Wir gehen nicht mit Fremden mit

Kinder sehen nur den Apfel - sie sehen nicht die böse Absicht! PublicDomainPictures / pixabay.com
Kinder sehen nur den gereichten Apfel – sie sehen nicht die böse Absicht!              
PublicDomainPictures / pixabay.com

Quirlimom hat auf ihren Blog zu einer ganz interessanten – und wie ich finde – wichtigen Blogparade aufgerufen. Es geht konkret um das Kinderthema „Was lasse ich von Fremden zu„. Auslöser war für sie ein Buch, welches sie für ihre Lütten gekauft hat. Wie viel Vertrauen sollen Kinder gegenüber Fremden aufbauen, wie viel Abstand beispielsweise sollen Kinder zu Verwandten haben.

Das Thema sprach und spricht mich an, weil ich darüber selbst immer mal wieder nachdenke und auch mit Freunden darüber rede.

Hier also meine kleine Sicht der Dinge zum Thema „Mit Fremden geht man nicht mit“.

Gleich vorweg: Ein Buch dazu haben wir (noch) nicht. Bisher ist dieses Thema immer wie folgt bei uns behandelt worden.

Wie handhabe ich das mit dem Thema „Fremde“?

Dazu eine Geschichte: Letzten Monat saß ich mit dem Lausbuben im Wartezimmer des Augenarztes. Ich als Mutter meines Sohnes hatte zwischen Kindergarten und Arzttermin extraaaa viel Zeit eingeplant. Denn für gewöhnlich interessiert es meinen Sohn nicht, wenn wir Termine haben. Will sagen, an dem Tag hatten wir natürlich Zeit, weil wir früh dran waren. Wir saßen also da und dann reicht der Opa neben uns meinem Sohn WORTLOS ein BonBon hin. Puuuhhh, Dilema!!! An seinem Gesicht sah ich, dass der Opa einfach nur nett sein wollte. Meinem Sohn erklärte ich dennoch „Wir nehmen nichts von Fremden an„! 
Boah, was wurde ich als herzlose Mutter angeschaut. Aber mal ehrlich: Es war eine Süßigkeit! Selbsredend hätte er diese angenommen. Der Mann sah ja nett aus. Und genau das wollte ich vermeiden. Dann bin ich eben die böse Mama! Wenn aber ein Fremder mal zu ihm kommt, soll er aber eben wissen: Das ist nicht gut!
Da fällt mir noch die Geschichte der alten Frau ein, die meinem wütendem Lausbuben mal sagte „dann komm doch mit mir mit, wenn du die Mama nicht magst“. Sie erklärte mir, sie wolle dem Kind doch nur Angst machen, damit es mehr auf die Mama hört. Ich war erschüttert! Stellen Sie sich vor, der Lausbub wäre mit der mitgegangen in seiner Wut?!? 

Was ich übrigens auch nicht mache: Meinem Sohn seinen Namen überall hinschreiben. Wir haben ein Notfallarmband für unterwegs. Diese Sicherheitsarmbänder sehen lustig aus, sind robust und man kann eben seine Telefonnummer drauf schreiben.Der Lausbub weiß, dass er mit dieser Nummer, falls er mich verliert, jemanden bitten kann mich anzurufen. Auch hier steht bei uns nur meine Handynummer darauf, nicht der Name. Warum? „Pascal Kevin, komm ich bring dich zu deiner Mama“ baut sofort Vertrauen auf, wenn ein Fremder das zufällig bei meinem Sohn lesen sollte. Es reicht doch, wenn jemand mir im Falle eines Falles sagen kann, an diesem Standort hier steht ein kleiner Junge und sucht sie! Gott sei Dank haben wir es noch nicht gebraucht!

Ach, und noch etwas fällt mir ein. Dieser Tage habe ich wieder ein FB Post von der Polizei gesehen. Da stand in etwa „Bitte drohen Sie Ihren Kindern nicht immer mit der Polizei! Sie sollen doch zu uns kommen, wenn sie Angst haben“. Recht haben Sie! Die Polizei soll für Kinder keine Feinde sein! Liebe Kinder sucht euch immer wenn ihr draußen Angst habt jemanden, der stark aussieht: Ein Polizist, eine Verkäuferin, eine Erzieherin, einen Postboten oder andere Eltern oder oder… Nicht, dass die nicht auch böse sein können, aber in der Regel sind diese Menschen gerade im „Dienst“ und dadurch hilfsbereiter (ganz wie Rolf Zuckowski das in seinem Hit „Ich hab mich verlaufen“ besungen hat). 

Und das Umfeld?

Bei uns im Kindergarten wird das Thema „Fremde“ immer mal wieder aufgegriffen, ohne mit uns Eltern da groß drüber zu sprechen. Ich finde das ganz gut, denn es kommt ein ganz anderer Input von aussen zu den Kindern bzw. diesen nehmen solche Inhalte von Erziehern ganz anders auf als von den ewig mit Verboten um sich schmeißenden Eltern. Abgesehen davon, dass Eltern sich wohl auch nie über eine Ansicht einig werden. …

Aus dem Kindergarten weiß mein Sohn auch, dass jeder Mensch eine gewisse Privatsphäre hat. Man spielt nicht an anderen Pipimännern rum oder verfolgt andere aufs Klo! 
Für mich zählt auch dieser Aspekt zu der Eingangsfrage. Quirlimom beschreibt, dass in ihrem extra angeschafftem Buch auch eine Oma vorkommt, die ihre Enkel abknutschen möchte. Die Kinder haben ein Recht NEIN zu sagen, und damit sich der Kreis schließt, das nicht nur zu Erwachsenen sondern auch zu Kindern. Und dazu gehört auch viel Mut, den wir den Kindern vermitteln müssen!
Ja, ich weiß um die ewige Diskussion, dass Doktorspiele bei Kindern normal sind und zur Entwicklung dazu gehören. Aber ein NEIN muss als solches akzeptiert werden. Und so setze wie „Jetzt geb der Oma doch nen Kuss“ wird es bei mir nicht geben!

Und Fremde im Internet?

Kinder sollten namen- und gesichtslos bleiben, oder? mintchipdesigns / pixabay.com
Kinder sollten namen- und gesichtslos bleiben, oder?
mintchipdesigns / pixabay.com

Auch hierzu möchte ich gern noch etwas sagen – nein, ich mag die Diskussion um Bilder von Kindern im Internet nicht neu entfachen! Ich möchte den Blick auf etwas anderes lenken: Immer wieder, wenn ich lustige Geschichten poste, schreiben Bekannte und Freunde den Namen meines Kindes dazu. Das lösche ich! Denn ich für meinen Teil halte es für viel gefährlicher, den Namen eines Kindes zu erzählen, als das Gesicht zu zeigen. Warum habe ich oben schon erklärt.
Bitte: Achtet doch viel mehr darauf, welchen Namen ihr hinschreibt!

So, viele Gedanken und hier mein letzter: Generell bin ich aber der Meinung, dass Kinder zu Fremden freundlich und offen sein sollten, aber eben ihre Grenze kennen müssen. Das nur noch mal dabei erwähnt!

Hier gibt es sicher bald noch mehr Beiträge zum Thema: Quirlimom. Viel Spaß und macht doch alle mal mit! Was ist euch wichtig, wenn es ums Thema Fremde geht?