„Dann macht es euch doch gemütlich“

   – oder aus der Reihe „warum ein krankes Kind überhaupt nicht entspannend ist“. „Dein Kind ist krank? Mensch, das ist ja blöd! Aber dann macht es euch doch heute mal gemütlich! Ist ja dann auch Wochenende…“ Solche Sätze hat sicher jede Mama schon mal gehört. Und das nächste Mal dürft ihr gern auf diesen Beitrag hier verweisen, wenn euch wieder jemand so eine Aussage um die Ohren haut. Denn ich habe mal kurz meinen Tag von gestern aufgeschrieben, an dem der Lausbub irgendwie krank wurde… Es ist 5h. Eigentlich bin ich gerade noch mitten in meiner Tiefschlafphase. Seit 2 Tagen konnte ich den Lausbub überreden, in seinem Bett zu schlafen. Selbst gestern, nach diesem wunderbaren Geburtstagsfest meiner Schwägerin mit Brause und Kuchen und viel Spiel mit den Cousinen, war er bereit bei sich zu schlafen. TOLL! Ich wähnte mich in Sicherheit… „Mama, mein Bauch tut weh“ Ich bin kurz irritiert und frage mich, ob ich mich wohl verhört habe. Weitere 30 Sekunden später krabbelt ein Lausbub unter meine Decke „Mama, mein Bauch tut schrecklich weh“. Ok, jetzt also schon „schrecklich“. „Lausbub, wir haben noch etwas Zeit, lass uns noch kuscheln“.  15 Minuten später verschwindet der Lausbub ins Bad. Nachdem wir also das große Geschäft erledigt haben, freue ich mich: „Lausbub, super, dann können wir uns jetzt sicher mit einem entspannten Bauch noch mal ins Bett legen.“ An dieser Stelle sei gesagt, wenn an so einem Morgen das Kind freiwillig wieder mit ins Bett geht, IST ETWAS FAUL! 5:45 geht der Wecker und wir steigen aus dem Bett. Der Lausbub ist unruhig und klagt „Mama, der Bauch tut schon wieder weh, aber er sagt nicht, was er hat“. Mein Gehirn ist nach diesem frühen Wecken allerdings noch nicht fit. „Du hast bestimmt Hunger, oder?“ Nicken. Na also.  5:50 hat der Lausbub angeblich keinen Hunger mehr und ehe ich mich auch nur an den Tisch setzen kann, beschließen wir, dass Anziehen jetzt an der Reihe ist. Meine innerer Planer jammert kurz, dass der Ablauf heute irgendwie überhaupt keinen Sinn ergibt, jubelt dann aber. Wenn wir jetzt anziehen, dann ist der Lausbub fertig und kann nicht viel rumjammern über das Shirt oder was auch immer und ich kann alles fertig machen.  6:15 Nachdem wir beide angezogen sind und ich gerade mein Frühstück fertig zusammengerührt habe, kommt wieder dieser Satz… „Mama, mein Bauch…“ Mit Wärmflasche ausgestattet schicke ich den Lausbub noch mal in sein Bett und gehe mich nachdenklich fertig machen. Wir sind irgendwie noch total früh für den Kindergarten und vielleicht hilft das ja gegen die Blähungen… Ja, so naiv war ich da noch. 6:35 kuschel ich mich bürofertig zum Lausbub ins Bett. Derweil krümmt er sich ein wenig deutlicher. „Lausbub, meinst Du wirklich, Dir geht´s so schlecht? Vielleicht war es nur der Kuchen gestern?“ Der Lausbub nickt. Ja bestimmt war es der Kuchen und er will doch auch so gern in den Kindergarten.  6:44 Der Lausbub spuckt. In Windeseile schaffe ich ein Handtuch herbein, rette das Stofftier, trage den Lausbub in die Wanne, ziehe ihm die dreckigen Klamotten aus und ziehe das Bett ab. OK, Kreislauf an Gehirn: bitte jetzt endlich ANSCHALTEN, auch wenn es noch keinen Kaffee gab! Das hier ist wohl keine Magenverstimmung mit ein wenig Bauchweh, was durchs Spielen verschwindet, das ist viel mehr Magendarm. Und der Lausbub hat gespuckt. Das macht er NIE! Bis 7:30 habe ich erst in der Kita und im Anschluss beim Arzt angerufen. Wir können erst 8:45 reinkommen. Bis dahin ist alles terminlich voll: Alle Margendarm, wie mir die Assistentin schon unheilvoll ankündigt. Jetzt überlege ich krampfhaft, wie ich meinem neuen Arbeitgeber wohl am besten mitteile, dass ich nach 14 Tagen Arbeit mich krank melden muss. Und zwar so, dass ich mein Kind nicht bei Oma parken kann. Magendarm ist da ein NO GO! Stress macht sich in mir breit! Der Nettigkeit geschuldet, sage ich erst meiner Schwägerin Bescheid, dass es eventuell zu Magendarm kommen kann (sie hat 3 Kids, ich finde, sie sollte vorbereitet sein), ehe ich mich zaghaft an eine Mail an meinen Chef setze.  Da der Opa eigentlich das Auto heute haben wollte, muss ich ihn kurz aus dem Bett klingeln und unseren mühsam ausgeklügelten Auto-Plan über Bord schmeißen. Fairnesshalber gebe ich auch dem Lausbubenpapa per Whatsapp über den Gesundheitszustand des Lausbubs einen Statusbericht.  8:00 Unser Kinderarzt ist leider ans andere Ende der Stadt gezogen. Wir müssen also los. Schnell noch Wechselklamotten und eine Tüte eingepackt. Der Arzt macht ein Bild vom Kinderdarm und bescheinigt mir „der sieht aus wie ein brodelnder Vulkan“ Na super! Humor hat der jedenfalls.  Da er mich in meinem Bürooutfit von oben bis unten mustert und vermutlich kurz darüber nachdenkt, warum ich mich wohl mit einem Magendarm Kind so zurecht mache, kontere ich mit „Wir haben auch Läuse in der Kita“ und schon ist die Stimmung dahin. Finden tut er aber auch hier nichts.  9:10 Wir bringen die Krankmeldung direkt zu meinem Arbeitgeber, wo ich sie, wie abgesprochen in den Briefkasten werfe. Magendarm muss ja da nicht jeder mitbekommen. Wir fahren schnell zum Opa, der die Oma auch zum Arzt fahren muss und dort müssen wir erstmal ins Bad… Ich trinke zwischen den Türen meinen ersten Kaffee. 10:15 komme ich mit Kind und allem drum und dran zu hause an. Bis hier hin war ich schon 2 Stunden unterwegs und bin in unserer Stadt in 3 weit voneinander entfernte Ecken gefahren, aber was soll´s? Ich werfe direkt eine Maschine Wäsche an. Ach je, der Wäscheständer ist ja noch voll, also noch schnell die trockene Wäsche runter. Das Frühstücks-Dilemma steht noch rum und weil ich eines gelernt habe: Geschirr von Magendarm kranken Kindern sollte wohl möglichst schnell weg. Also Spülmaschine aus und einräumen. Klar, dass das an so einem Tag ja irgendwie alles gleichzeitig anfällt. Nie ist mal die Spülmaschine leergeräumt, wenn man es bräuchte. 10:40 ca ruft der Lausbubenpapa an und erfragt Auskunft. Der Lausbub jault derweil, dass sein Bauch weh tut und er auf die Couch will. Während des Telefonats bringe ich Decke, Wärmflasche und Kuscheltier zur Couch und stelle Teewasser an. Der Lausbubenpapa weist mich auf einen Familien-Termin nächste Woche hin, der am frühen Morgen für mich jetzt wohl gerade nicht so praktisch wäre. Mein Arbeitgeber hätte da sicher nicht so viel Verständnis. Wir besprechen also weitere Termine.  11:10 sitze ich mit Tee neben dem Lausbuben auf der Couch und lege Maja als DVD ein. Das hat er sich wohl verdient. Ich sage den besprochenen Termin also auch noch ab und überlege direkt, ob ich die Reitstunde für morgen nicht auch direkt absagen soll bzw. hoffe, dass meine Reitlehrerin den Stundenplan noch nicht fertig hat. BING Whatsapp teilt mir mit, dass im gleichen Moment die Reitlehrerin die Stunden rum geschickt hat. Absagen kostet nun Geld. Super.  Ich ignoriere das. 11:40 Mir kommt der erste Gedanke zu diesem Tagebuchpost über kranke Kinder und dem „Macht es euch gemütlich“ Spruch. Mit Tee und Laptop bewaffnet halte ich die ersten Sätze kurz fest und stöbere etwas in den sozialen Netzwerken, ehe mich der Tag wieder einholt. Mittlerweile hat sich auch meine Kollegin gemeldet, die mir erstmal gute Besserung schickt. Vom Chef selbst keine Reaktion. Ok, das heißt aber nichts, denn er ist heute nicht im Büro.  12:10h Mein Bauch grummelt auch verdächtig. Ich ignoriere auch das.  12:15 Ich hole die Wäsche hoch und mache die nächste Maschine direkt an. Bettzeug ist immer so Raum einnehmend. Als ich wiederkomme jammert der Lausbub ein wenig und nach dem Wäscheaufhängen mache ich Zwieback und soll danach mit ihm auf der Couch kuscheln. Mir fällt auf, dass ich meine Bürokluft noch anhabe und entledige mich dieser noch. Heimlich lese ich dann auf der Couch während Maja läuft im Handy und durchsuche Pinterest… Gegen 13h hat der Lausbub eigentlich schon viel zu viel TV geschaut, aber ich finde, wenn man krank ist, darf man das. Jetzt ist allerdings der Moment, wo er unruhig wird. Er will in seinem Zimmer etwas spielen… Okaaay. Ich sehe ihm misstrauisch hinterher. Als ich aufstehe macht mein Rücken großes AUA, weil ich natürlich beim Kuscheln mehr als ungünstig gesessen habe. Nun ja.  13:10 Gerade als ich denke, na gut, hat dieser Spruch ja doch Recht, mach es dir doch einfach gemütlich, schellt es an der Tür und mein Vater bringt mir eine Tüte voller Lebensmittel. Ja richtig, das hatte ich auch noch koordiniert, denn ich konnte ja heut nicht wie geplant einkaufen. Der Lausbub jammert, es ginge ihm so gar nicht gut. Ich tröste, verräume die Einkäufe und mache uns noch einen Tee, als ich Schweigen höre. Dieses Schweigen vor dem alle Eltern Angst haben. Man hört absolut NICHTS. Etwas panisch betrete ich 13:30 das Wohnzimmer nur um einen friedlich schlafenden Lausbuben zu sehen. Tja und direkt muss ich an einen weiteren klugen Spruch denken „schlaf doch, wenn das Baby schläft“. Ja ne, is klar. Wenn ich das jetzt mache, dann weiß ich, wie das endet: Wir sind beide absolut fertig, nichts ist gemacht, ich bin gefrustet und mein Tag nimmt dann gar kein Ende. Doch was mache ich jetzt statt schlafen? Eine to do Liste! Das war eh fällig. Ich bewaffne mich also mit Stift und meinem Block und überlege, was ich alles tun kann und sollte.  14:00 nichts regt sich. Ich ahne furchtbares für den Abend und brauche nun unbedingt Ablenkung. Und wasche die Wohnzimmer Kissen ab. Also zumindest die, auf denen der Lausbub nicht liegt. Denn mit denen habe ich noch etwas vor, das ist aber erstmal geheim. 15:00 Ich werde panisch, was den Abend angeht und bekomme Hunger. Ich koche mir was und geselle mich dann zu dem Lausbub, der wie erschlagen schläft. Selbst als ich mir kurz den TV anmache, weckt ihn das gar nicht. Ich gehe weiter auf meiner to do Liste und packe ein Retouren-Paket und erledige anderen Kleinkram, wie weitere Verabredungen mit Nachbarn am Wochenende abzusagen. Mittlerweile verfluche ich mich selbst, denn mir ist vor Müdigkeit kalt und mir ist eigentlich sehr wohl nach meinem eigenen Bett zu mute. Ca. 16:00 Der Lausbub schlägt die Augen auf, verlangt umgehend nach Wasser, Essen und Bespaßung. OK, dem geht es wohl besser. Eine halbe Stunde später finde ich mich am Tisch mit Gesellschaftsspielen wieder. Anschließend wird gemalt, gebastelt und überhaupt am Tisch gewerkelt. Zwischendurch mache ich noch mal Essen, räume das ein oder andere weg und räume die Spülmaschine wieder um. Das Kinderbett ist nun zwar gewaschen, aber neu bezogen werden muss es ja auch noch. Bis 19h geht dieser Nachmittag und ich habe in der Zwischenzeit ein Fensterbild auf dringenden Wunsch des Lausbubens zu seiner Hexenhütte gezaubert und mit diversen Freundinnen kommuniziert. Zu irgendwas muss dieser Tag ja gut sein. Außerdem beschließe ich, dass ich durchaus morgen reiten kann und mir der Stress mit dem Absagen gar nicht erst antun werde. Langsam versuche ich den Lausbuben ins Bett zu bekommen. Um 20h gebe ich auf. Als ich um 21h nach einer weiteren Spielrunde den Lausbub endlich in den Schlaf gekrault habe und selbst ins Bett wanken möchte, fällt mir die Wäsche ein. Ok, noch mal anziehen, runter in den Keller… Völlig fertig von diesem zuhause-Tag, wanke ich ins Bett und lächel über die Unwissenden, die so einen Tag mit „macht es euch doch gemütlich“ kommentieren würden… 🙂