ich setze einfach mal voraus, dass zumindest mein Ex sein Kind nicht verheimlicht, daher schlussfolgere ich: Du hast Du Dich in einen Mann mit Kind verliebt?!

Wenn der Freund schon ein Kind hat? Sicher nicht einfach – für ALLE!

Respekt! Das ist bestimmt nicht einfach! Niemand, der sich verliebt, teilt seine große Liebe gern. Kennen wir doch alle oder? Und dann hast Du jemanden mit einem etwas größeren Paket gewählt, als nur eine stink normale Vergangenheit. Dein jetziger Freund führt Dir regelmäßig vor Augen, dass es da jemanden gab, der (zumindest für den einen Moment) so wichtig war, dass ein Kind daraus entstand. Kein schöner Gedanke. Das kann ich verstehen.

Aber ich habe eine große Bitte an Dich!
Dieses Kind ist auch mein Kind! Es ist in Liebe entstanden und gehört seit dem zu unserem Leben dazu. Du weißt das und ich bitte Dich inständig, behandle mein Kind mit Respekt und gibt so viel auf es Acht, wie Du kannst! Es kann überhaupt nichts dafür, dass seine Eltern die Beziehung nicht weiter führen konnten und ich habe MONATE gebraucht, um die Schuldgefühle aus meinem Kind herauszubringen.
Wenn Du Dich also nun für ein Zusammenleben mit meinem Ex-Freund und meinem Kind entschließt, dann bitte tu dies mit dem Wissen: Du hast da nicht nur eine Person in Dein Leben geholt, sondern zwei. Und so Gott will, wird der Kontakt zwischen Vater und Kind nicht abbrechen – also wird es sehr lange zwei Personen in Deinem Leben geben. Ihr seid dann so etwas, was man eine Patchworkfamilie nennt, cool, oder?

Vielleicht bist Du Mutter? Vielleicht auch nicht? Vielleicht wirst Du es noch irgendwann?

Dann wirst Du verstehen, dass Mütter wie Löwinnen um ihre Jungen kämpfen. Löwen neigen nämlich dazu, ihre eigenen Jungen zu killen, wenn sie sich neu verlieben. Das verhindern Mütter aber. Denn das Kind hat ein Anrecht auf ein glückliches Leben – und sein Vater. Dafür kämpfen Mütter auf der Welt Tag für Tag. Dafür, dass Väter ihre Pflichten wahrnehmen. Vergiess das nie.
Daher wünsche ich wünsche sehr, dass Du verstehst, dass Du die Beziehung zwischen nicht-Dein Kind und Deinem Freund nicht unterbinden solltest. Ein Kind braucht seinen Vater! Und er hatte sich vor langer Zeit für dieses Kind entschieden und trägt seit dem Verantwortung. Mach es ihm durch Vorwürfe nicht so schwer, ja? Viel schöner wäre es, wenn Du sein Verantwortungsbewusstsein sehen würdest. Und die Liebe! Denn diese Väter, die sich kümmern, die Lieben! Auch über einen Streit mit der Ex hinaus. Und das ist doch etwas Gutes, oder?

Mütter sind wie Löwen und kämpfen um ihre Kinder
Mütter sind wie Löwinnen. Das wirst Du früher oder später merken und hoffentlich verstehen?

Manchmal schießen Mütter in der Verteidigung unserer Kinder über das Ziel hinaus. Dann greifen wir die Next an oder machen dem Ex und der „Neuen“ das Leben schwer (wobei das relativ zu sehen ist). Manche meiner Entscheidungen und Meinungen wirst Du dann nicht verstehen, aber hoffentlich respektieren?
Denn auch ich als Mutter bin nicht vor Gefühlen geschützt. Ihr macht vielleicht tolle Dinge mit meinem Kind. Dinge, die ich nicht erleben werde. Ich fühle mich da genauso ausgeschlossen, wie Du Dich, wenn der Vater mit dem Kind alleine loszieht. Kacke, oder?

Seit einiger Zeit versuche ich Dich daher als Bereicherung zu sehen! Du bist eine weitere Vertrauensperson, die sich um mein Kind kümmert und jemand, der ihm einfach einen weiteren Blickwinkel schenkt. Du bist vermutlich da, wenn es sich weh tut, tröstest es… Das ist schwer für mich zu akzeptieren, aber doch etwas ganz wundervolles! Ich vertraue auch darauf, dass eure Regeln und euer Leben meinem Kind nicht schaden. Und wenn, so nehme ich mir fest vor, versuche ich es erst mit einem klärenden Gespräch (Memo an mich: hoffentlich nicht im ganz krassen Verteidigungs-Modus!).

Vielleicht kannst Du dann aber im Gegenzug versuchen, mein Kind als Bereicherung Deines / Eures Lebens zu sehen? Nicht als Klotz am Bein oder etwas, was Dich an der Paar-Zeit hindert. Denn ich garantiere Dir, wenn ihr bzw. wir es richtig anstellen, dann wird er Teil Deiner Familie werden und Dich bereichern (ja, natürlich ist das Leben mit Kind anstrengend, ich mache diesen Job ja jeden Tag, aber versuche es, ja?). Es mag sein, dass Dein Leben dann anders verläuft, als wenn Du Deinen Freund alleine hättest: Plötzlich hast Du zeitweise eine Familie ja sogar (größere) Patchworkfamilie (viele schreiben wie schwer Patchwork ist). Das bedeutet Verantwortung – wieviel, das hängt von eurem gemeinsamen Leben ab. Aber hey, Du wusstest das doch vorher, oder? Und hast Dich bewusst für Mann plus Kind entschieden und jetzt kann doch sicher etwas ganz wunderbares daraus (er-)wachsen!?!

Und sollte es mal ganz schlimm sein: Bitte wünsche Dir niemals, dass es dieses Kind nicht gäbe. Es kann nichts dafür, geboren worden zu sein. Es war unsere Entscheidung. Aber wenn Du einen solchen Wunsch hast, wird mein Kind es merken und Du wirst unterbewusst immer ausdrücken, dass es nicht willkommen ist. Niemand ! hat es verdient, nicht willkommen zu sein, wenn er es sich nicht ausgesucht hat. Kinder sind nicht dumm, sie haben eine Antenne dafür und sei Dein Gedanke noch so gut versteckt.
Und falls Du ein Kind hast, stell Dir vor, jemand würde sich wünschen, Dein Kind wäre nie geboren… Also denke nicht, dass ich mich freue…

Da wären wir dann wieder bei Schuldgefühlen. Sollte mein Kind je denken, Papa kann nicht glücklich sein, weil ich da bin… nun, vermutlich kannst Du Dich dann auf eine sehr aufgebrachte Löwin einstellen.
Außerdem glaube ich, dass Dein Freund, mein Ex-Freund, es Dir krumm nehmen würde, wenn Du einen wichtigen Teil seines Lebens wegwünschst. Das Kind ist auch aus ihm entstanden. Es wäre so, als würdest Du Dir einen anderen Mann wünschen. Immerhin hat das Kind ihn auch zu dem gemacht, wer er ist. Es wachsen ja beide an der gemeinsamen Zeit. Wäre das Kind also nicht da, was für ein Mann wäre er dann? Freier? Ja, vielleicht. Aber wäre er dann immer noch der Mann, den Du liebst?

Und auch mein Kind hat sich nicht gewünscht, dass Du da bist. Du bist vermutlich auch einfach in sein Leben geplatzt und es soll nun mit Dir klar kommen. Für das Kind bist Du ebenfalls am Anfang eine Art Störfaktor. Ungewiss, wer Du bist und eben nicht-die-Mama. Es hat vielleicht das Gefühl, Du nimmst ihm den Vater weg?  
Bitte habe Verständnis, wenn es dann nicht immer so reagiert, wie Du es hoffst. Denn es ist ein Kind! Unfähig sein Bedürfnis nach heiler Familie (Mama und Papa vereint) ausdrücken zu können! Es liegt an uns, ihm zu zeigen, dass auch eine Patchworkfamilie liebevoll sein kann und man auch mit mehr als einem Elternpaar glücklich sein kann. Daran sollten wir uns alle gegenseitig erinnern und fällt es noch so schwer – ja mir fällt es auch schwer! 
Und ja, dieses Gefühlschaos wird unser Kind, wird uns ein Leben lang begleiten. Es wird immer wieder zu solchen Momenten kommen, wo wir uns alle einen anderen Fortgang der Geschichte wünschen und den anderen auf den Mond schießen wollen – ich bin nicht naiv zu denken, die Welt ist ein Rosaplüschhimmel…

Ich hoffe nur, dass ich diesen Brief immer im Herzen habe und auch immer für Dich Verständnis aufbringe (nicht zu letzt meinem Kind zu liebe) und ich hoffe, wenn es irgendwann mal Probleme mit unserem Kind und euch gibt, dass wir sie gemeinsam lösen. Löwen leben immerhin auch im Rudel?? Und wenn Du sie nicht mit mir lösen kannst, dann hoffe ich, dass ihr – Du und mein Ex-Freund, gemeinsam eine Lösung MIT seinem, meinem, unserem Kind gibt… Ich wäre Dir dankbar!

Es grüßt Dich,
Die Ex

 

Edit: Es gibt noch mehr zu diesem Thema zu sagen. Daher verlinke ich hier gern die, die dazu auch einen Artikel verfassen 🙂

 

 

Bildquelle: Pixabay.com (Pexels und hier, geraldfriedrich2)

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