Hört euren Kindern zu!

Ich habe eine Bekannte. Sie ist Mutter. Eine ganz liebevolle, fürsorgliche, aufopferungsvolle Mutter. Zweifach. Also sie hat zwei Kinder, mit Mann und Haushalt. So wie viele von uns. Sie ist oft gestresst und stets bemüht es allen Recht zu machen. 
Dennoch stört mich eines ganz immens, sie hört ihren Kindern nicht zu
Sie ist so sehr damit beschäftigt, den Alltag zu bewältigen, dass ihre Kinder nur „funktionieren“ müssen und wer funktionieren muss, der wird nicht gehört, der hat auch keine Rechte! Oder?

Vermutlich fragen sich jetzt sehr viele meiner Bekannten und Freunde, ob ich sie meine 🙂

Kinder haben Grundrechte
Kinder haben Grundrechte
AJEL / pixabay.com

Das ist Absicht, denn ich glaube, dass wir alle etwas ganz Wichtiges sehr oft vergessen:  Wir müssen ihnen zuhören, egal was sie sagen. Es ist ja für sie wichtig. Entwicklungspsychologisch könnte ich jetzt hier ausholen, warum das so ist. Aber heute geht es um einen vernachlässigten Aspekt, es geht um Rechte: Unsere Kinder haben ein Recht gehört zu werden.

Warum?

Oder besser, stellen wir erst die Frage, wie komme ich auf dieses Thema?

Der Podcast als Auslöser

In den vergangenen Tagen hat mich ein ganz besonderer Podcast beschäftigt. Nicht nur, weil der nebensächliche Inhalt sich um wunderbar leckeren Kuchen dreht, sondern viel mehr interessierte mich das Hauptthema. Ich spreche von dem wunderbaren Podcast „Mutterskuchen“ von Alu und Susanne (Links gibt es weiter unten), den ich jetzt für mich entdeckt und komplett gehört habe. In der letzten Folge ging es interessanterweise nicht um Mutterthemen wie „Wie wickel ich“ oder „Wie stille ich“ sondern um DAS elementarste Thema überhaupt: Kinderrechte
„Im Originaltext finden sich 54 Artikel in nicht „kindgerechter“ Sprache. UNICEF fasst die wichtigsten Grundrechte daher zusammen“ (Zitat von Alu). Damit ist der Inhalt sehr gut zusammengefasst: Es geht um 6 Grundrechte für Kinder.
Das Schöne daran, die beiden Autoren rufen zu einer Blogparade Thema Kinderrechten auf. Unter dem Hashtag #wirsindallefreigeboren kann jeder über einen der 54 Artikel / 6 Grundrechte einen Beitrag verfassen.

Mir viel dazu direkt folgender Artikel ins Auge: 

  • Kinder haben das Recht, sich zu informieren, sich mitzuteilen, gehört zu werden und sich zu versammeln (Punkt 6 Der 10 Grundrechte).

Meine Erfahrungen damit

So, und jetzt noch einmal zurück zu meiner Bekannten, die im Grunde sinnbildlich jeder sein kann. Stellen wir uns nämlich mal folgende Fragen:
Wann haben wir das letzte Mal unserem Kind (also jedem einzeln) zu gehört. Bis zum Ende? Wann haben wir das letzte Mal sehr ausführlich die ganzen „Waruuuuum“ Fragen beantwortet? Wann haben wir unsere Kinder das letzte Mal frei mit etwas experimentieren lassen (ja, denn das ist ihre Art sich zu informieren)?
Oder anders gesagt: Wann hat uns der Alltag so überrannt, dass Sätze fallen wie „Jetzt nicht!“. Ich erlebe jeden Tag viele Eltern in der Kita, im Bus, im Spielplatz und im Internet und seid euch sicher, ich höre diesen Satz oft! Und, weil ich keine Steine schmeiße, ich sage ihn selbst. 

Im Podcast sagt (ich weiß leider nicht mehr, wer genau) eine der Sprecherinnen, dass man seine eigene Bedürfnisse nicht völlig verdrängen kann. Natürlich kann niemand  x-Stunden lang Fragen beantworten, wenn etwas sehr Wichtiges erledigt werden muss. Aber ich kann sagen „ich höre Dich, aber ich kann Dir jetzt gerade nicht antworten“ – und ja, es ist schon super, wenn wir das in 90% aller Fälle machen würden. 100% schafft niemand!

Gemeinsame Zeit: Hier wird jeder gehört!
Gemeinsame Zeit: Hier wird jeder gehört!
HebiPics / pixabay

Ich lese gern Nadine von Buntraum.at. Die Ebenfalls sehr oft über das „wir müssen unsere Kinder wahrnehmen“ schreibt. So heißt ein Artikel von ihr „Ich höre Dich.“ (Link unten). Er steht exemplarisch für etwas, dass ich bei Marte Meo gelernt habe: Manchmal ist es für Kinder viel tröstender wenn wir sie „kommentieren“ wie etwa mit dem Satz: „Da warst Du traurig“ statt einem „ist doch nicht schlimm“. Denn für Kinder ist es in diesem Moment schlimm. Und sie wollen, dass wir das sehen. Ja sie haben sogar, wie wir oben gelernt haben, ein RECHT darauf!
Im Podcast wird übrigens ganz klar gesagt: Wir dürfen ein Kind nicht schreien lassen, völlig unabhängig vom Alter (!). Wir verletzen damit sein Recht.

Mein Alltag mit dem Kinderrecht auf „informieren, mitteilen, zuhören, sich versammeln“

Bei uns persönlich passiert es eigentlich täglich, dass der Lausbub spielt und mir das in 89% der Fälle (LAUT) mitteilen muss. Er erzählt, was er tut, er beschreibt und sagt und macht. UND er erwartet Antworten! Er fordert ein, dass ich bestätige, dass ich ihn wahrnehme. Er will Antworten auf Fragen. Und er will Anerkennung.
Gerade darum ist mir dieses Grundrecht „gehört werden“ direkt ins Auge gefallen.

Selbstverständlich kann ich das nicht Non-Stop. Gerade ich, die Geräusche eh sehr deutlich wahrnimmt, höre ihn eigentlich immer! Oftmals muss ich ihn dann irgendwie stoppen, um nicht einer Reizüberflutung zu unterliegen. Aber ich weiß, dass es gut ist, dass mein Sohn sich mitteilt. Und ich weiß, wie ich ihn in der Not stoppen kann. Das übe ich jeden Tag. Denn er hat ein Recht darauf, dass ich ihn wahrnehme (und mich selbst nicht überfordere, denn nur wenn es mir gut geht, geht es ihm gut).

Und noch zum Schluss einen Satz zu dem letzten Teil im Grundrecht 6: „Sich versammeln“. Es hört sich im ersten Moment vielleicht sehr fremd an. Bei genauerer Überlegung ist es aber ganz simpel: Kinder haben ein Recht darauf, sich zu verabreden, zu spielen, bei Freunden zu sein. Schließt eure Kinder nicht ein! Kauft ihnen nicht zu viele Medien wie Spielekonsolen und Handy mit denen sie sich allein beschäftigen. Ein Recht zu wahren heißt auch, dass wir darauf achten, was wir unseren Kinder so zur Verfügung stellen… Aber das ist vielleicht eher noch ein weiter Blogpost, oder? 🙂

Anmerkung: Dass es Millionen von Kindern auf dieser Welt gibt, die armuts- oder kriegsbedingt gar nicht in der Lage sind, diese Rechte wahr zu nehmen, ist mehr als traurig. Ich wollte aber mit meinem Beitrag sehr im Alltag bleiben. Denn das ist es, was wir direkt beeinflussen können.

Also liebe Eltern habt den Mut, geht raus, hört zu und spielt miteinander 😀

Und hier noch die Links:

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