Wir und Marte Meo Teil 2

Dank Tanja von Tafjora sind ein paar Besucher auf meine Marte Meo Erfahrung aufmerksam geworden! Danke Tanja, denn ich glaube, es ist ein wichtiges Thema!

Ich habe in meinem letzten Beitrag über Marte Meo kurz erzählt, wie bei uns diese Video-Hilfe ausgesehen hat. Heute möchte ich noch mal darauf eingehen, was für einen Sinn diese Marte Meo Momente für mich im Detail haben und wie ich sie einsetze (anhand von 2 Beispielen).

Der Lausbub ist ein sehr forderndes Kind mit einem guten Wissensdurst. Bei ihm ist es so ausgeprägt, dass er als Kind oft und viel geweint hat, wenn er mir etwas nicht begreiflich machen konnte. Er wollte dann etwas haben, etwas machen oder etwas gesagt bekomme und wenn ich nicht spätestens beim zweiten Versuch richtig lag, wurde gebrüllt. Natürlich kennen Sie das alle, dieses „ICH WILLS ABER HABEN“. Aber Der Lausbub ist ein Dickschädel und daher sehr penetrant, was solche Situationen angeht. Oft hörte man die Verzweiflung (und weniger die Wut) heraus. 

Dann lernte er sprechen!

Und das ist bis heute ein Segen (und Fluch, aber dazu später). Denn jetzt kann er mir sagen, was er möchte, was ihn bewegt. Und das tut er mit einer extrem scharfzüngig, im Guten wie im Schlechten. Er kann mir sagen, dass ich ihn glücklich mache, er kann aber auch formulieren, warum genau er mich blöd findet.

So und wie kam da nun Marte Meo ins Spiel? Ich kommentiere ihn

Die Antwort auf meine Situation war ganz einfach: Ich war gefrustet von meinem gefrustetem Kind. Das ist nämlich ansteckend! Und zwar ungemein! Mein Sohn weinte fast 2 Jahre bei jeder beschriebenen Gelegenheit. Und ich kam nicht an ihn ran. Oft habe ich dann Dinge für ihn getan, ihm gereicht. Es endete schon fast in Bevormundung. Das hebt die Laune eines Kindes nicht im mindesten!!!

Dann habe ich, nach Marte Meo, versucht für ihn die Worte zu sein. Immer wenn er spielte, kommentierte ich was er tat. Jede Bewegung, jedes Auto. Und: Ich tat es wertfrei! Und ohne Babysprache 😉 versucht ihm begreiflich zu machen, was er da tut.

„Du nimmst den blauen Stein und legst ihn auf den roten Stein. Er wackelt, aber er bleibt liegen“.

Na gut. So oft ich mich beherrschen konnte, tat ich es wertfrei. Als Mutter kann man sich gegen ein „OH nein, er ist umgefallen, du hast ihn gestubst“ oder ein „Das ist doch Blödsinn“ nicht verkneifen. Muss man auch nicht, finde ich! Denn auch das denken ja die Kinder auch oft genug 🙂 Aber dieses wirkliche Eingreifen, das festhalten des Bauklötzenturms, das habe ich mir versucht abzugewöhnen. WENN ich nicht mit ihm ausdrücklich spiele. Dann teile ich ihm das aber auch mit! Das tat ich, nicht nur, damit er selbständiger wird, sondern damit er sich auch auf die Worte konzentrieren kann. Und wenn er Worte im Kopf hat und die Situation begleitet wird, dann kann man auch Missgeschicke besser verkraften. Auch jetzt mit seinen 3 Jahren fordert er manchmal mein Kommentieren ein. „Mama, ich schneide das jetzt, oder?“ 

Seit dem jedenfalls (und mit Hilfe der Zeit selbstverständlich) hat der Wortschafts des Lausbuben eine so enorme Explosion vorgelegt, dass es wenig gibt, was er noch nicht kennt. Das ist ein Selbstläufer, denn nun kann er sich aus dem Zusammenhang Wörter selbst erklären (und hier kommt der Fluch: Er redet, vom Öffnen der Augen am Morgen bis Abends wenn er sie schließt) *hihi*. 

Heute stehe ich vor ihm und kann ihm sagen: Sprich bitte mit mir!
Dann reden wir über alles und jeden und das tut gut! 

Noch ein Marte Meo Moment – ich kommentiere mich!

Ich leite übrigens Situationen nun bewusst ein. Kinder leben in ihrem Moment. Verändert sich dieser Moment plötzlich, kann das Kinder rausreißen. Daher ist dieser zweite Aspekt fast noch wichtiger. Verändere ich eine Situation leite ich sie bewusst mit einem „So!“ oder dergleichen ein. Oft reißt es den Lausbuben schon mal etwas aus seinen Gedanken. Wenn ich dann erkläre, was jetzt folgt, versuche ich ihm Zeit zu geben, das Gesagte zu verarbeiten. 

Situationen zu beenden ist übrigens ebenso wichtig: „jetzt sind wir fertig!“ So schaffen wir Räume für die Kinder, in denen sie sich bewegen können. Dem Lausbuben tut es gut! So wie es ihm generell gut tut, wenn ich beschreibe, was ich mache. Wir kennen oft das „Mama, was machst duuuuu?“ (was uns auch schon in den Wahnsinn treiben kann). Kinder fragen uns das nicht ohne Grund. Sie wollen wissen, was da vor sich geht – und besonders, wenn es sie selbst betrifft! Babys, denen man von klein auf das Wickeln / Füttern / Tragen kommentiert, reagieren darauf übrigens gelassener 😉

Wichtig für den Lausbub, da ist aber sicher jedes Kind anders: Ich kann nicht zu weit vorgreifen. Ihm den Tagesablauf mehrfach zu erklären und zu hoffen, dass er das jetzt verstanden hat, das ist zwecklos. Aber von jetzt zu gleich, das geht.

So… mein Post ist wieder ganz schön lang geworden. Aber ich hoffe, das macht Ihnen nichts? 

Nadine von Buntraum.at hatte übrigens eine ähnliche Erkenntnis (nur nannte sie es nicht Marte Meo hihi).  Und  wer immer auch etwas dazu beitragen möchte, verlinke ruhig in den Kommentaren! Danke :*

 

Bildquelle: Pixbay.com / bethL-510279

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