Kitavortrag Achim Schad

Achim Schad - VortragDer Lausbub geht in eine Kita, die sich sehr für die Eltern und die Kinder einsetzt. Neben den Aktivitäten, an denen die Familien stets teilnehmen können, finden auch immer mal Vorträge statt. Diese Woche war Achim Schad zu Gast. Von seinem Vortrag und seinen Ratschlägen möchte ich euch hier erzählen. Denn sein Motto „Liebe allein genügt nicht“ ist so inspirierend, dass ich euch daran teilhaben lasen möchte (nein, ich werde nicht von ihm bezahlt).

Achim Schad ist Diplom Sozialpädagoge, Paar- und Familientherapeut und Fachbereichsleiter in der Bergischen VHS im Bereich Familienbildung. So viel zu den Hartfacts seiner Person. Während seiner Vorträge erfährt man aber (und das finde ich viel wichtiger), dass er eine eigene Tochter, zwei Adoptiv-Söhne und mittlerweile Enkelkinder hat. Sein Erfahrungsschatz basiert also nicht nur auf seiner langjährigen Erfahrung als Therapeut sondern eben auch aus dem eigenen echten Familienleben. Das mag ich persönlich ja sehr! Kennt ihr dass? Wenn euch jemand Tipps erteilt und derjenige nicht mal mehr eigene Kinder hat? Was soll man da ernst nehmen? Das passiert euch bei Herrn Schad also schon mal nicht 🙂

Was erzählt er also statt dessen?

Es gibt ein paar Leitwörter, die Herr Schad wiederholt und die ich mir eingeprägt habe:

„Klarheit, Grenzen, Konsequenzen“

Was das bedeutet? Liebe allein genügt eben nicht. Die meisten „Probleme“, die wir mit unseren Kindern vermeintlich haben, haben wir wohl selbst verursacht (schade nicht? einen Schuldigen gibt es wohl nicht). Obwohl wir es gut meinen und das Beste geben, scheinen uns manche Situationen einfach außer Kontrolle zu geraten und werden zu kleinen Problemen… Und keine Sorge, ich kenne keine Eltern, die kein „Problem“ haben 🙂 Doch manchmal arten diese Situationen eben aus. Da sind die abendlichen Zahnputz-Kämpfe, die wutschreienden Zwerge, die sich nicht anziehen lassen wollen. Dann sind das keine kleinen Probleme mehr sondern Augenblicke im Tag vor denen wir uns anfangen zu fürchten. Und wer bitte will schon Angst vor dem Treffen mit Freunden haben, weil das Kind sich anschließend schreiend auf den Boden wirft?

Ich hatte letzteres Schreimonster (in hübscher schreiform, ihr kennt das?) eigentlich ganztägig und habe mir dann auch Hilfe in Form einer Marte Meo Therapeutin gesucht. Darüber lest ihr hier. Zusätzlich schleppte mich eine Freundin mit zu meinem ersten Vortrag von Herrn Schad, was wohl 2 Jahre her sein dürfte. Dort schilderte er eben Situationen UND Lösungen, die wir alle kennen UND fürchten: Machtkämpfe mit unseren Kindern bei denen wir nur all zu oft nachgeben oder eben den Kopf verlieren. 

Sein Ratschlag:

1. Schritt: DIREKT (nicht hinterher) Höffliche und vor allem klare Anweisungen geben wie „Bitte zieh dich jetzt an“

2. Schritt: Wenn das nicht funktioniert, Konsequenzen (keine Drohungen) aufzeigen und zwar solche, die wir auch durchhalten können wie „Du ziehst dich nicht an? Dann muss ich dich leider in den Kindergarten im Schlafanzug fahren.“

3. Schritt: Durchziehen. Beim ersten Versuch! So etwas halbherzig mit seinem Kind zu beginnen, führt zu nichts. Dazu merken Kinder unsere Unentschlossenheit direkt in der ersten Sekunde.

Der Ratschlag hört sich so unfassbar simpel an und wir alle (davon bin ich überzeugt) meinen eigentlich, dass wir immer so handeln. Oder? Aber – ups – wir alle kennen ja dennoch alle die Momente, wo es eben nicht klappt. Wie kann das denn sein? Nun, auch das zeigt Herr Schad in Geschichten wie in einem unterhaltsamen Spiegel. Gerade wenn wir es eilig haben und es stressig wird, vergessen wir einen der Schritte. Wer hat schon morgens Zeit mit dem Kind solch ein Szenario durchzuspielen? Euch sei gesagt, man kann diese Schritte in ruhigen Momenten üben und dann bewusst steigern. Alles muss sich ja erst mal verfestigen, der Mensch liebt Gewohnheiten! Dann klappt es irgendwann auch in 90% aller Fälle. 100% will doch keiner, oder? Das wäre mir zu langweilig.

Bei uns lief das also wie folgt ab: Nachdem ich mir mein Verhalten mal angeschaut hatte (dazu ist man nach dem Vortrag energiegeladen bereit), war ich Willens es zu ändern. Bisher war es so, dass ich irgendwann, wenn ich es eilig hatte, die Geduld verlor. Das schaffte ich ab: Ich sorge jetzt dafür, dass ich kritische Situationen früh genug einleite und zwar mit Humor und Lachen. Dann versuche ich, die Aufmerksamkeit nicht auf den Stress zu lenken und dennoch ein Vorankommen zu fokussieren. Und wenn das nicht hilft? Dann eben die 3 Schritte beherzigen. 

Klappt das denn auch?

Ich muss sagen, mich hat es jetzt 1,5 Jahre (und trotz allem viele Nerven, die ich dann leise aber immerhin nicht laut zerrissen habe) gekostet, dass weder ich noch der Lausbub weiterhin viele viele Nerven verlieren und uns immer weiter anschreien. Und immerhin ist er gerade 4 Jahre geworden, hätte also das beste Alter für jeden Schreikrampf. Aber ich muss sagen, wir sind auf einem guten Weg! Nicht zu letzt, weil ich mich selbst nicht mehr so in Frage stelle. Wenn ich etwas mache, dann stehe ich da (meist) auch hinter! Das merken Kinder. Und auch, dass ich meine Sätze besser überlege und mehr auf positive Dinge als auf Negatives eingehe (sehr wichtig)!

Was der Vortrag noch gebracht hat?

Immer wieder die Erkenntnis, dass es andere Eltern genau wie ich nicht einfacher haben 😀 Wer also wissen will, wie die optimale Beziehungsformel lautet und wer auch die Geschichte vom eingeschlossenen Zahnputzkind (samt Mama natürlich) hören will, der sollte sich unbedingt einen Vortrag (und auch mehr als einen) von Achim Schad anhören. Es geht einem selbst im Nachgang immer besser auch wenn man für die Heilung selbst verantwortlich ist! Das garantiere ich!

Auf seiner Webseite findet ihr Infos, Termine und Texte von ihm.

Und noch mal danke an unsere Kita, die solche Vorträge einfach mal organisiert (und natürlich auch bezahlt).

 

 

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