Rezension „Ein Mund voll ungesagter Dinge“ von Anne Freytag

 

Anne Freytag lernte ich vor genau einem Jahr über das Buch „Mein bester letzter Sommer“ kennen. Ich mochte den Stil von ihr. Sie schreibt über Themen, die Jugendliche bewegen. Aber eben kein seichtes Geplätscher, sondern etwas mit Tiefgang, Themen abseits der Norm. Im letzten Buch war es die Krankheit der Hauptdarstellerin. Freytags Sprache gibt eben erst auf den zweiten Blick die volle Tragik preis.

Nun erscheint heute ihr neuster Roman „Ein Mund voll ungesagter Dinge“. Hier ist, was ich darüber denke.*

 


 

Welches Buch?

Ein Mund voll ungesagter Dinge“ von Anne Freytag erscheint am 3. März 2017 im Heyne Verlag. 

Worum geht es?

Sophie ist 17 und Hauptdarstellerin der Geschichte. Sie erzählt, wie ihr Vater der Liebe wegen von Hamburg nach München zieht und sie natürlich mit muss. Sophie ist schön und klug. Doch sie ist eben auch 17.

Kurzerhand verändert ein Kuss kurz vor dem Abi ihr bisheriges Leben. Eine Geschichte über ein Mädchen, was ihren Platz in der Welt sucht und dabei ganz schön ins wanken gerät. Eine Geschichte über das Leben als 17jährige und über die Liebe!

Wie ist das Buch aufgebaut?

Die Geschichte umfasst knapp 400 Seiten aufgeteilt in unterschiedlich lange Kapitel. Das Buch könnte Sophies ausführliches Tagebuch sein. Sie erzählt jedenfalls als Ich-Erzählerin. Wie schon im letzten Buch spielen Musiktitel (und einige Bücher) eine wichtige Rolle und werden immer wieder erwähnt. Kleine Kapitelbilder zeigen Freytags Liebe zu Details; auch innerhalb der Geschichte.

Worum geht es wirklich?

Zunächst geht es einfach nur um Sophie, die mit ihren 17 Jahren kurz vor dem Abi steht, ihre Mutter vermisst (diese ist nach der Geburt abgehauen) und in eine neue Stadt zu einer Familie ziehen muss, welches sie beides nicht gewollt hat. Nach und nach ergeben sich aber neue Konstanten in ihrem Leben, die doch besser sind als zunächst gedacht: Der Hund Carlos, dann die Stiefbrüder, dann die Nachbarstochter Alex und zu guter Letzt die gesamte Familie.

In den 400 Seiten schafft Anne es, das altersgemäße Gefühlschaos auf den Punkt zu bringen: Mit 17 ist man für Veränderungen nicht offen, weil man sich selbst gerade am meisten verändert. Natürlich kann die Umwelt darauf nicht immer Rücksicht nehmen. Sophie zweifelt an sich selbst, an ihrer „Normalität“ und das auf allen Ebenen, obwohl sie ihr Abi macht und alle Welt sie für ihre Schönheit bewundert. Sie ist aber nicht nur schön, sie ist voller schräger Gedanken. Sie ist so, wie es viele 17jährige es eben sind.

Spolier: Und dann ist da noch die Geschichte über ein Mädchen Sophie, welches sich eben nicht für den Jungen entscheidet. Sophie verliebt sich in Alex, ihre neue, gleichaltrige Nachbarin. Man spürt die Gefühle der Mädchen. Nicht nur, was ihre wachsende, sehr gefühlsbetonte Liebe zueinander betrifft, sondern wie sie ihre Umwelt wahrnehmen: Der Umzug in eine fremde Stadt, die Patchwork-Familie, die neue Schule, Trennung der Eltern, Freunde, Parties…

 

Wie finde ich das Buch?

Ich mag den Stil von Anne Freytag. Sie schreibt punktuiert über die Gefühle und Gedanken, die Sophie beschäftigen. Sie malt mit wenigen Worten die innere Welt von Sophie so ausdrucksstark ohne dabei zu überladen, dass ich mich sehr gut in Sophie wiedererkennen konnte. Die Umwelt von Sophie ist nur an bestimmten Punkten der Geschichte sehr detailreich (beispielsweise die Beschreibung des Schwimmbades), wenn es dem Charakter von Sophie dient. Der Fokus einer 17jährigen liegt eben auch nur auf bestimmten Dingen: Sophie erzählt nebenbei von ihren Abiturprüfungen und ihrem Leben in der Patchwork-Familie und von sporadisch wichtigen Details wie dem Hund Carlos nur dann, wenn sie gerade eine Rolle spielen, dann scheinen sie wieder für eine Zeit vergessen.

Wirklich sprachlich tief geht es, wenn Sophie denkt. Und wenn sie Sex hat. Beides hat mich oft lachen und fast weinen lassen.

Auch was den sprachlichen Umgang mit der Sexualität von Sophie betrifft, liegt mir die Geschichte. Sophie experimentiert, sehr zügelos. Die Sexualität hat sich in den letzten Jahren verändert. Teenies probieren und es ist in der Realität wohl genauso einfach Sex zu haben, wie es für Sophie einfach ist. Doch Freytag lässt Sophie leiden: Die Liebe war nie mit im Spiel – bis zu der einen richtigen Person. 

Mein Fazit

Wer seinen Kindern also keine ausführliche (aber nicht detailreiche), liebevolle und doch erotische Beschreibung von Sex zwischen Jungs und Mädchen und zwischen Mädchen bieten möchte, der verschenkt dieses Buch lieber nicht.

Wer aber dabei erklärt, dass junge Erwachsene ihre Gefühle erst sortieren müssen, und dass das Leben eben nicht „normal“ ist, weil es kein „Normal“ gibt, der findet ihr einen schönen Teenie-Roman über die Liebe mit einer sehr gewalltvollen Sprache – und einer Menge Musiktitel 🙂

Ziemlich genial: Die Playliste findet man übrigens über die Webseite von Anne Freytag oder auf Spotify

 

Ich würde 5 von 5 möglichen Büchernpunkten für diese Geschichte als Jugendbuch vergeben. 

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