Wir und Marte Meo

Am Wochenanfang fand ich das Thema Montessori bei Tanja von tafjora wieder. Ich habe mich gefreut, denn ab und an brauche ich eine Erinnerung, wie ich eigentlich mit dem Lausbub umgehen möchte. Dank Zeitdruck und meiner Ungeduld und einigen anderen Umständen fällt es mir aber ab und an nicht ein. *hust* Geht uns vielleicht allen so. In diesem Zusammenhang jedenfalls, fragte Tanja nach Marte Meo. Nun, ich musste nicht lange überlegen, fand die Idee großartig und versuche es mal…

Das Thema an und für sich ist interessant, aber wenn ich von meinen eigenen Erfahrungen mit diesem Thema berichte, dann ist es natürlich auch ein Eingeständnis. Denn ich selbst habe mal mit einer Marte Meo Therapeutin gearbeitet – was ja irgendwie auch heißt, dass es ein Problem gab. Und wer gibt das schon gern zu? Aber ich denke eigentlich, dass vielleicht der ein oder andere davon profitiert, wenn ich positiv von Marte Meo erzählen kann. Ganz so ausführlich werde ich aber nicht erzählen, das sprengt hier auch den Rahmen, Sie werden sehen 🙂

Was ist also eigentlich Marte Meo?

Marte Meo ist eine Erziehungsberatung nach der Niederländerin Maria Aarts. 1987 gründete die engagierte Beraterin die gleichnamige Organisation. Sie hatte verstanden, dass Eltern einfach die Beratungsgespräche von Beratern und Erziehern nicht immer verstehen und schon gar nicht immer umsetzen können. Es ist manchmal einfach zu abstrakt – sicher, haben wir alle schon mal gedacht, oder? Und vor allem ist es immer eine Zeigefinger-Beratung: Mache das und vor allem mache es so und so. Maria Aarts fand dies weder für Kinder noch für die Eltern eine richtige Herangehensweise. 

Was macht Maria Aarts anders?

Ich fasse Marte Meo mal zusammen, wie ich es sehe und wie ich es verstanden habe. Bitte berichtigen Sie mich bzw. lesen Sie bei meinen Links unten nach. 
Der größte für mich bestehende Unterschied ist die Herangehensweise an eine Familie. Niemals würde eine Marte Meo Therapeutin / Erzieherin mit den Worten begleiten „Sie machen das jetzt mal so, weil so wie sie es machen, ist es falsch“. Denn uns geht es nicht anders als Kindern, werden wir mit Fehlern konfrontiert ist eine Lern-Atmosphäre dahin. Wissen Sie, was ich meine? Kritik ist hart, Konstruktive-Kritik geht so. Besser wäre aber einfach nur zu sagen, was man gut macht und wo man die guten Seiten auch noch woanders anwenden kann. Oder was meinen Sie? Es gibt sogar dafür eine neurobiologische Erklärung (Link s.u.).

Und genauso geht man nach Marte Meo an eine Situation heran. Eine Familie (oder auch Partner im übrigen) haben ein Problem. Die Therapeutin filmt nach der Problemstellung einfach mal die betreffenden Personen. Es ist eine bildbasierte Methode: Ich selbst wurde bei meinen Marte Meo Sitzungen mal mit dem Lausbuben, mal mit Lausbub und Papa gefilmt. Gern kann ich privat darüber berichten, hier reicht es, zu wissen, dass die Filmzeit von ca. 3 Min von der Therapeutin begutachtet und analysiert wurde. Anschließend wurde der Film gemeinsam nochmal angeschaut und immer dann, wenn man sich gut verhalten hat bzw. wenn die Situation gut war, wurde das hervorgehoben.

Super! Ein tolles Gefühl. Bestellt man ja die Beraterin nach Hause, weil man ja ein Problem hat. Und als Rückmeldung bekommt man eigentlich nur gezeigt, wie toll man ist. Hört sich  nicht effektiv an? Doch, ist es aber. Das Selbstbewusstsein ist nach so einem Gespräch gestärkt. Man sieht „ich bin nicht nur schlecht“. Außerdem bespricht man mit der Beraterin wo, wie und wann man diese guten Situationen auch anders wieder einbauen kann. 

Und so kommen wir auch zum zweiten Punkt. Marte Mao geht davon aus, dass die Kinder, um die es sich dreht (die Paarberatung lasse ich mal außen vor, hatten wir nicht), dort abgeholt, wo sie gerade im positiven Sinne stehen. Der Gedanke an „wir machen das jetzt, damit das Kind das und das kann“ wird erstmal gar nicht gedacht. Nochmal: Die Beratung zeigt einem, an welchen Stellen es schon gut läuft, sprich, wo die Kinder gerade schon mit uns kooperieren bzw. wo sie uns schon verstehen bzw. wo wir sie verstehen… Ach Mensch, das ist der schwierige Teil, finde ich. Es geht eben darum, dass wir und die Kinder sich bewusster wahrnehmen

Gibt es ein Beispiel für Marte Meo?

Ja! Wer über Marte Meo liest, wird irgendwann Beispiel wie meines finden, welches ich aus meiner Erinnerung aus Marte Meo Texten wiedergeben (und unten andere Beispiele verlinke).

Eine Mutter. Ein Kind. Die Mutter ist oft frustriert, weil sie in ihrem Alltag denkt, selbst zu wenig Zeit für ihr Kind zu haben. Ständig fordert sie die Arbeit, der Haushalt, die Familie. Und sie selbst kommt auch zu kurz. Ihr Kind merkt ihre Frustration und ist ebenfalls bald frustriert. Schon, weil das mütterliche Feedback oft ausbleibt oder eben nicht klar genug ist. Die Kommunikation der beiden fängt an zu bröckeln.

NACH einer Marte Meo Sitzung ist die Mutter entspannter. Sie weiß, auch wenn ich wenig Zeit habe, kann ich mein Kind genügend unterstützen. Mitten in der Hausarbeit macht sie sich einen Kaffee. Doch statt ihn allein zu trinken und sich auszuruhen, setzt sie sich neben das spielende Kind. Jetzt fängt die Kommunikation an. „Ahhh, du legst den gelben Bauklotz auf den roten… Und jetzt drehst Du den Stein in deiner Hand“. Sie bewertet nicht, sie hilft nicht. Sie kommentiert. Ihr Kind bekommt für das, was es tut, die Begriffe von seiner Mama gesagt. Es lernt somit an Kommunikation, kann sich aber auf das Spielen konzentrieren. Mehr als die 10 Minuten hat die Mama keine Zeit. Dennoch ist sie zufrieden, da sie ihrem Kind – heute würde man quality time sagen – Zeit geschenkt hat. Sie hat die Selbstsicherheits- und Selbstwirksamkeitsentwicklung ihres Kindes gestärkt und auch das Vertrauen der beiden ist gewachsen, da sie mit der Zeit wieder auf ihre Verbindung vertrauen können. (Tanja, es ist auch hier wieder dieses, hilf mir es selbst zu tun *hihi*).

So ähnlich ist es mir auch gegangen. Vieles, was man selbst aus anderen Lebens-, Erziehungs- oder Mentalen-Richtungen kennt, findet sich auch in Marte Meo, ob es sich um Achtsamkeit oder eben „Hilf mir es selbst zu tun“ handelt. Im Vordergrund steht aber das Positive. Es gibt tolle Ansätze mit ADHS und viele Beispiele in Organisationen wie SOS Kinderdorf. Auch Kindergärten setzen diese Methode mittlerweile verstärkt ein. ABER bitte: Ich habe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Lesen Sie selbst mehr, wenn Sie es möchten – selbst informieren ist immer besser!

Mein lieber Scholli. Ein ganz langer Bericht ist es geworden.

Vielleicht noch ein eigenes Marte Meo Fazit:

Ich habe das Prinzip sofort verstanden und als logisch empfunden. Dennoch habe ich gebraucht es umzusetzen bzw. es zu verinnerlichen. Aber es ist eine tolle Begleitung für Familien, wenn (!) man sich auch darauf einlässt. Wo ich begeistert meine Ansätze fand, kann man vermutlich im Text lesen. Es hat uns gut getan zu sehen, nicht alles ist schlecht gelaufen. Und wenn ich mir wieder konsequenter bewusst mache, wo ich in der Erziehung gut bin und wo ich dem Lausbub helfen kann, wird es auch aktuell entspannt weiter laufen – da bin ich sicher! Vielleicht kann ich Ihnen bald daraus mal eine Alltagssituation mit Marte Meo schildern 🙂

Und wer nun mehr wissen möchte, der schreibe mir (ich vermittle auch gerne), oder liest bitte hier weiter:

  1. Netzwerk Marte Meo Deutschland
  2. Marte Meo international (englisch)
  3. SOS Kinderdorf pdf
  4. Neurobiologische Erklärung für Marte Meo (dort findet ihr auch Beispiele, ähnlich meinem oben)

 

Bildnachweis: Pixabay.com / ErikaWittlieb

6 Kommentare





  1. // Antworten

    Der vielleicht Interessanteste Aspekt von Marte Meo ist der, dass im Grunde nicht durch das Geschriebene Wort vermittelt wird, sonder durch die Kommunikation und Weitergabe von Mund zu Mund. Marte Meo stärkt somit nicht nur die Kommunikation und Beziehung zum Kind und der Familie sonder auch alle Alltagsbeziehungen. Ihre Ausführungen ermutigen sicher viele mehr von Marte Meo erfahren zu wollen.



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