Erfahrungsbericht Kur Ostseeklinik mit wertvollen Tipps

imageWie meine Leser ja wissen, habe ich im Januar / Februar 2015 eine Kur an der Ostsee, genauer in Boltenhagen mit dem Lausbub absolviert. Ich möchte kurz meine Erfahrungen mit anderen Müttern / Vätern teilen. Und diese möchte ich gern objektiv halten, also Kommentare wie „der Strand war toll“ können Sie in anderen Beiträgen lesen (auch wenn der selbstverständlich wunderschön war) 🙂

Warum mache ich das? Weil ich ein paar Sachen gern im Vorfeld gewusst hätte; weil ich die Berichte, die ich gelesen hatte, im Nachhinein nicht hilfreich fand und weil es mir selbst gut tut, rückblickend zu reflektieren.

Ich hoffe, meine Tipps helfen Ihnen bei einer Kur-Überlegung?!

Was hätte ich im Vorfeld wissen wollen?

Zunächst mal, ich habe eine Krankenkassen-Kur absolviert. Das heißt, ich habe mir bei meiner Krankenkasse einen Kurantrag abgeholt. Diesen füllte ich zusammen mit meinem Arzt aus. Hilfreich ist es, wenn man von mehreren Ärzten ein Statement bekommt. Diesen Antrag reicht man dann bei der jeweiligen Krankenkasse ein. 

Ich habe als Gründe unter anderem die Trennung, Existenz-Ängste, Alleinerziehend und diverse Andere Stichpunkte angegeben. Scheut euch nicht, genau aufzuschreiben, was euch belastet. In der Kur traf ich viele, die auch „Gewichtsverlust“ etc. mit angegeben hatten.

EDIT: Die Häuser der KK unterscheiden oft nicht im Krankheitsbild, aber es gibt Häuser, die sind wohl speziell ausgerichtet, aber ob das besser ist?…

Der Kinderarzt des Lausbuben hat mir davon abgeraten, den Lausbuben auch als Therapie-Kind anzumelden, lieber als Begleitperson. Warum? Weil er es fraglich findet, ein Kind, was außer häufiger Bronchitis keine Beschwerden hat, als therapiebedürftig einzustufen. Stichwort gebrandmarkt und so. Außerdem sollte man ja froh sein, dass das Kind gesund ist, nicht wahr?

Jedenfalls ist es wichtig, dass ich erwähne, dass es sich um eine Krankenkassen-Kur handelt. Denn es gibt auch diverse freie Häuser, die Kuren anbieten. Da läuft der Antrag aber anders ab. Nach 3-4 Monaten bekommt man ein Feedback. Ich bekam die Genehmigung sofort. Andere verlangen dann ein Gutachten etc. Das musste ich zum Glück nicht.  Bei mir hat es weitere 3 Monate gedauert bis zum Termin. Also nicht zur Vergabe sondern bis ich fahren konnte. Diese Zeit sollte man mit einplanen. Wenn es also akuten Bedarf gibt, bitte so schnell wie möglich einreichen 🙂

Außerdem bekam ich ein Haus zugewiesen, da ich keinen Wunschort angegeben hatte. Es gab dafür auch keinen Vermerk auf dem Antrag. Von anderen Mitkurenden weiß ich aber, dass man Wünsche durchaus angeben kann. Ich war jetzt froh über unser Kurhaus, darum war es nicht weiter tragisch, aber informieren sollte man sich auch darüber. Die Krankenkassen arbeiten nämlich in der Regel mit mehreren Häusern zusammen.

Dabei spielt auch eine Rolle, wie weit der Weg ist! Wer sich scheut mit seinem Kind oft mehrere hundert Kilometer zurückzulegen, der fahre nicht in Kur oder in ein Haus in seiner Nähe. Es gab Muttis, die mehr als 8 Stunden Auto gefahren sind oder wie ich Zug gefahren sind. Das kostet Kraft! 

Informieren Sie sich darüber wie und wann man das Gepäck vor- oder nachschicken lassen kann – auch das kostet unter Umständen Geld! 

imageAber auch an die Haustiere (Pflanzen) muss gedacht werden. Drei Wochen sind eine lange Zeit für Tiere und es kann immer mal was mit der zu betreuenden Person sein. Ich hatte einen Fütterungsdienst und einen „ich komme mal zum Kuscheln vorbei“ Dienst. Das war sehr wichtig, damit die Last fremden Eigentums nicht allein von einer Person getragen werden muss. 
Das heißt übrigens auch, ich habe für alle Katzen das Futter (und Streu) für drei Wochen im Vorfeld einlagern müssen.

Was klar sein sollte: Eine Kur kostet Geld! Ich weiß nicht, ob das allen so klar ist, aber man zahlt den üblichen 10,- Euro Tagessatz an Zusatzleistung. Das macht bei 21 Tagen eben 210,- Euro. Es sei denn, man kann sich befreien lassen. Das sollte man vorab prüfen!
Geld benötigt man auch vor Ort. Wir kamen mit wirklich wenig Geld aus, aber der Lausbub und ich sind auch genügsam. Das heißt, wir haben nur extra Aktionen wie Ausflüge bezahlt. Ich habe aber auch erlebt, dass Mütter (bei den Väter weiß ich es nicht) Lebensmittelgeschäfte nahezu leer kauften, weil ihre Sprösslinge irgendwelche Sondergeträke / Sonderlebensmittel haben wollten. Wer das aber nicht muss, kommt mit etwas Taschengeld prima aus!

Ein Hinweis: Wir mussten Geräte wie Fön und Fernbedienung mit Pfand ausleihen. Dafür braucht es ebenfalls Geld!

Ganz wichtig für Arbeitnehmer: Man bekommt seinen Lohn nur Anteilig. Den Rest gibt es von der Krankenkasse als Krankengeld. Und das kann dauern! Überlegt euch, wie ihr das überbrückt! Es kann bis zu 4 Wochen dauern, bis das restliche Geld bei euch ist. MICH hat der lange Zeitrum kalt erwischt.
Edit: Den letzten Absatz habe ich vielleicht zu schnell geschrieben? Mir ging es jedenfalls so, auch wenn andere es anders berichten…

Was sollte man in die Kur mitnehmen?

Im Internet findet man Listen mit Dingen, die man mitnehmen sollte. Diese fand ich teilweise aber nicht ausreichend und ich musste dort noch einige nachkaufen.

Hier finden Sie BALD Liste zum Download, was ich Ihnen empfehlen würde!

Sieben Sachen Sonntag kw5 2015Generell packt man aber wie für eine Woche Urlaub PLUS Unmengen an Sportklamotten (Sommer wie Winters) und wie in unserem Fall noch Schneeanzüge.
Unmengen an Kleidung würde ich nicht empfehlen, da man wirklich in jedem Kurhaus auch waschen kann und es eigentlich immer die Möglichkeit gibt, etwas nachzukaufen. Bei uns musste man dafür allerdings 10 Minuten zu einem Supermarkt laufen oder mit dem Bus 5 Minuten in den Ort fahren (gelaufen ist das mit 3jährigem Kind aber schon 50 Minuten). Planen Sie auch das mit ein. 
Ein Hinweis für Allergiker / Vegetarier: Die Häuser sind eigentlich auf so etwas eingerichtet, da muss man keine Angst haben. Wer aber spezielle Produkte braucht, muss es für 3 Wochen auch passend mitnehmen. Allein die Zubereitung von solchen Sonderdingen ist kein Problem gewesen! 

Was erwartet mich vor Ort?

Es gibt meist eine Eingangs- und eine Ausgangs-Untersuchung. In Boltenhagen wurden diese von Ärzten der Klinik vorgenommen. Meine persönliche Erfahrung: Beharren Sie auf das, was Sie wirklich wollen! Wer Sport machen will, sollte auf möglichst viele Sport-Anwendungen bestehen. Wer sich entspannen will, sollte ebenso darauf hinweisen wie auf diverse Extra-Probleme. In unserem Fall wurden Werte wie Asthma etc. nur bei dringenden Fällen oder auf sehr dringlichem Wunsch auch innerhalb dieser drei Wochen gemessen. 

Man hat es also selbst in der Hand, was man in einer Klinik bekommt oder nicht. Mag sein, dass es in anderen Häusern anders gehandhabt wird…

Vor Ort bekamen wir ein 2-Zimmer Apartment, mit einem Kinderzimmer und einem Schlaf-Wohnzimmer für mich. Außerdem ein geräumiges Bad. Die Größe spielt eigentlich keine Rolle, denn man ist im Grunde eh die meiste Zeit unterwegs. Sauber war es und das wurde auch beibehalten!

Das heißt: 3 Wochen nicht putzen, einkaufen oder kochen: Super Erholung! Genau das wollte ich. 

Was mache ich mit den anderen Mitkurenden?

Bei unserer Einführung bekamen wir klar gesagt, erwarten Sie keine Freundschaften und suchen sie auch nicht unbedingt. Warum? Weil 3 Wochen im Grund eine kurze Zeit sind und man diese Zeit nutzen sollte, seine Probleme zu bearbeiten. Manche Mitmenschen sind da aber nicht hilfreich, fordern Zeit oder belasten einen. Natürlich kann man auch Glück haben und Freunde finden. Das sollte aber nicht Ziel sein!

Was mache ich mit der Kinderbetreuung?

Ich habe dem Lausbuben (3 Jahre alt) schon im Vorfeld erzählt, dass wir in Urlaub fahren und dass es da prima Kindergruppen gibt. Erwarten Sie bitte KEINE große Eingewöhnungszeit! Die gibt es nicht. Dafür ist die Zeit zu kurz. Wer also Angst hat, sein Kind in fremde Hände zu geben: Bitte nicht in Kur fahren!
Wir haben erlebt, wie Kinder, die noch nie von den Müttern getrennt waren, plötzlich „abgegeben werden sollten“. Tränen auf beiden Seiten vorprogrammiert. Man muss sich einfach im klaren sein, hier geht es um die Eltern! Die Kinder stehen als Begleitperson NICHT im Vordergrund. Vielen Eltern erleben diese Situation das erste Mal…

Außerdem würde ich subjektiv empfehlen, erst mit Kindern ab 4 Jahren zu kuren. Denn die Kinderbetreuungs-Angebote außerhalb der Kindergruppen sind meist ab 4 UND zudem meist zu späten Uhrzeiten! Alle Angebote unter 4 Jahre sind dann nämlich mit Eltern. Dementsprechend ist das Angebot auch kleiner. Wer also nicht, wie ich, mit einem 3Jährigen diskutieren will, warum er den Zauberer, der Abends um 19h in die Klinik kommt, nicht sehen kann, der warte noch, bis das Kind alt genug ist 🙂

Das hört sich zum schmunzeln an und meist braucht es ja doch eine Kur gerade in den ersten Kinderjahren. Darum empfehle ich objektiv: Fahren Sie dann, wenn Sie die Kinder auch in die Betreuung geben können. Alles andere wird sich finden.  

Dies und das

Man muss schon sagen, ich hatte Gott sei Dank Freunde, die mich auf das Reizklima an der Ostsee hingewiesen haben. Denn Beschwerden wie Bronchitis werden vor Ort erstmal schlimmer. Man SOLLTE also wirklich mit Krankheitstagen rechnen. Übrigens: Eine Reise-Apotheke hätte ich erstmal gar nicht gebraucht. In der Klinik gab es eine super Apotheke. Und als und die Grippe-Welle dort oben erreichte, wurden wir bestens versorgt!

Lausbub am MeerPersönliches Statement zu Boltenhagen

Boltenhagen im Winter ist traumhaft schön! Der Schnee hat das ganze nur irgendwie entrückter, abenteuerlicher gemacht! Man sieht eine Landschaft, die man sonst eben nicht so oft zu Gesicht bekommt. Die Kurklinik war sauber, nett, gepflegt, gut organisiert, freundlich und mit leckerem Essen ausgestattet. Die Kinderbetreuung sowie die Anwendungen waren allesamt super!

Das heißt, diese Klinik kann ich nur empfehlen. Dass man dort aber in einem der größten Kurkliniken mit weiteren gefühlten 400 Personen leben muss, daran sollte man ebenfalls denken. 

Die Zeit danach

Ich hatte in meiner Abwesenheit prima Freunde, die sich rührend um meine Wohnung und die Katzen gekümmert haben. Ich kam in eine saubere Wohnung – sorgen Sie dafür, dass Sie dieses Erlebnis auch haben! 
Denn: 3 Woche Nichts-Tun und dann von 0 auf 100 wieder den kompletten Alltag meistern. Denn ich hatte ja 3 Wochen Kur und danach keinen Urlaub (welcher Arbeitgeber macht das schon?). Und ich muss sagen, außer, dass ich die Bewegung wieder mehr schätzen lernte und mich auch wieder mehr bewege, habe ich nachhaltig nichts von der Kur überbehalten. Halt, stimmt nicht, ich weiß jetzt: Ich schaffe auch 8 Stunden Zugfahren mit meinem Kind, ich habe Freunde, denen ich vertrauen kann UND ich werde zu Hause vermisst! Das sind schöne Aha-Erkenntnisse. 

 

So, ich hoffe, ich konnte einen kleinen, extra sachlichen Einblick in unsere Kur geben. Kommentare, Anregungen und Fragen sind erwünscht. Vielleicht habe ich auch etwas vergessen???
Mir ist natürlich klar, dass jeder das anders sieht und empfindet. Also hoffe ich, dass Sie meine Erfahrungen einschätzen als das was sie sind: Persönlich!

Weitere Erfahrungsberichte finden Sie hier:

4 Kommentare


  1. // Antworten

    sehr schön geschrieben.
    ich denke auch, die kinder sollten nicht zu klein sein. 4 jahre ist optimal, sonst ist stress vorprogrammiert. obwohl eltern mit kleinen kindern oft eine kur nötig haben. vielleicht überdenken die kliniken mal ihre betreuungszeiten.
    unbedingt sollte man am anfang der kur wünsche wie sport, ruhe, etc. äussern. schliesslich soll die kur einem selber gut tun.
    ich kann jedem mutti und jedem vati zu einer kur raten.
    ich werde es jedenfalls wieder tun….



  2. // Antworten

    Ich finde es sehr seltsam, dass du nicht dein volles Gehalt bekommen hast. Laut Entgeltfortzahlungsgesetz ist eine Kur wie eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit Zu behandeln. Mein Arbeitgeber musste also ganz normal den Lohn weiterzahlen, weil die Kur wie ein Krankenhausaufenthalt gewertet wird.


    1. // Antworten

      Vielen Dank für diesen Hinweis – ich werde ergänzen, dass es da Unterschiede gibt. Meine Krankenkasse hat mir dies so bestätigt…

Hinterlassen Sie mir doch einen Kommentar :) Danke