Wie ich zur Redewendung „sehr gerne“ kam

Es begab sich vor einiger Zeit, da wurde ich gefragt, ob ich eine Rezension schreiben möchte. Na klar! Ich will! Bücher liebe ich und wenn ich eines lesen darf und darüber schreiben soll, um so besser. 

Ungefähr zur selben Zeit begab es sich, dass ich anfing auf unangenehme Fragen mit einem lächelnden „Sehr gerne!“ zu antworten.

Warum das so ist? Das lest ihr hier!

Zunächst mal über das Buch. Es handelt sich dabei um ein Buch einer Mutter. Oh ich sehe schon, wie ihr die Augen verdreht. „Ein Mutterbuch. Reichen nicht die abertausenden Blogs und die unendlichen Ratgeber für Mütter noch nicht?“ Ja, mag sein, dass es nicht noch ein Buch geben sollte. Äh Moment, so ein Quatsch! Bücher sollte es immer, überall und in jeder Form geben. Und dies hier ganz besonders!

Abgesehen davon kombiniert dieses Buch zwei wunderbare Medien: Blog mit Buch 🙂 Die Autorin hat es ganz wunderbar verstanden, ihre Alltagsgeschichten rund um ihre Kinder in Blogbeiträge zu fassen, die vor Sarkasmus, Ironie, Witz, Wut und gekonnten Wortkombinationen nur so strotzen. Manchmal sogar alles gleichzeitig in Kombination. Diese Blogbeiträge gibt es nun zusammengefasst zwischen zwei Buchdeckel. Also eine Auswahl ihrer über 2050 veröffentlichte Blogbeiträge natürlich. Ein Vorgeschmack?

„Als mein Mann nach der Arbeit nach Hause kam und fragte, wie mein Tag gewesen sei, brach ich in Tränen aus. Kind 1 erschien hinter mir und berichtete: „Patricia war nicht sehr lieb, sie war sehr anstrengend heute. Du musst mal ein ernstes Wörtchen reden, Papa.““
So oder so ähnlich komisch enden die kurzen Kapitel, die original wie Blogartikel daher kommen: Sie folgen keiner chronologischen Reihenfolge und geben Alltagssituationen und Alltagsumstände in leichter, sehr mitfühlenden Sprache wieder. So etwa wie hier, wo Patricia eindrucksvoll beschreibt, wie sie für eine kurzweilige Besorgung einen kompletten Nachmittag braucht, weil Kind 1 eben nicht so will. Jede Mutter weiß, wie schrecklich sich diese Situation anfühlt und dennoch schafft Patricia es, dass man darüber lachen kann. 

Jedenfalls ich habe herzhaft gelacht. Immer wieder! Für mich spielte es auch keine Rolle, ob ich die Geschichten nachvollziehen kann (ich mag nun mal Haustiere) oder ob ich andere Ansichten habe (ich finde Elternräte sinnvoll) – der Wortwitz und die feinen Spitzen sorgen hier, dass man das Lächeln nicht aus dem Gesicht bekommt. 
Und darum rate ich jedem Elter, sich dieses wirklich kurzweilige Buch zu leisten. Es erheitert gerade an „schlimmen Tagen“.

Wie es heißt? Ach so, für alle, die es oben noch nicht im Bild erkannt haben: Es heißt „Sehr gerne, Mama, Du Arschbombe“ (und kann man hier direkt bestellen). 

Was uns zum nächsten Punkt bringt: Ich habe dieses Buch im Wartezimmer zu unserem Familientherapeuten gelesen (ja, das wäre auch eine Story in dem Buch wert) und musste trotz der wirklich blöden Situation immer wieder lachen: Was zur Besorgnis beim Ex und Therapeuten führte. „Alles in Ordnung, Frau H? Letztes Mal waren Sie doch so voller Wut. Sollen wir dann anfangen?“ Das einzige, was ich antworten konnte war „sehr gerne“ gefolgt von einem unfassbaren Lachkrampf. 

Seit dem ist dies meine Antwort für alle unangebrachten Fragen: „Fragen Sie doch mal, ob wir die Stelle subventionieren können?“, „Finden Sie nicht, Lausbub sollte mehr Fussball spielen als reiten?“, „Essen Sie denn auch gesund? Ich meine, bei Figur…“
Bei all diesen Fragen antworte ich mittlerweile strahlend mit „Sehr gerne!“ und denke mir das „Du ARSCHBOMBE“ einfach im Kopf dazu. So befreiend. So höfflich. So hinterhältig ironisch. 😉

Ich danke den Kids von Patricia Cammarata bis heute für diesen Satz. 

Damit hätte ich dann auch die Autorin noch erwähnt 😀 Die, die dieses wunderbare Buch „Sehr gerne, Mama, Du Arschbombe“ aus ihrem Blog heraus auf mehr als 230 Seiten im BASTEI LÜBBE Verlag auf Papier hat erscheinen lassen. Eine tolle Idee und wie sie selber sagt, es interessiert die Leser eben doch.

Von mir alle Daumen hoch!

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