„Wochenbett – Babyblues und Depression“ Interview mit Dani von Gluckeundso

Wochenbett - BabyBlues und DepressionLiebe Leser, heute ist ein weiterer besonderer Moment für mich. Denn nachdem ihr alle mein eigenes Interview so gut fandet (DANKE!), kommt schon das nächste:
Danke Dani, dass Du Dich meinen 12 Fragen so ehrlich gestellt hast!

Wer erfahren möchte, wie und warum es diese Reihe gibt, bitte HIER lesen 🙂

 1. Wie immer sinnvollerweise als erstes: Erkläre doch kurz, wer Du bist?

Ich bin Dani, 32 Jahre jung und Mama von meinem 2-jährigen Prinzen. Ich schreibe gerne und reise gerne und suche gerade nach einem neuen beruflichen Sinn im Leben.

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Dani, von Gluckeundso.de – ein wunderbares Bild!

2. Wie viele Kinder hast Du und bei welchem Deiner Kinder trat der Babyblues auf?

Ich habe einen Sohn. Bereits in der Schwangerschaft bemerkte ich eine starke hormonelle Veränderung. Ich war sehr gereizt und wurde ziemlich vulgär, wenn ich wütend wurde. Mein Arzt meinte, es liege an dem hohen Testosteronwert, den ich hatte. Ansonsten war ich in der Schwangerschaft aber sehr ausgeglichen. Als mein Prinz auf der Welt war und ich merkte, es stimmt etwas nicht und dieses sich nach einem Tag auch bestätigte, (er hatte eine Neugeboreneninfektion) da musste ich einen Tag lang weinen. Es war für mich so überwältigend und so dramatisch, dass er krank war. Hinzu kam, dass das Stillen nicht klappte. Ich hatte solche Schmerzen. Die 7 Tage Klinik waren wirklich schlimm.

3. Welche Anzeichen gab es und wie hast Du gemerkt, dass die Gedanken nicht nur kurz abschweifen sondern eher den ganzen Tag dunkel bleiben?

Als wir zu Hause ankamen und uns langsam an unseren Prinzen und die neue Welt gewöhnten, merkte ich, dass die Gereiztheit nicht verschwand und dass die Angst um den Prinzen und die Eindrücke nach der Geburt, ganz fest in mir verankert waren. Das Stillen klappte nach wie vor nicht und der Prinz bekam Krämpfe. Ich dachte einfach, ich schaffe das alles nicht. Ich liebte meinen Prinzen von der 1. Sekunde aber ich war soooo ängstlich und unsicher und ich isolierte mich, den Prinzen und meinen Mann.

4. Hast Du Dich jemandem anvertraut bzw. hat jemand zu Dir gesagt „Du hör mal, ich glaube, Du hast den Babyblues?“

Ich merkte erst gar nicht dass ich mitten in einer Wochenbettdepression lag. Man muss hier dazu sagen, dass ich aufgrund einiger Traumatas, bereits depressive Phasen in meinem Leben hatte und auch bereits eine Gesprächstherapie seit fast 2 Jahren machte. Ich besuchte Sie aber nicht mehr. Ich wollte eigentlich kaum jemanden mehr besuchen. Ich empfand vieles als totale Überforderung, obwohl ich gut zurecht kam. Innerhalb kürzester Zeit gab es viele Veränderungen bei uns und das war zu viel für mich.

5. Wie war der Babyblues für Dich? Mehr ein Blues oder doch schon eine Depression? In welchen Situationen war es besonders schlimm?

Der Babyblues ist ja eigentlich „nur“ die hormonelle Umstellung nach der Geburt. Er verschwindet bei den meisten Frauen schnell wieder. Frauen wie ich, die bereits „vorbelastet“ sind und dann auch noch ein dramatisches Erlebnis mit und um die Geburt herum haben, sind natürlich prädestiniert in eine Wochenbettdepression zu geraten. Besonders schlimm war es, wenn z.B. mein Mann geschäftlich weg musste und wenn der Prinz krank wurde. Es war immer schlimm wenn die Routinen nicht mehr Routine war, wenn urplötzliche Änderungen auftraten und wenn man mich nicht verstehen wollte oder konnte.

6. Gab es Verstärker (Momente, in denen es besonders schlimm war) Und was hast Du dagegen und gegen den Babyblues unternommen?

Sich nicht richtig erklären zu können und auf Unverständnis zu treffen war unglaublich schlimm für mich. Es war auch eine harte Probe für meinen Mann und mich. Ich meine, ein Kind zubekommen ist schon Herausforderung genug, aber nun auch eine Frau zu haben, die ganz anders ist, macht die Situation nicht einfacher. Mein Mann war und ist sehr geduldig und gemeinsam arbeiten wir an uns. Ich habe andere Mamas kennengelernt und langsam versucht die Isolation aufzuheben. Das tat mir und dem Prinzen gut. Ich merkte langsam, dass ich das schaffe, dass ich stark bin. Ich ging auch zu Ärzten um das Problem anzugehen. Mein Hormonhaushalt war und ist so durcheinander. Leider wurde ich nicht wirklich ernst genommen. Es heißt immer nur, ja das kommt vom Stress mit dem Kind. Ich habe aber kein Stress mit dem Kind sondern mit mir. Bei mir drückt sich alles über die Aggression aus. Ich werde aggressiv, also laut und hysterisch. Niemals meinem Kind gegenüber aber meinem Umfeld gegenüber. Ich fühle mich so gar nicht wohl, weil das nicht ich bin.

7. Wie lange hat er angedauert? Und warum hat er geendet?

Ich glaube, ich bin jetzt in den Endzügen, da ich einerseits durch meine Therapie einiges aufarbeiten konnte. Auch habe ich hormonell etwas geändert und man glaubt gar nicht, wie sehr die Hormone den Körper und Geist verändern können. Ich habe mir Aufgaben gesucht, die mich ausfüllen. Ich merke langsam, dass ich wieder die alte werde, aber ich muss immer an mir arbeiten.

8. Wie waren die Reaktionen Dir gegenüber in dieser Zeit?

Mein Umfeld hat mich nicht verstanden und es auch gar nicht gemerkt, bzw. nicht merken wollen. Für fast alle war ich die durchgeknallte Glucke. Ich war sehr enttäuscht von vielen, aber heute weiß ich, dass man mit sowas nicht einfach umgehen kann. Ich habe mich sehr verändert und Verständnis verlangt, aber ohne wirklich Erklärungen zu haben oder zu geben. Ich habe viele Menschen vor den Kopf gestoßen, nicht gewollt aber aus Wut, weil niemand meine Lage wirklich erkannt hat. Wenige Menschen haben gewusst, was mit mir los ist und haben mir Halt gegeben. Mein Mann ist auf seine Weise damit umgegangen und das war schwer für mich zu akzeptieren. Aber das ich alleine ja das Problem war und bin möchte, ich auch lernen. Ich war sehr in mich gekehrt und mit mir und dem Prinzen beschäftigt, aber das Leben besteht nicht nur aus mir.

9. Glaubst Du, der Babyblues ist vollständig verschwunden?

Der Babyblues ist verschwunden, da er auch nie wirklich der wahre Grund für meine Veränderung war. Ja, die Schwangerschaft war das I-Tüpfelchen für die daraus resultierenden Veränderungen, aber die Depression war einfach schon vorher da, sie schlummerte so vor sich hin.

10. Hat Dich der Babyblues nachhaltig verändert? Auch hinsichtlich anderer Eltern?

Ja mich hat das alles so sehr verändert, dass ich kein weiteres Kind möchte. Es hat mich so sehr verändert, dass ich Dinge inzwischen völlig anders sehe. Ich bin toleranter. Ich bin entspannter. Ich bin dankbarer und ich weiß jetzt dass ein Mensch alles verkraften kann und immer wieder aufstehen kann.

11. Was würdest Du anderen Müttern raten, wenn sie merken, dass etwas nicht stimmt?

Ich rate diesen Müttern sich selber ernst zu nehmen. Sich jemandem anzuvertrauen und sich auch professionelle Hilfe zu suchen. Man muss sich weder schämen noch das alles alleine durchstehen.

12. Können andere Mütter noch etwas über Dich erfahren? Hast Du einen Blog (Social Media Accounts), dann schreibe es hier. Wenn Du anonym bleiben willst, ist das aber auch ok 🙂

Gluckeundso.de
Gluckeundso.de

Ich bin leidenschaftliche Bloggerin bei Gluckeundso.de und schreibe dort alles auf, was mich beschäftigt. Es geht um mich und das Leben in einer Familie. Es geht auch um meine dunklen Seiten. Ich möchte auch einfach offen über diese Themen sprechen, da ich vllt. anderen auch damit helfen kann. Leckere Rezepte und tolle Interviews gibt’s aber auch. Also schaut gerne mal vorbei.

Liebe Petra, ich danke dir sehr, dass Frauen wie ich eine Stimme von Dir bekommen und dieses „Tabu-Thema“ ansprechen können. Ich freue mich auf alle Beiträge und hoffe, dass wir alle viele Frauen damit erreichen.


Liebe Dani, ich danke dir für Deine Offenheit und Deinen Mut. Es ist schön zu sehen, was das „Schreiben“ für Gefühle transportieren kann. Ich jedenfalls war jede Sekunde des Textes bei dir 🙂 Und ein Hinweis: Dani hat hier bei Familieberlin über ihre Gedanken zu einem zweiten Kind aufgeschrieben. Trotz der Erfahrungen noch einmal ein Kind?

Bald wird es den nächsten Text zu dieser Reihe geben und ihr dürft gespannt sein, war es dort für eine Geschichte gibt! 

Wenn Fragen zu diesem Thema entstehen: Bitte, liebe Eltern, meldet euch bei mir oder den Interviewteilnehmern oder schreibt in die Kommentare. Danke!