1. Erfahrungen in der Montessori Klasse

Vor gefühlten Jahren schrieb ich darüber, dass wir eine Absage für unsere Wunsch-Grundschule erhalten haben. Denn Wuppertal hat dieses Jahr zu viele Kinder… Hups! (ich schrob hier darüber) Aber wisst ihr was? Das Aussitzen hat sich volle lotte gelohnt! Wir sind nachgerückt!!! Unfassbar, oder??? Ich bin so glücklich! 

Und weil das so kurzfristig ging, fand er auch schon statt, unser erster Elternabend für die Grundschule. Und wisst ihr was? Bisher wussten wir nicht, in welche Klasse der Sohn kommt. Unsere Grundschule ist eine Gemeinschaftsgrundschule und beherbergt auch einen pädagogischen Sonderzweig: 2 Montessori Klassen! Diese hatte ich mir für den Sohn ausgesucht, wusste aber nicht, ob er diesen Zweig der Schule besuchen wird. Darum war ich hyper nervös vor diesem Elternabend. Total unbegründet, denn er wird tatsächlich in die Wunsch-Klasse kommen – eine Montessori Klasse!!!

Meine Freude darüber war so groß, dass ich mein Strahlen den ganzen Abend nicht verbergen konnte und sofort als ich zu hause war, den ein oder anderen Freunden davon berichtete. Die Reaktionen waren… sehr gemischt.

(ängstliche) Fragen zur Montessori Grundschule

Montessori ist für viele nämlich ein sehr fremder Begriff: Schon mal gehört aber viele konfuse Informationen dazu im Kopf und oft mit Waldorf verwechselt.

Daher bekam ich einiges an Fragen zur Montessori Grundschule, die teilweise mit Vorwürfen einher gingen) wie zum Beispiel:

  • Dürfen die da nicht selbst entscheiden, was sie lernen? Dann lernen sie sicher nichts…
  • Altersübergreifend? Dann sind da ja total viele Kinder in einer Klasse…
  • Freies Arbeiten? Dann lernen die ja nie was…
  • Wie wird denn sicher gestellt, dass die auf der Weiterführenden Schule klar kommen?

Es waren nicht viele Fragen zum Thema, aber einige zeugten doch von großer Unsicherheit gepaart mit Unwissen. Darum möchte ich euch als Leser auf unserem Weg zu Montessori mitnehmen.

Hier schrieb ich schon mal, warum ich unbedingt diese Grundschule für den Sohn wollte und was ich mir erhofft habe. Heute schreibe ich euch mal, was sich auf dem ersten Elternabend davon bestätigt hat. Eine Art Erstlings FAQ für Montessori?! 🙂

Erste Erfahrungen auf der Montessori Grundschule

Zunächst mal muss man zur Montessori Pädagogik den wichtigsten Hauptsatz kennen: „Hilf mir, es selbst zu tun!“ Das sagt schon viel über das Ziel dieser Pädagogik aus und erklärt, warum der Unterricht aufgebaut ist, wie er ist: Das Kind steht im Fokus und darf sich der Umgebung bedienen. Wir alle kennen vielleicht von unseren Großeltern noch den Satz „Die Schule wird dich schon formen“. Zu der Zeit ging man davon aus, dass sich Kinder fügen müssen und sich dem Lernstoff gefälligst anzupassen haben. Dies ist heute natürlich nicht mehr so und viele Grundschulen folgen dem Konzept der offenen Arbeitsweise. 

Montessori ist aber noch viel mehr! Und weil vielleicht die Eltern gern eine Montessori Grundschule wollen, aber längst nicht jedes Kind mit dieser Lebensphilosophie zu Recht käme, wurde ein Kennen-Lern-Nachmittag abgehalten. Die Kinder lernten sich kennen und die Lehrer schätzten die Kinder ein, ob eine Montessori Klasse wirklich geeignet wäre. Scheint, bei uns wäre das positiv ausgefallen 😉

Da jede Montessori (Grund-) Schule es etwas anders handhabt, gebe ich euch hier wieder, was auf dem ersten Elternabend in der Montessori Klasse besprochen wurde:

1. Ja, Montessori bedeutet, dass mehrere Jahrgänge zusammenarbeiten

Aber nur die ersten 3 Stunden am Tag! Aktuell sind es morgens 6 Viertklässler, 3 Drittklässler und 9 Zweitklässler. Jetzt kommen die 7 Erstklässler dazu. Gedeckelt sind die Klassen auf 25 Schüler (wobei es weit mehr Anmeldungen gab – yeah, danke Universum!!!).

Bald eingeschult: Gemischte Altersklassen
Bald eingeschult: Gemischte Jahrgänge in den Montessori-Klassen

In diesen 3 Stunden des Tages darf jedes Kind auswählen, mit wem er gerne zusammen arbeiten möchte und kann sich ggf. Hilfe bei anderen – auch älteren – Kindern suchen. Die älteren Kinder werden dazu angehalten, die jüngeren zu unterstützen. Na ja, angehalten ist das falsche Wort! Da sie dann eine Vorbildfunktion einnehmen, machen sie das freiwillig und ziemlich gern (so sagte man uns 🙂 )

Das wiederum bedeutet zum einen, dass die Sozialkompetenz der Kinder von Anfang an steigt. Sie müssen und können mit vielen Kindern zusammen sein – und Lösungen finden.
Zum anderen entlastet das auch die Lehrer. Denn die Schüler helfen sich gegenseitig. Die Klassenlehrerin führte das Beispiel „Schleife binden“ an. Es ist ein Unterschied, ob ich 20 Kindern allein helfen muss oder Hilfe bekomme.

2. Ja, die Kinder dürfen aussuchen, was sie in dieser Zeit tun

In der sogenannten Frei Arbeit, diesen genannten ersten 3 Stunden des Tages, dürfen die Kinder sich selbst Aufgaben und Arbeiten aussuchen. Am Ende der Woche müssen aber die Aufgaben auf dem Wochenplan „abgearbeitet“ sein. Wobei auch hier gilt: Ist dem mal nicht so, ist es voll ok!

Denn: Maria Montessori ging davon aus, dass Kinder sogenannte „Sensible Phasen“ haben; Zeitfenster in der persönlichen Entwicklung in denen sie besonders offen sind für gewisse Themen. Das kann Schreiben oder aber auch Biologie sein. In einer „vorbereiteten Umgebung“, dem Klassenraum der Montessori Grundschule, sollen die Kinder dann Materialien vorfinden, die Ihnen bei diesem Interessensgebiet helfen. Und der Klassenraum erschien mir genau so: Voller Materialien mit denen man herrlich experimentieren, forschen und entdecken kann – in seinem Tempo.
Für die Lehrer bedeutet dies übrigens ein enormes Verringern des Konfliktpotentials mit den Schülern: Ein „ich will jetzt aber nicht“ gibt es nicht, denn sie können ja aussuchen, woran sie arbeiten.

Denn das sagt Montessori auch: Die Kinder passen sich nicht der Umgebung an, sondern der Unterricht richtet sich an jedes einzelne Kind. Die „vorbereiteten Lehrer“ dienen der Beobachtung und der Unterstützung – nicht des frontalen Unterrichtes.

So erzählte mir eine Freundin, deren Kinder auf der gleichen Schule waren, ihre Montessori Erfahrungen so: „Meine Tochter hat die ersten 6 Monate in der Montessori Klasse nur gemalt hat. Das war gerade ihre sensible Phase in diesem Bereich. Während andere schrieben, malte sie. Das war schwer zu akzeptieren, aber es war ok!“
Und was soll ich sagen? Ich verrate es schon mal, sie ist heute eine sehr kluge junge Frau mit sehr viel sozialer Kompetenz und großem Wissensdurst.

3. Ja, diese „Freiarbeit“ gleicht dem Kindergarten oder wie ich sage dem System Universität

Maria Montessori: Als Teil des Ganzen muss man auch mithelfen
Maria Montessori Rat der Lehrer am Elternabend: Als Teil des Ganzen muss man auch mithelfen

Jeden Tag gibt es auch einen Morgenkreis. Hier wird nicht nur erzählt, sich kennen gelernt und werden Dinge besprochen. Sondern sogenannte Lernplakate, die die Schüler über ihre Experimente machen, werden dort vorgestellt. Die Arbeiten in der freien Zeit werden also auch noch aufbereitet und anderen erklärt und diskutiert. 

Es ist aber kein Zwang! So dass niemand sich „vorgeführt“ fühlt. Viel mehr wird gewartet, bis die Kinder sich trauen, ihr Wissen zu teilen. Und unter uns: Welches Kind möchte nicht auch mal da vorne stehen und etwas zeigen? Jedes Kind wird also an etwas so hart arbeiten, dass es darauf stolz sein kann. Cooler Trick, oder? Ganz spielerisch <3

Denn Montessori sagt, dass Kinder sich als ein Teil des Ganzen (Gemeinschaft und Welt) verstehen sollen. Sein Wissen zu teilen – mein Leitspruch – gehört definitiv zu dieser Denkweise! Viele Montessori Grundschulen heißen ja nicht ohne Grund „Lernwerkstatt“.

4. Ja, Montessori Grundschulen schreiben „Arbeiten“ und haben das gleiche Lernziel

Am Ende der Grundschulzeit steht der Übergang zur Weiterführenden Schule und damit die Sorge anderer Eltern, mein Kind könne eventuell dann Defizite haben.

Montessori Klassen haben am Mittag eines jeden Tages 1 Stunde Facharbeit. Hier ist nur der jeweilige Jahrgang zusammen in einer Klasse und jeden Tag ist ein anderes Fach dran. In dieser Stunde wird ganz klar darauf hingearbeitet, dass alle im Jahrgang den gleichen Wissensstand haben und es wird überprüft, ob die Kinder das, was sie machen, auch verstehen 🙂

Das hört sich wenig an, aber bisher hat es ja funktioniert. Also glaube ich, dass auch mein Sohn das lernen wird, was er für später können muss – und noch einiges mehr. Denn wenn er in einem Gebiet mehr wissen will, dann darf er dort sehr viel mehr machen, als er müsste. Großer Vorteil <3

Mehr dazu, ob das Konzept bei uns so auf geht, kann ich natürlich erst in einigen Jahren erzählen 😉

5. Ja, wir haben auch „Öko-Mit-Eltern“, aber wenige

Tatsächlich waren viele Eltern auf dem Elternabend anwesend: Alle bis auf 1 Kind waren vertreten und die allermeisten sogar mit beiden Eltern. Das zeugt von Interesse und Wissensdurst. Es gibt aber nicht DIE Montessori Eltern. Es war absolut bunt gemischt. Liegt vielleicht auch daran, dass die Lehrer eine zusätzliche eventuell konträre Einschätzung vorgenommen haben?

Auch das werde ich sicherlich noch herausfinden (müssen).

6. Ja, vieles machen andere Schulen auch schon so

Wochenpläne, Morgenkreise, Facharbeiten… all das kennen auch Eltern aus anderen Schulen. Was ist denn so besonders? Na eben die Art und Weise, wie die Kinder auf die Wochenpläne hinarbeiten, die Materialien und die unterschiedlichen Jahrgänge. Die Sicht auf die Kinder unterscheidet sich schon und die Phasen der Kinder werden bewusster wahrgenommen. Außerdem hat mein Kind, wenn man es genau nimmt, zwei Klassen: Eine mit gemischten Jahrgängen und eine mit seinem Jahrgang. Eigene Organisation und Struktur wird hier recht schnell gelernt, ohne dass irgendjemand darauf hinarbeitet. Das passiert einfach so. Und das finde ich großartig!

So ist zumindest mein erster Eindruck von dem, was uns an Informationen auf dem ersten Elternabend mitgegeben wurde.

Apropos mitgegeben: Wir bekamen eine Materialliste, die äußerst kreativ angehaucht ist: sämtliche Bastelausstattung nebst GUTEN Buntstiften aus Holz, Folienstifte, Pinsel, Öl-Pastelkreide, Deckfarbkasten und und und… Dafür aber nur EIN Mathe-Lehrwerk. Deutsch wird von der Schule gestellt. Ist das bei euch auch so?
Dieser Liste lag auch ein sehr herzlicher Brief der Klassenlehrerin bei… ich bin ja jetzt schon verliebt, ne?!

Unsere Schule mit diesem tollen Montessori Zweig hat zudem noch eine OGATA (Betreuung), die ebenfalls sich viel an den Ideen Maria Montessoris orientiert und zudem noch das „draußen sein“ und die Bewegung fördert. Der absolute Oberdupermegaknaller: Auch dort haben wir im Nachrückverfahren einen Platz bekommen <3 !!!PARTY!!!

 

Alles in allem erwartet uns dort sicherlich eine spannende Grundschulzeit. DAS weiß ich jetzt schon. Von Zeit zu Zeit nehme ich euch aber mit und berichte, von unserem Montessori Grundschul-Abendteuer – was meint ihr?

Übrigens hat Danielle auf Gewünschtestes-Wunschkind auch schon über den Schultag ihrer Montessori-Kinder gesprochen, schaut mal hier. Dieses Konzept ist sogar noch viel viel mehr Montessori als unser Schulzweig es sein könnte. Aber hey, für uns genau richtig 🙂

 

 

6 Kommentare


  1. // Antworten

    Hallo Petra,
    ich freue mich total für euch! Das ist eine tolle Sache. Da ich nun in drei Wochen auch eine erste Klasse übernehme und meine Tochter auch eingeschult wird, hibbele ich auf verschiedenen Arten mit. Was meine eigene Klasse anbelangt, nehme ich Montessori-Gedanken und -materialien auf. Ich mache das beste aus meinem Klassenraum und versuche mein Verständnis von vorbereiteter Umgebung und freiem Arbeiten in meine neue Schule zu integrieren. Ich hoffe, dass du regelmäßig über den Schulalltag deines Sohnes schreibst – bin total gespannt.
    Allerliebste Grüße,
    Yvonne


  2. // Antworten

    Ich habe mal zwei Wochen an einer Monte unterrichtet. Mir ist klar, dass man dann nicht den ganz tollen Überblick bekommt, aber etwas bekommt man schon mit. Als Lehrer fand ich dir kleinen Lerngruppen und die Atmosphäre super. Auch das verhalten untereinander und das gemeinsame.
    Was mich aber „gestört“ hat, das betrifft aber zunächst nur die weiterführende Schulen, dass einige Kinder unter ihrem Potential unterrichtet wurde . dabei beziehe ich mich vor allem auf Englisch. Es wird nach Hauptschulniveau unterrichtet, aber die Schüler könnten definitiv mehr. Daher kommen dann am Ende die im Abitur beklagten Fehler, da sie sich vieles durch die freiarbeit ja selbst erarbeiten. Von anderen Fächern kann ich natürlich nichts sagen.


    1. // Antworten

      Hallo Kari,
      danke für Deine Erfahrung! Soweit ich weiß, dürfen unsere Kinder so viel lernen, wie sie wollen. Ja, sie müssen es selbst einfordern. Aber ich weiß von einem Jungen, der in der 2 Klasse alle Mahteaufgaben bis Klasse 4 durch hatte. Er bekam einfach noch mehr Stoff. Handhabt auch jede Schule anders?
      Ich lasse mich überraschen 🙂


      1. // Antworten

        Ja, klar dürfen sie so viel lernen, wie sie wollen. Aber in Englisch gibt es eben auch normalen Unterricht bzw. Man orientiert sich am Lernplan der Hauptschule (zumindest in Bayern). Und besonders in Fremdsprachen ist es schwer, sich selbst etwas beizubringen (zumindest was Aussprache angeht). Bei mor war das so, dass ich immer 2 Stunden die 7. an einem Tag 2 Stunden die 8. und an einem Tag 1 Stunde alle hat. Und wenn ich nur die einen hatte, gabs den Wochenplan.
        Die Abiture werden ja dann auch nochmal von Gymnasiallehrern nachkorrigiert und dir stöhnen sehr über deren Sprachfertigkeiten.

        Aber ich habe ja vorher schon erwähnt, dass ich nicht alles verteufeln will und mor das nur aufgefallen ist im Vergleich 🙂


        1. // Antworten

          Und ich finde das einen guten Hinweis! Ich werde das auf jeden Fall im Hinterkopf behalten und mal sehen, wie es so wird mit Englisch. Hier im zweiten Halbjahr… 🙂 Es gibt wohl noch viel zu berichten!


          1. //

            In der GS ist englisch ja noch spielerisch, nur irgendwann gibt es dann eben auch Grammatik, die gelernt werden muss 🙈

Hinterlassen Sie mir doch einen Kommentar :) Danke