Rezension „Mein bester letzter Sommer“

Heute habe ich wieder mal ein Buch für euch. Ein Buch, welches mich im ersten Moment durch die hübsche Illustration angesprochen hat. Ich hatte gezielt nach Kinderbüchern für Rezensionen gesucht und stolperte über dieses tolle Jungendbuch.

Rezension mein bester letzter SommerWelches Buch?

„Mein bester letzter Sommer“ von Anne Freytag ist im März 2016 im Heyne Verlag erschienen. Es sind 368 Seiten, die allerdings recht luftig bedruckt sind. 

Worum geht es?

Tessa ist 17. Und krank. Sie wird in den nächsten Wochen sterben und erkennt, dass sie in ihrem bisherigen Leben eigentlich nur auf den perfekten Moment gewartet hat. Sie glaubt, diesen hätte sie verpasst. Bis Oskar in der Geschichte erscheint. Die beiden verlieben sich nach und nach während sie zu einer spontan zu einer Reise nach Italien aufbrechen, eben zum besten letzten Sommer von Tessa.

Anfänglich gibt es noch Charaktere wie den Eltern, aber sie spielen passagenweise nur eine kleine Rolle (wie es eben auch im Leben so ist, wenn man sich sehr intensiv verliebt).

Es ist im Grunde eine tragische Liebesgeschichte zwischen den beiden und man begleitet überwiegend Tessa in ihrer Entwicklung: von einer trübsinnig Sterbenden zu einem glücklichen Mädchen. Das Ende allerdings ist ja vorgegeben. Keine Überraschung und kein Happy End. 


Rezension mein bester letzter SommerWie ist das Buch aufgebaut?

Es gibt nur einige wenige Kapitel aus der Sicht von Oskar. Alle anderen geben Tessas Gedanken wieder. Und ich mag die Sprache der Autorin sehr, wie sie es schafft, durch die gezielt gesetzte Sprache genau Tessas Gefühlslage zu vermitteln. Mein liebstes Stilmittel: Tessa vergeht sich in Gedanken, man begleitet sie quasi von dem einem zum anderen Gedanken und muss ihr immer weiter folgen und man fängt selbst an, den Atem anzuhalten… Bis Oskar sagt „Du denkst zu laut“. Genau wie Tessa holt er auch den Leser wieder zur Geschichte zurück. Wunderbar gelöst!

Ab und an finde ich, ist Tessa keine 17. Auch wenn ich nicht weiß, wie es ist, auf den Tot zu warten, kann ich mir schwer vorstellen, dass man mit 17 so denkt bzw. wir würden Tessa als Streberin mit sehr altmodischen Hobbies bezeichnen. Aber auch dafür hat Anne Freytag eine Lösung: Tessa beschreibt sich selbst als alte Seele, die in einem kaputten Körper einer 17jährigen lebt, als sei sie aus einem anderen Zeitalter. Eine recht schicke Lösung, wie ich finde. Das Tessa natürlich auch noch den richtigen Jungen zu ihrem Charakter trifft, nun, dass ist eben die Geschichte 🙂

Die Sprache an sich ist sehr leicht, emotional, gefühlvoll und für ein Jugendbuch ziemlich passend. Ich liebe Jugendbücher, daher macht mir die leichte Sprache nichts!

Rezension mein bester letzter SommerAls nette Idee spielt Musik immer mal wieder eine Art Nebenrolle. Tessas Lieblingslied: Band of Horses – The Funeral. Alle Lieder sind real und ich kam nicht umhin sie mir auch anzuhören (am Ende des Buches gibt es eine Liste). Ich finde sie passend und sie geben der Geschichte sehr viel Nähe. 

Worum geht es wirklich?

Tessa ist jung, sehr jung. Aber sie war ihr Leben lang strebsam. Sie hat Klassen übersprungen, Instrumente gelernt und hatte große Ziele für ihr Leben. Nur gelebt hat sie wenig. Kurz vor ihrem Tot, mit der großen Liebe an der Seite, wird ihr dies klar. Ihr liebstes Zitat: „Eine Jungfrau, die nicht Autofahren darf“. Also lebt sie nun und das sehr intensiv. 

Eine Carpe Diem (genieße den Tag) Massage steht dort sehr im Vordergrund. Wir wissen nicht, wann der letzte Moment gekommen ist. Warum also auf den perfekten Moment warten?

Wie finde ich das Buch?

Mmmmh, also „Mein bester letzter Sommer“ hat mich gefesselt. Und mich mitgenommen in dieses Gefühlschaos. Es fesselt. 

Ich denke, es liegt an der Schonungslosigkeit mit der Anne Freytag die Gedanken von Tessa wiedergibt und auch wie sie die Charaktere sehr gut trifft: da ist Tessa, die auf den Tot wartet; Oskar, der sie dabei freiwillig begleitet; Tessas Mutter, die ihrem Kind beim sterben zusehen muss; oder Tessas Schwester, die ihre große Schwester immer beneidet hat – bis jetzt. 

Wie schon angedeutet, hat es mich mitgerissen und die ein oder andere Träne habe ich vergossen! Wer will sich schon vorstellen, dass man die GROßE LIEBE findet und nur wenige Wochen Zeit hat, sie zu erleben? Wer will schon die Wut spüren, wenn Tessa wütend darüber ist, dass ausgerechnet sie so viel Zeit vertrödelt hat und nun wo sie Zeit braucht, keine mehr übrig ist?

Rezension mein bester letzter SommerJa, sie fesselt, die Geschichte, aber sie ist auch sehr leicht und sehr … schnell. Ich habe 3 Tage gebraucht (und ich lese langsam) und wäre ich nicht so empfindsam für Geschichten über den Tot und über die Liebe, ich hätte es schneller verdrängt. 

Ich habe mich während des Lesens gefragt, wie dieses Buch für Jugendliche wirken muss… Ist die Liebe nicht etwas arg romantisiert? Diese Art von Liebe erinnert mich sehr an… Walt Disney (nur eben ohne Happy End) oder aber an Shakespeares Tragödien. So tief sind Gefühle und Küsse wohl auch oft nur in unseren Träumen. Als Erwachsener stelle ich mir fragen wie, wie können die einfach nach Italien? Was sagen seine Eltern dazu? und und und
Aber ist es nicht das? Ist es nicht der Punkt, dass wir Erwachsene zu viel denken? Für Jugendliche ist es aber vielleicht genau richtig?!

Das Buch hat allerdings schon viele Rezensionen erhalten und ebenso viele positive Rückmeldungen bekommen. Es empfinden also noch andere Leser so spannend und gut wie ich!

Ich würde nämlich 5 von 5 möglichen Büchernpunkten für diese Geschichte als Jugendbuch vergeben. 

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4 Kommentare



  1. //

    Ja da gab es wohl auch eine Verfilmung dann dazu. Aber die hab ich leider nicht gesehen. Im Buch ist die Hauptperson jedenfalls erst 16 und verliebt sich auch das allererste Mal.


  2. //

    Danke für den Kommentar! Läuft da nicht auch ein Film mit dem Titel? Ich fand allerdings, dass die Vorschau mehr nach „fast Erwachsene“ aussah. Mein Büchlein hier ist schon mehr so für Jugendliche und erste Liebe 🙂
    Aber danke für den Tipp!


  3. //

    Das erinnert von der Storyline ein wenig an „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Hast du das auch gelesen? Leider weiß man hier auch, es wird kein Happy End geben. Allerdings dort ja gleich noch im doppelten Sinn.
    Klingt jedenfalls nach einem sehr interessanten Buch. Liebe Grüße

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