Home Office – Erfahrungsbericht mit 5 Tipps

Home Office und ich. Eine sehr lange und ausgereizte Geschichte. Hoffentlich mit Happy End. Lest selbst!

Wie bei mir alles im Home Office begann

Seit ich denken kann, mache ich etwas an einem Schreibtisch in meinem zu Hause. Ich hatte auch immer ein „Arbeitszimmer“. Den Luxus hatte ich sogar schon bei meinen Eltern, da ich Dachzimmer hatte und die durch den Kamin getrennt waren. Später dann in den eigenen Wohnungen habe ich immer Wert auf einen Schreibtisch gelegt. Als Studentin der Germanistik schreibt man ja doch viel und ich hatte gute Erfahrungen damit gemacht, wenn ich Abends meinen Schreibtisch nicht mehr sehen muss.

Und als mein Ex und ich uns 2010 selbständig machten, richteten wir erst mal ein größeres Arbeitszimmer ein. Bald darauf zogen wir mit dem Babybuben dann in eine Bürogemeinschaft. Irgendwie hatte das Büro dann mehr von Home Office als von Arbeitsplatz. Denn ich nahm die komplette Kinderausstattung einfach mit ins Büro. Das war super praktisch! Mein Baby hatte einen sehr festen Rhythmus und so wusste ich 4 Monate lang ziemlich sicher, wie und wann ich zum arbeiten komme. Das hat, so empfinde ich, super funktioniert. Die Bürogemeinschaft war sehr nachsichtig und selbst das krabbelnde Baby war stets überall willkommen und sorgte für gute Stimmung.

Und doch: Das Kind war im 2ten Lebensjahr viel krank und ich demnach viel zu hause. Denn krank ins Büro ging nicht. Dafür war der Knirps oft zu schlapp. 7

Tipp 1 zum Thema Home Office: Vereinbarkeit – ruhige oder penible Babys sind wunderbar Co-Working tauglich. Da würde ich nie mit zu hause arbeiten, weil man da selbst so abgelenkt ist. Aber ab dem 1,5ten Lebensjahr klappte Office mit Kind nicht mehr!

Nachdem ich das Unternehmen  verließ (der Sohn war 2,5 J), versuchte ich mich erst als Marketing Beraterin mit 3 Tage Home Office und später dann als Freie in Selbständigkeit und so

Das klappt bei mir nicht mit dem Home Office

Ich habe den fatalen Fehler gemacht (und das rate ich niemandem mehr), dass ich mich an den Küchentisch setzte. Das hat zwei enorme Probleme verursacht:

  • Mein Rücken. Absolutes No-Go bei einem Schreibtisch-Job ist ein Küchenstuhl. Man sitzt viel zu starr und viel zu unbequem.
  • Es war kein Office. Eine Küche ist eine Küche ist eine Küche. Es gibt viele Menschen, die können so arbeiten, wenn sie mal was erledigen müssen. Ich konnte das nicht. Mir fehlte da was. Was genau erzähle ich gleich!

Lange ging das nicht gut und ich suchte wieder eine Anstellung. Das ganze letzte Jahr habe ich in einem Büro gearbeitet und meine Blogs nur von zu hause am besagten Tisch betreut. Mein Rücken schreit heute noch.

Home Office einer Selbständigen - die Küche
Home Office Küche – das war einmal

Neues Home Office, neues Glück – auch für mein Kind

Doch wie ihr hier nachlesen könnt (und wie ich es meinem Sohn erklärt habe), gibt es die Anstellung nicht mehr und ich habe nun lange mit mir gerungen, was ich ab sofort machen werde.

Zwischenzeitlich bettelte der Sohn darum, dass er doch nun auch einen Schreibtisch haben müsse. Immerhin kommt er bald in die Schule. Das geht nicht ohne Schreibtisch. Die Lust für ein OGS-Kind einen Arbeitsplatz einzurichten, hielt sich in Grenzen. Hausaufgaben sollte er in der Schule machen, doch das was übrig bleibt am Küchentisch? Haha, das hatte ich selbst ja gerade als blöde Idee bezeichnet. Eines Nachts kam mir die Idee, wir räumen das Wohnzimmer um und schaffen uns eine kleine Schreibtisch-Insel. Bedingung: Wir nutzen sie beide!

Bild: Kleines aber feines Home Office
Kleines aber feines Home Office

Denn auf dauer wollte ich nicht arbeitslos sein, sondern wieder etwas auf die Beine stellen! 

Tipp 2 zum Thema Home Office: Wenn du zu hause dauerhaft arbeiten willst, dann richte dich auch so ein. Ein Provisorium wird dir immer das Gefühl vermitteln, dass es genau das ist: Nur eine Übergangslösung. So wird das nichts mit dem Erfolg! Außerdem ist ein guter Stuhl einfach GOLD wert!

Schönes Home Office fördert die Kreativität – Struktur die Qualität

Ich bin ein kreativer Mensch. Bei den ersten Versuchen der Selbständigkeit habe ich das immer unterschätzt. Da habe ich auf Schönheit nicht viel Wert gelegt (siehe Bild). Doch so langsam verstehe ich, warum ein Home Office schick sein sollte. So gibt es zwar momentan nur eine einfache Holzplatte, dafür aber viel Deko: Bilder noch und nöcher und gerade darf alles bunt sein. Egal wohin ich schaue, mein Blick freut sich immer über das, was er sieht. So auch über Blumen, die ich mir immer hinstelle! Macht es euch schön – ihr verbringt dort ganz schön viel Zeit!

Bild: mein Schreibtisch mit Blumen, Nagelack und Deko - für mehr Kreativität
Für mehr Kreativität am Arbeitsplatz

Neben der Schönheit darf die Struktur nicht fehlen: Daher gibt es natürlich Stiftebecher, einen Korb für Bücher und eine Magnettafel für Übersichten und Pläne aufzuhängen. Thats it! Ich glaube fast, dieser Minimalismus tut mir ganz gut. Etwas luxuriöser wäre vermutlich so ein cooler Sekretär oder eine schmale Schreitbsichkombi des Möbelschwedens. Aber das war im Budget nicht drin. Muss es vielleicht auch nicht? Der Sohn malt hier gern und ich kann gut tippen. Was will man fürs erste mehr? Wir haben das Beste aus dem gemacht, was wir hatten. Eigentlich freut mich das am meisten. Es hat mich nämlich Null Euro gekostet.

Tipp 3 zum Thema Home Office: Mach es dir schön und so wie du es brauchst! Es zahlt sich definitiv aus, wenn dein Home Office deinen Ansprüchen gerecht wird. Werde dir vorher klar, wieviel Kreativität und wieviel Funktionalität du brauchst. Brauchst du alles in Griffweite oder muss alles in Schubladen verstaut werden? Unnütz sagst du? Ich sage: Es zahlt sich aus!

Home Office und Vereinbarkeit?

Mit meinem Beitrag hier nehme ich an der aktuellen Blogparade von Glücklichscheitern teil. Eigentlich war ja ihre Frage, wie wir arbeiten. Wenn die Kinder schlafen oder wie macht man das?

Aktuell habe ich den Luxus, dass ich vormittags noch frei habe, bis meine zwei Projekte anlaufen und ich dann auch morgens außer Haus sein werde. Daher arbeite ich gerade sehr viel Vormittags. Gemischt mit Haushalt (wie ich den Überblick behalte, erzähle ich gleich).

Alternativer Arbeitsplatz im Home Office: Der Balkon
Alternativer Arbeitsplatz im Home Office: Der Balkon

Da ich aber das ganze letzte Jahr immer Abends an den Blogs gearbeitet habe, habe ich das so beibehalten. Ja. Wenn mein Kind schläft. Bisher war das um 19:30… aktuell sind wir bei 20:30. Allerdings kann ich die Einschlafbegleitung in 40% der Fälle vom Schreibtisch aus begleiten. Dann reicht es ihm, dass ich ein Zimmer gegenüber sitze. 20% der Abende sitze ich auch schon mal mit Laptop im Kinderzimmer, wenn ich etwas wichtiges schreiben will und er aber etwas mehr Nähe will. Und ja, wer mitgerechnet hat, 60% der Abende sitze ich dann bei meinem süßen Kerl und warte. Es hat sich bei uns einfach gezeigt, wenn ich aufmerksam daneben sitze, bin ich auch um 20:30 wieder aus dem Zimmer. Bin ich unaufmerksam oder in Eile wird es nix. Ich weiß auch, wieviel verda++tes Glück ich habe, dass mein Sohn so penibel mit seinen Zeiten ist!

Home Office und Krankheit

Schwer wird es, wenn das Kind krank wird. Aktuell kann ich mich dann sogar ins Wohnzimmer zu ihm setzen (hatten wir noch nicht, toi toi toi!). Aber arbeiten im Home Office mit krankem Kind… geht nur, wenn er schläft oder er seine Stunde Medienzeit hat. Sonst: NÄÄÄÄ! „Mama spielen wir?!“  Alleinerziehend, ihr wisst…

Ich hab mal einen ganzen Artikel geschrieben, was ein krankes Kind so bedeutet: Aus Sicht einer Selbständigen UND Angestellten. Heute würde ich mit einem fast 6jährigen sagen: Es geht. Nicht einfach, aber es geht!

Und habt keine Scheu auch im Home Office mal die Großeltern um ein paar freie Stunden zu bitten. Es ist eure Arbeit!

Und werde ich krank? Tja Pech. Da muss man mal durch und sich dann trotzdem an den Schreibtisch setzen. Aber wisst ihr was? In den Monaten in denen ich selbstständig war, war ich IMMER gesünder. Ich esse bewusster, bewege mich zwischendurch (stehe mehr auf), kann mich ausruhen, wenn der Kopf nicht mehr will und bin einfach besser gelaunt. 

Tipp 4 zum Thema Home Office: Aus den letzten Absätzen kann man eine Lehre ziehen. Rituale sind sooo wichtig. Das liest man ja immer wieder, dass Selbständige besonders gut klar kommen, weil sie Abläufe trainiert haben. Wie sieht dein Ablauf aus?

Ich stehe beispielsweise auf, bringe das Kind in die Kita (bald Schule), mache dann Yoga, mir dann einen Kaffee und

Planung und kreative Einflüsse sind wichtig im Home Office
Planung und kreative Einflüsse sind wichtig im Home Office

dann wird auf dem Wochenplan (hab ich hier im Podcast drüber gequatscht) geschaut, was für den Tag geplant war. Mich minuziös an meine Pläne zu halten ist… ich kann es gar nicht beschreiben. Befreiend? Ich denke nicht den ganzen Tag „was wollte ich noch tun?“. Gerade wenn das Kind zu hause ist oder ich am Wochenende etwas machen wollte, mein Plan erinnert mich daran. Aber er erinnert mich auch an Pausen, Freizeit und sogar Haushalt und Termine. Das steht dort nämlich auch alles! Das ist wichtig, damit man alles im Überblick behält. Die Reihenfolge ist als Selbständige egal. Wenn ich also einen Text geschrieben habe, dann kann ich danach auch saugen, während ich über anderes nachdenke. Schlimme to do werden morgens erledigt. Alles andere, wie es gerade passt.

Tipp 5 zum Thema Home Office: Organisiere deinen Monat, dann deine Woche und zum Schluss deinen Tag. Lass Puffer für unvorhergesehenes. Aber so strukturiert wird es dir leichter fallen, Aufgaben zu erledigen (ein etwas älteres, aber immer noch zu 80% stimmendes Interview zum Thema „Wie organisiere ich mich“).

Das waren sie, meine 5 Tipps für ein für mich funktionierendes Home Office. Für mich ist das DIE Alternative gegenüber einer Anstellung. Natürlich beinhaltet das auch finanzielles Risiko, Unsicherheiten, Eigenverantwortung, mehr Geld an die Krankenkasse. Aber es bedeutet auch Freiheit und Flexibilität. Und DAS kommt bei mir vor Reichtum. Zumindest das habe ich in den letzten Monaten immer wieder gemerkt – hauptsache, ich fühle mich wohl. Dann braucht es keine 100€ mehr im Monat.

Ganz ehrlich, wenn ich nämlich etwas mache, was ich wirklich, wirklich will, dann macht es mir Spaß. Dann ist das hier keine Folter im Home Office zu sitzen. Denn ich kann jeder Zeit 5 Minuten Pause auf dem Balkon in schönstem Sonnenschein machen. Ist das nicht MEGA??

Vielleicht muss ich es mir gerade auch gut und schön reden. Aber für mich gibt es ab dem 1.6. 2017 nichts besseres – bitte erinnert mich in ein paar Monaten daran, ja?!

 

Übrigens, nur das mit dem Stuhl, also das muss ich wirklich noch mal angehen *räusper 🙂