„Wochenbett – BabyBlues und Depression“ – Interview mit Anna von Familie Motte

Wochenbett - BabyBlues und DepressionIch freue mich heute sehr eine Blogger-Kollegin aus dem Norden begrüßen zu dürfen! Und ich freue mich darüber, dass Anna uns über ihren BabyBlues berichtet und uns erzählt, wie es ihr eigentlich bei den beiden Geburten ihrer drei Kinder (ja, richtig gelesen) ergangen ist, von ihren Gedanken und Ängsten. Ihre Geschichte ist toll und sollte jeder Mutter, die Angst vor einem BabyBlues hat oder mitten drin steckt, eine gute Stütze sein: Es wird besser! Doch lest selbst:

1. Als erstes: Erkläre doch kurz, wer Du bist?

Hallo, ich bin Anna, 38 Jahre alt, Mama, gebürtige Rheinländerin aber mittlerweile echtes Nordlicht, Reiselustige, Genießerin, Bücherwurm, Filmfreak, liebe Elefanten und bin neugierig auf alle schönen Dinge des Lebens…Auf unserem Familienblog Familie Motte gibt es Geschichten aus unserem Familienalltag- mal lustig, mal chaotisch, mal nachdenklich. Dazu gehören natürlich ausführliche Berichte von unseren Reisen und Ausflügen aber auch mal Empfehlungen von Produkten, die uns im täglichen Familienleben überzeugt haben oder uns das Leben erleichtern. Dazu ganz viele Gedanken rund ums Elternsein und auch mal Eltern-Frust.

Wir – das sind: mein Mann, die Motte (*01/2012), die Zwillinge (*07/2015) und ich – leben in der schönsten Stadt der Welt – Hamburg –  sind aber auch viel unterwegs, denn wir lieben Reisen und Ausflüge.

2. Wie viele Kinder hast Du und bei welchem Deiner Kinder trat der Babyblues auf?

Mittlerweile habe ich drei Kinder – meine Große (* 01/2012) und die Zwillinge (*07/2015). Nach meiner ersten Geburt hatte ich einen ziemlich heftigen Babyblues, der aber Gott sei Dank relativ kurz war. Daher war ich bei der zweiten Geburt bereits darauf vorbereitet – diesmal war davon aber weit und breit keine Spur.

3. Welche Anzeichen gab es und wie hast Du gemerkt, dass die Gedanken nicht nur kurz abschweifen sondern eher den ganzen Tag dunkel bleiben? Also wurde es auch eine Depression?

Nein, eine Depression wurde er zum Glück nicht. Es gab einen konkreten Auslöser ungefähr zwei Tage nach der Geburt: meine (sehr nette) Zimmernachbarin im Krankenhaus schlug mir vor doch einmal eine Hebamme zu bitten mir zu zeigen wie ich die Große richtig anlegen kann, da ich zu Beginn wirklich Schwierigkeiten mit dem Stillen hatte. Sie meinte das nur mit den allerbesten Absichten und wollte mir einfach helfen, damit ich mich nicht so quäle. Doch bei mir kam das wie ein Angriff an. Plötzlich brach meine Welt zusammen, ich fühlte mich unfähig für mein Kind da zu sein und war mir sicher eine ganz schlechte Mutter zu werden. Ich hatte das Gefühl dass ich das alles niemals schaffen kann und habe daran gezweifelt, dass es die richtige Entscheidung war ein Kind zu bekommen. Entsprechend heulte ich fast die ganze Zeit. Das Ganze dauerte knapp drei Tage, dann waren alle Sorgen plötzlich wie weggeblasen.

4. Hast Du Dich jemandem anvertraut bzw. hat jemand zu Dir gesagt „Du hör mal, ich glaube, Du hast den Babyblues / Wochenbettdepression?“

Ja, ich bin immer sehr offen mit dem Thema umgegangen. Meine Hebamme wusste davon, meine Familie und auch meine Freunde. Dadurch habe ich erfahren, dass ich mit meinen Gedanken nicht allein bin und mich deshalb nicht schlecht fühlen muss.

Familiemotte5. Wie war der Babyblues für Dich? Mehr ein Blues oder doch schon eine Depression? Und in welchen Situationen war es besonders schlimm?

Ich habe fast die ganze Zeit geweint und konnte nicht verstehen, warum ich mich jetzt – da dieses kleine Menschlein auf das wir so lange gewartet haben endlich da war – nicht so richtig freuen konnte. Ich hatte mir dieses Kind doch so gewünscht. Ich fühlte mich überfordert mit der gesamten Situation.

6. Gab es Verstärker (Momente, in denen es besonders schlimm war) Und was hast Du dagegen und gegen die Gefühle unternommen?

Besonders schlimm war es immer dann, wenn eine Situation auftrat, in der ich nicht sofort für die Maus da sein konnte. Zum Beispiel wenn ich auf der Toilette war und sie anfing zu schreien. Ich habe viel mit meinem Mann und meiner Zimmernachbarin darüber geredet. Die hatte ihren Blues nämlich kurz vor mir und wusste daher sehr genau wie es mir geht. Das hat mir sehr geholfen und mich darin bestärkt, dass diese Gefühle auch wieder vorbeigehen…

Familiemotte7. Wie lange hat der Blues angedauert? Und warum hat er geendet bzw. warum wurde es eine Depression (falls es eine war)?

Knapp drei Tage. Und er ging so plötzlich wie er gekommen war. Warum er geendet hat? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ein unglaublicher Stolz und sehr große Liebe an seine Stelle traten…

8. Wie waren die Reaktionen Dir gegenüber in dieser Zeit?

Alle waren wirklich sehr verständnisvoll und haben mich immer und immer wieder aufgebaut. Mein Umfeld hat durchweg nett und einfühlsam reagiert.

9. Glaubst Du, der Babyblues /Wochenbettdepression ist vollständig verschwunden?

Ja. Ich hatte solche Gefühle seitdem nie wieder.

10. Hat Dich das Gefühlschaos nachhaltig verändert? Auch hinsichtlich anderer Eltern?

Ja, ich kann nun gut verstehen, wenn man sich manchmal überfordert fühlt. Und ich kann nachempfinden, wenn man als Mama mal nicht alles rosarot sieht. Kinder zu haben ist eben nicht rund um die Uhr nur heile, glückliche Welt. Und eine Geburt ist ein einschneidendes Erlebnis, dass alles verändert. Man muss mit seiner neuen Rolle und der riesengroßen Verantwortung für einen kleinen Menschen erstmal klar kommen.

11. Was würdest Du anderen Müttern raten, wenn sie merken, das etwas nicht stimmt?

Zuallererst muss man sich nicht schämen für seine Gefühle. Im Gegenteil: mir hat es geholfen offen darüber zu sprechen. Es gibt viel mehr Betroffene als man denkt.

Familiemotte12. Können andere Mütter noch etwas über Dich erfahren? Hast Du einen Blog (Social Media Accounts), dann schreibe es hier.

Über mein Leben mit Zwillingen und unsere großen Tochter schreibe ich auf www.familiemotte.de
Auch bei facebook (facebook.com/familiemotte) und Twitter (twitter.com/FamilieMotte) bin ich aktiv und freue mich über regen Austausch…