Durchhaltevermögen – Fluch und Segen

Schnecke, Weinbergschnecke, Schneckenhaus, Kriechen
Durchhalten lohnt sich – oder? (by pixabay)

Oft entdecken wir die Veränderungen an unseren Kindern erst dann, wenn sie schon eine Weile vollzogen sind, oder die Phasen eben schon eine Weile andauern. 

An einem Wochenende im März wurde mir klar: Der Lausbub hat sich verändert. Er ist auf dem besten Weg ein (Vor-)Schulkind zu werden. Wir haben zwar noch ein Jahr, aber er legt genau jetzt die Grundsteine dafür. Ganz von allein. Einfach so.

 

Er übt sich in Durchhaltevermögen. Und immer manchmal passt mir das und äh manchmal eben nicht.

Wie meine ich das? 

Nun, wenn Babys zu Kleinkindern werden, dann entwickeln sie so etwas wie einen eigenen DickKopf. Ihre Bedürfnisse werden plötzlich zu einer eigenen Meinung. Und diese möchten sie durchsetzen. Komme was da wolle. 

Der Lausbub war darin Meister. Wutanfälle, Trotzanfälle, Weinanfälle, Schreianfälle. Die ganze Palette. So, wie viele Eltern es kennen und ich sage euch, ich bin oft, sehr oft verzweifelt. Und dann, einige Monate nach seinem 4 Geburtstag, veränderte sich etwas.

Schon oft schrieb ich darüber, dass ich mich entspannte, mir Freiräume schaffte und unser Zusammenleben an so vielen Enden und Ecken versuchte zu entzerren, dass es eine deutliche, positive Resonanz erzeugte. Diese Wutanfälle wurden, wie soll ich sagen, lenkbarer. Doch ich bin in diesem Fall nicht das entscheidende Rädchen, das ist sicherlich nicht alles.
Der Lausbub veränderte sich auch; und zwar seinen Trotzkopf in Durchhaltevermögen, in Konsequenz. Plötzlich ist er nicht mehr so verbissen wütend und sprunghaft wie es 2 und 3 Jährige gern sind (und sein müssen). Er lenkt ein, findet Argumente, schließt Kompromisse und gibt Versprechen ab (versprochen ist versprochen und wird auch nicht…). Es macht wirklich das Leben etwas einfacher, wenn das eigene Kind mal bei der Sache bleibt und nicht direkt in schreckliches Verzweiflungsweinen verfällt. Aufgefallen ist es mir erst vor kurzem, das ist eine ganz neue Seite.

Plötzlich ist es so:

  • wenn er Lego / Playmobil spielt, dann so lange, wie es die Zeit zulässt und nicht nur auskippen und fertig
  • wenn wir eine Kinder-Zeitung lesen, dann bis zum Ende und nicht nur kurz ansehen und wegpfeffern
  • wenn wir eine Kindersendung sehen, dann mit voller Konzentration und mit dem Willen, davon etwas zu lernen und zu behalten
  • wenn wir schwimmen gehen, dann stundenlang; baden ebenso
  • der Tag in der Kita kann nicht lang genug sein
  • Fahrradfahren kann man plötzlich 2 Stunden lang
  • wenn er etwas lernen will, dann gehen auch Verpflichtungen mit Freude wie beispielsweise Logopädie
  • wenn er mich veralbern will, dann schmuggelt er sogar Süßes in die Kita (behält es bis zum Schluss für sich) und lacht sich halb tot über die ahnungslose Mutter
  • Postkarten unterschreiben kann er plötzlich mit Ausdauer
  • mit anderen Kindern ist man plötzlich Meister der Geduld und teilt gern
  • kann man stundenlang Fragen fragen
  • gibt er plötzlich nicht mehr auf, wenn etwas nicht sofort klappt
  • und ist damit wahnsinnig konsequent, finde ich

Das ist großartig und es gibt einer Mutter (ja, mir), die „überraschend“ einen Einschulungsbescheid erhalten hat, ein gutes Gefühl. Bisher hatte ich mir ausgemalt, wie der Junior in der Schule rumhampelt und spielt und überfordert ist und dort fehl am Platze ist… wie sollte das gehen, fragte ich mich bis vor kurzem. 
Aber so, so kann das tatsächlich funktionieren, denke ich.

Alles super soweit, oder?
Na ja, es gibt immer ein aber

Leider gibt es nämlich auch Momente wie

  • wenn er einmal wach bleiben will, dann bleibt er wach
  • wenn er eine Handy-App (die eigentlich nur für Notfälle gedacht ist) super findet, dann am liebsten 24 Stunden lang
  • wenn er draußen oder bei Freunden bleiben will, dann sehr lange, dann eben auch allein
  • wenn das Chaos sein soll, dann aber auch richtig
  • wenn er Frühstück machen will, dann mit allem heißen und scharfen Gegenständen
  • wenn man goldene Schuhe haben will, dann tut man alles dafür

Sprich: Alles, was er sich in den Kopf setzt, wird auch umgesetzt. 
Ich mag diese Eigenschaft, ehrlich! Er soll für sich selbst einstehen, etwas durchhalten, sich entwickeln, seinen Kopf haben, ausprobieren und ein Stück weit ehrgeizig sein. 
Das zeichnet ihn aus! Und ist mir weit aus lieber, als diese Wutzwerge, die hoffentlich jetzt kein anderes Kind heimsuchen 🙂

Nur die goldenen Schuhe, könnten wir darüber noch mal sprechen? BITTE!

Eure P.