Ich fühle mich alt

Ja, ich fühle mich alt.

Aber gut, ich bin eine Mutter. Das passiert wohl ab und an mal, oder?! Ich meine ABER nicht dieses unglaublich matte Gefühl, was uns morgens im Spiegel während der Katzenwäsche gerade zu erschrecken lässt, sondern mein Gefühltes-Alter. Ich fühle mich älter als ich bin. Kennt ihr das auch?

Mein gefühltes Alter und ich… da ist irgendwie was aus dem Gleichgewicht geraten!

Es gibt ja ein Alter auf dem Papier, welches uns die Geburt mit auf den Weg gibt. Und es gibt dieses berühmte „Du bist so alt, wie Du Dich fühlst“ Alter. Kennt jeder, oder? Das bekommt man vorzugsweise dann als nett gemeinte Aussage um die Ohren gehauen, wenn man wieder mal eine magische Geburtstagsgrenze überschritten hat 🙂

Bisher fühlte ich mich immer jung. Sau jung.
Ich bin das jüngste von drei Kindern, habe früh in einem Verein gearbeitet. Mein Studium habe ich in Regelzeit abgeschlossen und auch sonst waren meine Freunde entweder älter oder zumindest gleich alt. Im Auslandssemester war ich die jüngste und auch im Studentenjob waren nicht viele jünger als ich (ich war in der Bib 😉 ) – was alles so viel heißt wie, ich war immer irgendwie sehr oft die Jüngste, was ich im übrigen oft zu hören bekam (nicht immer freundlich gemeint, aber immerhin).
Das soll alles nicht angeberisch rüberkommen. Ich möchte nur verdeutlichen: Alter war etwas, worüber ich mir nie Gedanken machte. Älter werden empfand ich nie als Schmach sondern irgendwie als normal und ab und an auch als aufregend. Denn ich war es ja gewöhnt, das „Alter“ um mich zu haben.

Hättet ihr mich vor 3 Jahren aus dem Schlaf gerissen und mich gefragt, wie alt ich sei, ich hätte wohl irgendwas mit Mitte 20 geantwortet – jünger als ich bin, mein gefühltes Alter eben!

Vorgestern las ich einen Artikel von Auftragsmama (dringend lesen!), darin beschreibt die Autorin sehr stimmig, wie müde sie doch sei. Müde zu sagen, was ihre Kinder tun sollen. Und müde, weil sie die immer gleichen Argumente vorbringen muss. Müde eben, wie es nur Eltern kennen… Ich konnte beim Lesen jede Zeile so nachempfinden! Jede Mutter / Vater kennt es sicherlich! Man ist einfach müde nach furchtbaren Nächten, was durch weitere Foltermethoden a la „mamaaaaaaaa [hier furchtbare Fragen einsetzen]“ unterstützt wird. Erst dachte ich, auch ich bin dank des Lausbuben dauermüde, wie recht die Auftragsmama doch hat… Doch war dieser Umstand nicht immer irgendwie ok für mich? Habe ich doch niemals gedacht „boah bist du müde UND alt“. Der Text wühlte etwas in mir auf. 

Denn seit einiger Zeit (seit einem Jahr würde ich tippen) verändert sich dieses Alter-Gefühl. Plötzlich nehme ich nicht mehr alles so leicht. Das Leben ist nicht mehr schwerelos. Es fühlt sich so vieles so unvorstellbar an… Früher habe ich über Menschen gestaunt, wenn sie irgend eine Idee nicht umgesetzt haben (Nachts um 2h noch mal aus dem Bett steigen und feiern gehen? NA KLAR! Mal eben eine eigene Firma gründen? NA KLAR!)

Ich schob meine Mattigkeit erstmal auf meine Lebensumstellung (alleine mit Kind wohnen und viel arbeiten und so). Aber das Gefühl verging nicht und das machte mir der Text von Auftragsmama deutlich! Dann passierte das: Vor Weihnachten sprachen wir im Büro über das Alter etc. und da bemerkte ich es mit aller Deutlichkeit, hätte mich da jemand gefragt, ich hätte ungeschönt „ich bin 44“ gesagt (viel älter als ich bin) – ohne dabei aus dem Schlaf gerissen zu werden. Es wäre absolut nach meinen Gefühlen wahrheitsgemäß geantwortet (nein, ich finde ü40 nicht alt, nur bin ich es ja nicht).
Und mich beschäftigt dieser Umstand, dass mein Wohlfühl-Alter plötzlich nicht mehr jünger ist als ich. Und schlimmer noch, warum fühle ich mich soviel älter als ich bin? 
Warum ist das bloß so? Ist das dieses Erwachsen werden? Liegt es am Job? Liegt es am Kind? Oder am Alleinerziehend-Sein?

Keine Ahnung! Aber was ich weiß, ist Folgendes: Ich will das nicht! Ich will auch nicht 20 sein, aber ich möchte mich wirklich nicht 12 Jahre älter fühlen. Das soll aufhören! Jetzt sofort!

Habt ihr einen Tipp? Kenn ihr so etwas?
Was würdet ihr tun? 
Ich brauche HILFE!!!

4 Kommentare


  1. //

    ein Mensch ist nicht so alt wie er sich fühlt, sondern so alt wie er ist ! Wenn jemand mit 20 fit ist, dann ist er 20 und fit! Wenn jemand mit 18 gebrechlich ist (ja das gibt es), dass ist er/sie 18 und gebrechlich. Wer mit 80 fit ist, ist 80 und fit. Ich bin bald 50 und keinesfalls 20. Ich habe mit 20- und 30-ährigen ein Jahr in einer WG verbracht; nein: ich bin definitiv nicht mehr in ihrem Alter oder sie in meinem ! Und ich kann mich gut erinnern wie es damals war als ich 25 war. Polizisten bzw. Carabinieri kamen ab und zu wegen Ruhestörung vorbei, die Spuren tagelangen Feierns hat die Hausverwaltung auf den Plan gerufen etc. Mir ist nicht mehr nach solchen Feiern, nach Besäufnissen, nach dem ganzen Unsinn. Mit 22 hatte ich einen Baussparvertrag und habe als Anzugträger in einer Bank gearbeitet. Heute schneide ich Videos, laufe im Sommer mit Shorts und im T-Shirt rum, drehe bei Filmen mit, lebe in einer Hütte am Mittelmeer (ich bin vor einigen Jahren ausgewandert). Und heute brauche ich: sehr viel Schlaf. Als Mittzwanziger konnte ich Saufen und dreimal die Woche zum Judo, anschließend in die Fabrik (Semesterjob). Inzwischen war ich 6 mal stationär im Krankenhaus, und ich würde kein einziges Judo-Randori heil überstehen. Ihr seid so alt wie ihr seid, und das ist gut so ! Das ist auch kein Drama! Es ist der Lauf der Dinge. Und weil wir/ihr so alt seid, bleibt mir/euch nur noch eins: noch älter werden. So etwa mit 100 ist dann allerdings endgültig Schluss !


  2. //

    Hallo, das ist echt bescheuert und ich kenne es auch. Ich habe auch 2 Kinder, 2 und 7, und war 4 Jahre alleinerziehend. Bin 38 und fühle mich abwechselnd wie 45 oder 60, zur Zeit aber niemals jünger. Als ich neulich mit meinen beiden Kindern ungeschminkt im Getränkemarkt war, hielt der nette Herr dort es nichtmal für nötig, mich zu grüßen und zu verabschieden. Früher, zu kinderlosen Zeiten, bekam man manchmal noch die Kisten ins Auto geladen! 🙁
    Früher bekam man am Wochenende 3 Telefonnummern von Interessenten zugesteckt, heute wird man höchstens noch angeschaut, wenn man einen Fleck auf der Bluse hat.
    Natürlich liebe ich meine Kinder, aber ich bin manchmal durch Familie, Haushalt und Job (vor allem Nachtschicht) so fertig, daß ich nicht mehr in den Spiegel sehen mag.
    Ich habe eine gute Figur, bin sportlich, war früher hübsch, aber meine Augen sind so müde und die Ausstrahlung ist irgendwie weg. Die Kinder sind seit 1 Woche erkältet und ich komme kaum zum Durchschlafen und Erholen.


  3. //

    Hi, Danke für den Text. Geht mir zur Zeit nämlich haargenau so! Und ich finde es gelinde gesagt: bescheuert. *Grmpf*
    Vielleicht muss mein Mantra ab jetzt werden: ich fühle mich jung und frisch… Ob das hilft? *lach

    Danke.


  4. //

    Ja, das mit dem gefühlten Alter ist wirklich so eine Sache.
    Ich bin jetzt 45 und fühle mich abwechselnd wie 30 und wie 60 – je nachdem, was wie wann am Tag gerade passiert.
    Ich denke, dass ist ganz normal und je eher wir das als Tatsache annehmen, desto leichter wird es.
    Jeder hat mal so „Tage“, die schlauchen.. und Tage, die einen verjüngen.
    Wichtig ist, den Humor nicht zu verlieren und sich immer wieder Oasen zu schaffen, die einen wieder „erden“…
    Vielen Dank für`s teilen!
    Ich wünsche dir Stärke, Humor und Gelassenheit 🙂
    Eva, die Auftragsmama

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