Welche Grundschule für meinen Sohn und warum?

Eine Schulbank als Symbol für die Grundschul-Wahl
(Bildquelle pixabay.com)

Eines vorweg: Ich bin wirklich und damit meine ich WIRKLICH nicht die Helikopter-Mutti vor dem Herrn. Im Gegenteil, gerade heute erlebte ich wieder, dass ich doch erstaunlich ruhig bleibe, während andere Eltern schon total aus dem Häuschen waren. Aber es gibt eine Sache, die macht mir ernsthaft zu schaffen und die ich einfach nicht besonnen angehen kann. Und das ist die Wahl der Grundschule für mein Kind.

Letzte Woche schrieb Katharina von Stadt-Land-Mama einen Blogbeitrag zu dem Thema und fasste damit im all meine Fragen, die ich mir stellte in einem Artikel zusammen: Was halte ich von dieser und jenen Schulform, welche Kriterien gelten für mich und kann man sich zu viele Gedanken machen? Genau diese Fragen schwirrten mir (und vermutlich allen Eltern) im Kopf herum, seit uns der Schulbrief erreichte. Nun, eigentlich war damit für mich alles gesagt, aber Katharina ermutigte mich, meine Sicht nieder zu schreiben. Und sie hat Recht! Weil ich denke, dass viele Eltern sich schwer tun und vielleicht hilft so ein Austausch ja?

Schulische Hintergrundgeschichte

Ich glaube ja, dass der elterliche Umgang mit der Schule sehr von unserer eigenen Vorgeschichte geprägt ist (wie ja im Grunde alles). Früher ging man in die Schule des Einzugsgebietes und damit war das Thema durch. So handhaben das übrigens heute noch seeehr viele Menschen in meinem Umkreis – dazu aber später mehr. 

Ich für meinen Teil habe JEDE Minute meiner Schullaufbahn gehasst. Durchgehalten habe ich das ganze Spektakel auch nur, weil ich an die Uni wollte. Die Idee, dass ich dort LERNEN konnte, was immer ICH wollte, beflügelte mich und brachte mich wohl auch so gerade durchs Abitur. Sowohl meine Grundschule als auch mein Gymnasium waren für mich rückblickend nicht geeignet, vielleicht lag es auch an den Lehrern. Das ist ein eigener Blogpost wert, finde ich 🙂

An mich und meinen Umgang mit dem Lernen musste ich denken, als ich die entscheidungsschweren Schul-Wahl-Briefe öffnete und bekam Zweifel. Zweifel an mir an meinem Sohn an dem Schulsystem. Auweia. Kann man sich doch zu viele Gedanken machen? Immerhin ist mein Sohn ja nicht ich?

Was war passiert? Zwei Sätze aus Katharinas Beitrag trafen mich passender weise genau ins Herz und beschreiben mein Gefühlschaos ganz gut:

  1. „[…]Ich möchte, dass sie [Katharinas Tochter] unterstützt wird. Dass sie in ihrem Tempo die Dinge begreifen kann, ohne Druck.[…]“
  2. „[…]ich will ihr ein sicheres Ankommen in der Lernwelt ermöglichen.[…]“

Beides habe ich für mich so nicht erlebt. Und will ich das dann für meinen Sohn?

Von der Kindergartenwahl zur Grundschul-wahl

Damals, als E. in den Kindergarten sollte, hatte ich keine Wahl. Ich bekam nur einen einzigen Platz von vielen Anmeldungen zugesagt und nahm schließlich den, den ich bis heute übrigens heiß und innig lieben sollte. Unsere Kita ist groß und so modern und offen in ihren Ansätzen, dass ich innerlich immer noch jubeln muss, wenn ich den Kindergarten betrete. 

Aber: Im Vorfeld hatte ich auch andere Kitas besucht. Elterninitiativen, Montessori, Waldorf und städtische Einrichtungen. Im Austausch mit anderen Eltern bekam ich schnell mit, sich mit dieser Thematik auseinander zu setzen, lag nicht im Trend. Praktisch sollte es sein, bezahlbar und flexibel für die Eltern. Ja klar, diese drei Kriterien galten für mich auch, aber was passt denn zu meinem Sohn? Diese Frage stellte ich mir doch recht oft (bis ich feststellte, dass ich keine Wahl haben würde).

Wie finde ich nun die richtige Schule?

E. auf einem Weg mit Rucksack. Vielleicht zur Grundschule?
Kinder gehen ihren Weg. Helft ihnen, ihn selbst zu finden!

Ich will sagen, ich bin nicht ganz so erstaunt darüber, dass ich jetzt die Schulwahl so schwer finde.
Es kristallisierte sich aber in Gesprächen (vor allem mit unserer Marte-Meo-Therapeutin) heraus, dass der Montessori-Ansatz in der Grundschule für E. der richtige Ansatz sein müsste. Aus verschiedenen Gründen kommt ihm dieser Lernansatz sehr gut entgegen. Nicht zu letzt der Leitsatz „Hilf mir, mir selbst zu helfen“ trifft für ihn mehr als alles andere ins Schwarze!
Ja, ich habe mir Rat geholt und einen ersten, einen anderen als den üblichen Ansatz überlegt – und stehe hier auch offen dazu! Hier vor Ort (sogar in der Nähe der Großeltern) gibt es eine Grundschule mit einem Montessori-Zweig. Also nicht alle Klassen sind darauf ausgerichtet (der Unterschied liegt aber nur in den Details), aber man kann den Montessori-Ansatz bei der Anmeldung auswählen. Das schien mir doch eine gute Option? Kleines aber feines Detail: Wir liegen nicht im Einzugsgebiet… Aber das ignoriere ich einfach!
In der Kita fragte ich vorsichtig an, was denn die Erzieher so von dieser Idee halten würden. Ich erntete nachdrückliches Kopfnicken. Die Erzieher mal, sofern diese mit dem städtischen Schulbild vertraut sind, um ihre Meinung bitten, kann ebenso hilfreich sein, wie befreundete Marte-Meo-Erzieherinnen 🙂

Besagte Freundin riet mir auch dazu „nimm ihn zur Schulveranstaltung mit – er muss dahin, er muss es mögen.“ Wie klug! Denn gerade mein Sohn ist die Kategorie „mag ich nicht, mach ich nicht“ mit gesteigerter Vehemenz (s. letzten Blogpost über Mode). Sollte er die Grundschule gut finden, wäre es sicherlich nächstes Jahr am Tag der Tage einfacher. 

Am Rande sei erwähnt, dass ich auf die hiesigen Schulen echt schlecht zu sprechen bin. Nahezu ALLE Schulinfo-Tage fanden Vormittags zwischen 8h und 13h statt. Ich meine HALLOOOO? Arbeitswelt und so? Ich habe tatsächlich 3 Urlaubstage für die Schulanmeldung meines Sohnes einreichen müssen. Fair ist das für eine Alleinerziehende nicht. Oder? ODER?!

Allen Übels wurde E. dann am besagten Schulinfo-Tag krank, aber ich ging dennoch für eine Stunde in die Grundschule. Das war mir wichtig! Und dort erlebte ich, was ich so in meiner Kindheit vermisst hatte: Lernen kann so kreativ und voller Möglichkeiten stecken. Als die Lehrerin erzählte wie und was die Kinder lernen und ich dann die Schüler live sehen konnte, da kamen mir ein paar kleine Tränchen. DAS wollte ich für E.: Spaß am Lernen.

Fazit bei der Auswahl der Grundschule für E.

Mein Fazit lautet, dass man über den Tellerrand schauen sollte. Natürlich wäre es toll, wenn E. mit seinen Freunden auf eine Schule könnte oder wenn er zwei Straßen weiter in so eine kleine Schule käme und zu Fuß gehen könnte. Aber mal ehrlich: in einer altersübergreifenden Montessori Klasse wird es ihm (hoffentlich) besser ergehen.

Jetzt warten wir gespannt auf die Grundschul-Anmeldung und hoffen mal, dass das alles so klappt. Drückt ihr uns die Daumen? Wie habt ihr euch entschieden? Schaut ihr euch viele Schulen an?

P.S.: ich habe bei all dem nicht daran gedacht, welche Weiterführende dann in Frage kommt oder welche Berufschancen er damit hat. Ich glaube: Wenn er Gefallen am Lernen hat, kann er anschließend alles machen, was er sich nur vorstellt!

 

Edit: Hier schreibe ich, dass wir erst eine Absage erhielten und hier, wie es schließlich auf dem ersten Grundschul-Elternabend war (Spoiler: In der Montessori Klasse – YEAH!).

6 Kommentare




  1. //

    Hallo Petra,
    ich finde Deinen Artikel über die Schulwahl sehr interessant. Mein Sohn wird nächstes Jahr auch in die Schule kommen und ich mache mir ebenso Gedanken, auf welche Schule er gehen soll. Hier in München ist es sehr schwierig einen Platz in einer Montessori-Schule zu bekommen. Die Nachfrage nach einem anderen kindgerechteren Schulsystem ist hoch…

    Wir wünschen Deinem Sohn auf jeden Fall, dass er sich – egal auf welcher Schule – wohl fühlen wird und er gerne hingeht!

    Viele schöne Grüße aus München


  2. //

    Hier kam heute der Anmeldungsbrief für den Kleinen an und ich musste an dich denken. Wir standen vor 3 Jahren ja schon vor der Wahl, die Einteilung nach Schulbezirken gibt es bei uns nicht mehr, aber die anderen sind eben nicht verpflichtet, uns anzunehmen. Dennoch haben wir nicht die nächstgelegene, zu der auch Kitafreunde gingen, gewählt. Uns Eltern gefiel die nahe Schule, vor allem das OGS-Angebot, nicht. Und der Große sagte damals beim Tag der offenen Tür: hier will ich aber nicht hin. Im Endeffekt haben wir uns auf unser Bauchgefühl verlassen, die andere Schule gewählt, die uns familiärer, besser betreut erschien. Und sind bis heute sehr froh darüber. Natürlich gibt es immer etwas, das vielleicht anders/besser sein könnte. Aber insgesamt war es die richtige Entscheidung. Drücke euch die Daumen, dass alles so klappt, wie erhofft.
    Rosa


  3. //

    Ich drücke die Daumen für Euch! Dort hat sich viel geändert seit Marco und Patrick dort waren, auch im Monti-Zweig, aber ich würde sie wieder dort anmelden.


  4. //

    Ach du liebe Zeit.. Danke für den tollen Artikel! Ich finde deine Überlegungen gut und wichtig. Es muss für euch passen & der weitere Werdegang erschließt sich von ganz alleine ❤ Ich drücke die Daumen, dass E. in der Entscheidung aufgehen wird, aber allzu viele Sorgen mache ich mir da nicht!

    Übrigens habe ich damals ein Kind betreut, welches auf besagte Schule ging. Und ich war damals schon Feuer und Flamme von den Erzählungen. Jetzt wohnen wir durch Zufall im Einzugsgebiet. Und wer weiß.. auch, wenn ich noch 2 Jahre Schonzeit habe, könnten unsere Kinder ganz eventuell auf die gleiche Schule gehen. Und vielleicht nimmt Dein E. meinen B. dann an die Hand und zeigt ihm „seine“ Schule ❤

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