Kitaplätze? Viel zu kurz gedacht! Ein Betreuungs-Rant!

Meine Mutter sagt immer „erst wenn man in der Situation drin steckt, weißt Du, wovon Du sprichst“. Meine Mutter ist eine kluge Frau. Ich bin absofort nämlich ein Level weiter, was die Betreuung meines Sohnes angeht.

Bisher war es so, dass ich immer, wenn es um Kitaplätze ging, sehr laut „JAAA!“ und „und mehr Bezahlung und mehr Ausbildung und und und!“ gerufen habe. Weil bis dato steckte ich ja da drin, in dem Kita Dilemma. Ich hab alles mitgemacht: Kita angemeldet, keinen Platz bekommen, Tagesmutter gehabt, Unsummen an Geld irgendwohin gezahlt, Kita Platz bekommen, 35 Tage Kita-frei im Jahr. Bla bla bla. Ich hab miterlebt, wie es vielen aus meinem Umfeld (online ganz besonders) genauso ging. Den ganzen Schnodder. 

Und jetzt? Jetzt sitzt hier ein Vorschulkind.  

Ich schrieb darüber, wie es ist, hier in der Stadt einen Schulplatz zu bekommen. Schlicht… ein Kampf sondergleichen. Man munkelt sogar ein Klassenkampf. Aber wer bin ich schon zu urteilen, ob und wie die Plätze vergeben werden (DANKE an meine Schulleiterin, dass sie an uns gedacht hat – danke danke danke <3!).

Jedenfalls NACHDEM ich ja vor 5 Jahren ja schon Probleme hatte, einen Kitaplatz zu bekommen, ist die Stadt der Meinung „wo kommen denn die Kinder her?“ Bitte wie? Bitte was? Die fallen doch verdammicht noch mal nicht vom Himmel?! Die sind doch alle gemeldet! Wo ist denn die Liste mit dem Jahrgang? Weg?

Jetzt ist Juni und die Schüler wohl verteilt. Sollte dem nicht so sein, sind die Stimmen der Betroffenen sehr leise. Sprich, ich habe von keinem Fall gehört, wo es ganz schief gelaufen ist. ABER

Dann kommt ja die Betreuung am Nachmittag – auch genannt OGS

Auch hier ein Dank <3 an die Betreuung, die uns im Nachnachnachrückverfahren aufgenommen hat und die mit mir so sehr über die Zustände der Grundschulkind-Betreuung gesprochen hat (wir wiederholen das!). Sie hat mir aber auch das Herz zerrissen.

Aber der Reihe nach. Ich habe ab sofort das Problem, dass ich 6 (SECHS) Wochen Sommerferien-Betreuung organisieren muss. Ich arbeite nämlich jetzt wieder (ja, ich hätte das Kind vorher irgendwo unterbringen müssen, is meine Schuld, aber is nun mal so. Das hat Gründe, lest weiter) und mein Sohn hat die ersten 3 Wochen der Ferien geschlossene Kita. DANN endet unser Vertrag. Bleiben noch weitere 3 Wochen bis zur Einschulung. Vereinbarkeit. Vereibarkeit. Wo bist du bloß?

Ach wartet, ich hab ja ne Schulbetreuung, für die ich ab dem 1.8. zahle. Frag ich doch da mal nach. Wusstet ihr, dass ich in diesen ersten Sommerferien ganze 4 – in Worten VIER – Tage Anspruch auf Betreuung habe? Nicht pro Woche!!! Nein, seid doch nicht so naiv wie ich. Nein 4 Tage für die 6 Wochen!

Die Betreuungen können also nicht anders als mir einen Vertrag zu geben, den sie in den ersten 4 Wochen nicht erfüllen (ich zahle vermutlich für diese 4 Wochen ja schon). Mal davon ab: sie haben ja noch die ganzen Viertklässler und daher eh zu wenig Platz um die noch nicht mal eingeschulten Kinder aufzunehmen. 

Ich war übrigens die einzige, die nachgefragt hat, ob es schon in den Ferien eine Betreuung in der Schule gibt. Dafür wären die städtischen Angebote ja gedacht. Moment mal, die sind alle ab 6 Jahre. Meiner wird mit 5 eingeschult. Das ist den Trägern doch schnuppe, ob der da jetzt 5 oder 6 ist. Keine 6 Jahre? Dann keinen Platz.

Bildlich gesprochen: Das Rad der Betreuung dreht sich weiter
Das Rad der Betreuung dreht sich weiter

Sicher! Ich könnte ja das Notfall-Betreuungsangebot unserer Kita nutzen: 3 Wochen mit vielen fremden Kindern in fremden Einrichtungen NACH der Verabschiedung. Geld kostet das ganze auch noch. Viel Geld! Bis ich mich zu meiner Selbständigkeit entschlossen hatte, hätte ich als Alleinerziehende dieses Geld nicht zahlen können. Und kommt mir jetzt nicht mit „dafür ist der Unterhalt da“! Dann schließe ich doch keinen 3 wöchigen Vertrag ab, der mich mehr als 100€ kostet, oder?

Na, hab ich mir die Suppe also mit meiner zögerlichen Art selbst eingebrockt!

Kita Kinder brauchen mehr Platz als OGS-Kinder?

Und wisst ihr noch was? Kita Kinder haben einen Anspruch auf Platz! Es ist genau festgelegt, wie viele Quadratmeter ein Kind haben MUSS. OGS Kinder brauchen offensichtlich keinen Platz, so hörte ich. Die Betreuungen bekommen eine Anzahl an Kinderplätzen bewilligt, die sie beaufsichtigen dürfen. Wie viel Platz sie den Kindern bieten, bleibt den Einrichtungen und den Gegebenheiten fast selbst überlassen. Geld in den Kassen der Grundschulbetreuungen? Fehlanzeige!

Warum? Kitas sind aktuell wichtiger! Just an diesem Tag erzählt mir das städtische Radio, dass mindestens 3 weitere neue Kitas endlich finanziert werden konnten – der Bedarf sei so groß. Fertigstellung 2020!!!

SO EIN BULLSHIT! Den Einrichtungen, die in den letzten 2 Jahren gebaut wurden, fehlt ja jetzt schon das gute, bezahlbare, willige Personal. Ob die Geburtenrate weiter so „drastisch steigt“, wie die angeblichen Zahlen beweisen, weiß ich nicht mal. Aber 2020? Bis dahin geraten weitere 3 Jahrgänge in diese überfüllten, renovierungsbedürftigen Schulen und Schulbetreuungen! Wo sollen die hin?

Vorgespielte Vereinbarkeit

Der Ausbau der Kita Plätze ist ein voreiliger Schuss der Politik, die genervten Eltern im Thema Betreuung schnellstens zu frieden zu stellen – immerhin haben sie einen rechtlichen Anspruch. So gehen alle Eltern jetzt brav arbeiten, weil sie einen Kita-Platz haben und hören in der Grundschule wieder damit auf, weil sie keine Betreuung haben? Ich seh schon die verzweifelten Mütter vor mir, die verzweifelt ein Netzwerk aufbauen, damit das irgendwie klappt mit der Betreuung, der Arbeit und der Vereinbarkeit… Es ist zu kurz gedacht, liebe Leute. Viel zu kurz!

Weiterführende Schulen werden hier aktuell sogar geschlossen – weil zu wenig Kinder. Die wollen alle nur auf die Ganztagsschulen. Aber wir schließen jetzt und in 4 Jahren kommt dieser große Jahrgang? A hahaha a! Wir sprechen uns dann noch mal. So Gott will.

So.

Und jetzt wisst ihr, dass ich die nächste Elternstufe „Grundschule und OGS“ erreicht habe. Mein Entsetzen, dass mich diese Missstände nun weiter verfolgen, musste ich euch kurz mitteilen. Eine Lösung habe ich nicht, aber einen klareren Kopf, um mal Gedanken zu ordnen. Daher: Danke für die Zeit, die ihr mir beim Lesen geschenkt habt <3

 

4 Kommentare


  1. // Antworten

    Hier ähnlich. Wir (beide Vollzeit arbeitend) haben Mite Mai endlich die Zusage über die OGS gekommen. Andere nicht (z.B. VZ + TZ und Studium). Wie will man da bis zur Einschulung noch einen Plan B entwickeln? Die Räumlichkeiten der OGS für 90 Kinder sind ein Keller in der Größe einer Kita-Gruppe für 20 Kinder. Außengelände: ein betonierter Schulhof mit 2 Spielgeräten. Personal: 1ausgebildete Leitung und 4 Hilfskräfte.

    Zur NRW-Wahl habe ich die Wahlprogramme der etablierten Parteien zu dem Thema durchsucht: Treffer: 0. Politisch ist ein Mitwachsen der Ganztagsbetreuung über die Kita-Zeit hinaus nicht vorgesehen.


  2. // Antworten

    Offene Ganztagsschule…Ich kenne beide Seiten. Mein Kind besucht seit letztem Jahr die Schule und ich arbeite dort. Es gibt innerhalb einer Stadt so grosse Unterschiede zwischen Räumlichkeiten, Angeboten . Aber das Thema OGS findet in der Öffentlichkeit nicht so viel Gehör wie Kita-Betreuung .
    Das sollten wir Eltern ändern. Es ist ja nicht so, dass es mit “ mein Kind ist betreut wenn ich arbeite “ getan ist.

    Liebe Grüße

    die Sammlerin


  3. // Antworten

    Hihi, ich hatte Dir getwittert, bevor ich Deinen Text gelesen hatte…und er spricht genau das an, was mich zur Zeit auch zum Brodeln bringt.
    Überall hört und liest man, dass noch mehr KiTa-Plätze her müssten – für mehr Vereinbarkeit.
    Und wenn die Kinder in die Grundschule kommen? Kann man seinen Job entweder komplett kündigen, oder das Kind ab der 1.Klasse alleine zu Hause lassen? Ja nee, is klar.

    Ich hatte, wie ich Dir geschrieben hatte, das Glück, einen Ganztagsplatz in der Betreuung in der Grundschule bekommen habe.
    Unter anderem deswegen, weil ich wie noch einige andere(hauptsächlich)Mütter morgens um kurz nach 7 am ersten Tag der Anmeldung an der Schule stand. Es wurde eine Reihe gebildet „Der nächste bitte“, und die Uhrzeit genau aufgeschrieben (wer zuerst kommt….).
    Ich hatte dann noch das „Glück“, alleinerziehend zu sein. Eine andere Mutter aus dem Kindergarten arbeitet die gleiche Stundenzahl und war vor mir dran. Sie wäre leer ausgegangen, wenn der Mann den Schulamtsleiter nicht ständig genervt hätte und ist nachgerückt, weil angeblich einer abgesprungen ist.
    Auf 21 Anmeldungen gab es 11 Plätze. Und ich glaube fast, dass noch mehr Bedarf da wäre. Unsere kleine Grundschule hat ein Einzugsgebiet von mindestens 4 nicht gerade kleinen Stadtteilen. Die Klassengröße finde ich gerade für eine Grundschule, wo die Kinder Meinung nach doch noch etwas mehr Betreuung benötigen, katastrophal. 29 Kinder in einer Klasse. Es gibt nur 2 Klassen pro Jahrgang….

    Meine Nachbarin ist erst im Januar eingezogen, und hat somit die Anmeldung zur Betreuung verpasst. Jetzt steht sie da, alleinerziehend und Vollzeit arbeitend. Und der Mann vom Schulamt zuckt mit den Schultern. Es gäbe ja noch die Möglichkeit einer Tagesmutter.
    Die TaMus bei uns in der Gegend nehmen aber hauptsächlich nur U3-Kinder…
    Eine andere Mutter aus dem Kindergarten meinte, das sei bei dem Bedarf bei uns eigentlich noch eine „Marktlücke“. Sie war glücklich, für ihren Sohn einen U3-Platz bekommen zu haben und wieder arbeiten zu können, da hat sie für die Tochter in der GS keinen Platz. Alles für die Katz.

    Wie Du schon geschrieben hast: hat da jemand überhaupt eine Übersicht, wie viele Kinder in dem Jahrgang jetzt in die GS kommen? Wird da kein Bedarf geprüft?

    Was hilft der beste KiTa-Platz, wenn es danach nicht weiter geht?

    Ich RANTE mit!!!

    LG Silke (@gisela7809)


  4. // Antworten

    Ich reg mich da schon so lange drüber auf. Das System müsste „mitwachsen“, tut es aber nicht. Und hier sieht es genauso aus, wie du es schilderst: 80 Kinder in einem Raum für 20, Dosensuppe oder Dosen-Bockwurst zu Mittag, die Hausaufgaben sagen sie schnell vor, damit die Kinder nicht so lange die Tische blockieren. Selbstverständlich übernehmen angelernte Hilfskräfte die Arbeit, für die Erzieherinnen sich 4 Jahre ausbilden, Fachkräfte gibt es ja keine. Die halbe Stelle der ausgebildeten Erzieherin geht für Schreibarbeit drauf. Es ist ein Skandal! Ich versuche bei der Elternratsarbeiz darauf hinzuweisen, bisher vergeblich…

Hinterlassen Sie mir doch einen Kommentar :) Danke