Rezension „Smoke“ mit Autoreninterview

Heute habe ich sowohl eine Rezension als auch ein Interview eines für mich echt guten Buches, aber lest selbst 🙂
Zunächst die gekürzte Rezension des Buches „Smoke„, damit ihr wisst, worum es geht und dann kommt ein cooles Interview mit Dan Vyleta!

(*Der Beitrag enthält einen Affiliate Link)


Kurzrezension „Smoke“

Welches Buch?

Der Roman „Somke“ von Dan Vyleta erschien vor kurzem (13. März 2017) bei carl´s books und ist aus dem Englischen von Katrin Segerer. Es sind spannende 624 Seiten.

Worum geht es?

England, Ende des 19. Jahrhunderts.  Wir befinden uns in eine etwas altertümliche Welt, in der es eine Besonderheit gibt: Jede Bosheit, Unaufrichtigkeit oder Lüge, die man auch nur denkt, manifestiert sich als Rauch, der unkontrollierbar dem Körper entweicht. Nur die Schüler Thomas und Charlie wagen es, die Gesetze des Rauchs zu hinterfragen. Sie stoßen auf ein düsteres Komplott aus Willkür, Macht und Unterdrückung und müssen schon bald um ihr Leben fürchten. 

Worum geht es wirklich?

Das Buch zeigt, wie eine Welt wäre, wenn wir die Sünde eines Menschen auf den ersten Blick erkennen würden. Es kratzt sehr an dem Thema „wenn einige wenige Herrschen, kommt nichts Gutes bei heraus“. Das ist aber nur eine gekürzte Fassung, des starken Inhaltes 🙂

Wie finde ich das Buch?

Ich mag den Stil von Dan Vyleta. Er schreibt etwas abgehakt und in einem sehr kurzatmigen Erzählstil. Aber es passt sehr gut zu den Charakteren und zu der Geschichte. Besonders mag ich übrigens, dass die Kapitelseiten so rauchig aussehen und das Thema auch optisch aufgreifen (siehe Bild – in echt sieht es noch besser aus!).
Mich fesselte wirklich jede Seite und so freue ich mich, dass der Autor mir ein kleines Interview gewährt hat! 🙂


Autoren-Interview mit Dan Vyleta

Kurzbio: Dan Vyleta wurde 1974 als Sohn tschechischer Einwanderer in Gelsenkirchen geboren. Nach dem Abitur studierte er in England und Wien Geschichte und promovierte am King’s College in Cambridge. Für seine Romane hat er bereits mehrere Literaturpreise erhalten. 

Frage: Autoren bezeichnen ihre Charaktere oft als Freunde oder Wegbegleiter. Was war ihr erster Charakter, den sie komplex entworfen haben? Begleitet er Sie noch heute?

Vyleta: Ich finde man entwirft Figuren weniger, als dass man ihnen begegnet und dann mit ihnen lebt: nicht in irgendeinem esoterischen Sinne, sondern ganz praktisch, in den Seiten des Manuskripts. In meinem ersten Roman, Pavel & Ich, dreht sich z.B. alles um eben diesen im Titel erwähnten Pavel. In meinen Notizbüchern hatte ich damals eine einfache Skizze—eine Art Ersteindruck. Aber mit jedem Satz, den er sagte, und mit jeder seiner Handlungen, lernte ich ihn besser kennen. Sicher, ich schrieb ihm die Worte in den Mund—aber diese entstehen beim Schreiben immer ganz spontan, aus der Situation heraus und beeinflussen dann die nächsten Worte, die nächste Tat. Nach einer Weile kennt man den Kerl, so wie man einen Freund oder Verwandten langsam kennen und immer besser einschätzen lernt. Am Ende kann er oder sie uns aber trotzdem noch überraschen—auch das ist mir bei einer Romanfigur wichtig.

 

Frage: „Smoke“ spiegelt für mich differenzierte, /gesellschafts-) kritische Themen wieder. Das präsente Thema „Sünde“ steht im Vordergrund. Aus meiner Sicht schaffen Sie es, dieses Thema nicht verstaubt oder zu sehr kirchlich wirken zu lassen. Das finde ich großartig. Recherchieren Sie dafür ausgiebig oder sind es Themen, die Ihnen ohnehin auf der Seele brennen?

Vyleta: Ein Buch wächst langsam in einem heran, oft über viele Jahre und vollständig unbewusst. Wenn dann die sogenannte Idee kommt, stellt man fest, dass man in Kopf und in Notizbüchern schon Unmengen an Material gesammelt hat, ohne es zu merken, ja ohne zu wissen, dass man ein einem Roman arbeitete. Und natürlich ist die Thematik eine, die mich schon lange beschäftigt, ohne, dass ich sie in dieser Form hätte ausdrücken können. Romanschreiben ist für mich etwas Existenzielles: Romane erwachsen einem aus dem eigenen Fleisch und Blut, alles Andere ist uninteressant. Aber natürlich macht man dann immer noch weitere Recherchen, um die eine oder andere Sache besser zu verstehen und vertieft sich in die Materie.

 

Frage: Wie schreiben Sie Ihre Bücher? Gibt es vorher viele PostIts mit vielen Ideen und Handlungssträngen oder entwickelt sich eine Idee während des Schreibens? Und wie war es während „Smoke“?

Vyleta: Ich schreibe von vorne nach hinten durch, genauso wie ich lese und immer mit dem Gefühl des Suchens—ich will mich nicht frühzeitig auf eine Version der Geschichte, die ich erzähle, festlegen, da mir die Spontanität des Schreibens wichtig ist. Gleichzeitig fülle ich aber viele viele Notizbuchseiten mit Ideen und möglichen Handlungsabläufen. So schreibe ich auf gewisse Weise das Buch mehrmals, in vielen Versionen. Das Manuskript selbst aber wächst linear heran und die nächste Seite bleibt immer ein unbekanntes Land.

 

Frage: Wer ist der erste Mensch, dem Sie von einer neuen Idee erzählen und wer wusste zuerst von „Smoke“?

Vyleta: Meine Frau, Chantal. Nachdem ich ihr die Idee erzählt hatte sagte sie, gut, mach das. Und ich sagte ihr: „Ich weiss aber nicht, wo die Geschichte anfängt.“

 

Frage: Sind Sie Schreibtisch-Sitzer oder An-Besondere-Orte-Schreiber?

Vyleta: Café und Bibliothek, auch in Zügen, Straßenbahnen, in der U-Bahn. Zu Hause klappt’s meistens nicht.

 

Frage: Gibt es bei Ihnen Tee oder Kaffee während der Arbeit?

Vyleta: Beides. In England drückt einem eh ständig jemand eine Tasse in die Hand. Zehn Tassen Tee am Tag ist hier nicht ungewöhnlich. Im Cafe gerne einen Flat White.

 

Frage: Sie schreiben die letzten Zeilen – ich kenne Autoren, die regelrecht Abschiedsschmerz verspüren oder aber sich direkt ins nächste Projekt stürzen.

Vyleta: Das Problem ist, dass ein Manuskript nie wirklich fertig ist—bis das Buch dann der Buchhandlung steht. Die letzte Zeile mag sich nicht mehr ändern, aber der Austausch über das Buch mit dem Lektor und dem Verlag kann sich lange hinziehen, gerade wenn man mit mehreren Verlagen gleichzeitig (z.B. in England und Amerika) arbeitet. So lebt man lange im Niemandsland, wo das letzte Buch noch nicht vom Tisch ist und das neue noch keinen Platz gefunden hat. Schön ist allerdings der Moment, wenn man die letzten Zeilen schreibt—und auch der Moment, wenn sie einem einfallen, was bei mir meist passiert, wenn das Buch zu Neun-zehntel fertig ist. Dann stehen die Zeilen plötzlich im Kopf und ich denke mir ganz erschrocken, „so endet es also.“  Und ich freu mich dann darauf, die letzten Kapitel zu schreiben.

 

Frage: Auf Bildern und in Interviews wirken Sie auf mich sehr sympathisch aber auch sehr zurückhaltend. Und ich habe gesehen, Sie haben einen Facebook und einen Twitter-Account, nutzen ihn aber sparsam. Sind die Netzwerke für Sie kein Wohlfühlort sondern eine Notwendigkeit?

Vyleta: Ich bin jemand, der  den persönlichen Dialog schätzt, d.h. das direkte Gespräch mit jemanden, bei dem wir aus unseren spezifischen Lebenssituationen heraus aufeinander eingehen. Ich will im Internet keine Version von mir erschaffen, die allgemein gebräuchlich ist; ich muss auch nicht zu allem meinen Senf dazugeben; ich misstraue auch ein bisschen diesen Plattformen, in denen Dialog, Demokratie und Markt so schnell vermischt werden (oft scheint es mir, dass es darum geht , sich als Person zu verkaufen—und das ist mir nicht geheuer). Wobei ich wirklich gerne mit Lesern spreche, direkte Emails auch immer beantworte und die klugen und witzigen Sachen, die Leute auf ihre Facebook-Seiten tun, auch zu schätzen weiß.  

 

Frage: Viele meine Leser sind Eltern. Gerade diese beschäftigen sich mit der Frage, wie man Kindern und Jugendlichen das Lesen „schmackhaft“ machen kann. Haben Sie einen Tipp, wie man Lesen beliebt machen kann?

Vyleta: Ich glaube, jeder muss das Lesen einmal für sich selbst entdecken. Dazu braucht man ein Buch, dass einen so richtig in seinen Bann schlägt. Das Problem ist demnach, wie man es Kindern und Jugendlichen am Besten ermöglicht, „ihrem“ Buch über den Weg zu laufen und das, ohne sie mit einem pädagogischen Zaunpfahl zu erschlagen. Die öffentliche Bücherei bleibt für mich ein wichtiger Ort für solche Begegnungen.

 

Frage:  Wenn Sie einem Charakter aus einem Buch mal wirklich begegnen dürften, welcher wäre das und warum? Völlig unabhängig vom Autor, Jahrhundert oder Buch ☺

Vyleta: Eisessen mit Pippi Langstrumpf wäre doch toll. Und den Aljoscha aus den Gebrüder Karamasow nehmen wir gleich mit—der könnte so eine doppelte Portion Spaghetti Eis richtig gut gebrauchen.

 

Lieber Herr Vyleta,
Vielen lieben Dank für Ihre Zeit und Ihre Mühe
– ich hoffe, Sie schreiben noch viele weitere Bücher mit solch wunderbaren Ideen, Orten und Charakteren!

Mehr zu Dan Vyleta findet ihr auf seiner Webseite

 

 

Ich würde 5 von 5 möglichen Büchernpunkten für diesen Roman vergeben. 

Und hier könnt ihr es kaufen*:

 

(*Der Beitrag enthält einen Affiliate Link)

Hinterlassen Sie mir doch einen Kommentar :) Danke