„Wochenbett – BabyBlues und Depression“ – Interview mit Märry von Kalinchens

Wochenbett - BabyBlues und Depression

Nach einer Pause, die ich für ein ebenso wichtiges Thema wie dieses hier gebraucht habe, geht es aber nun endlich weiter mit meinen Interviews zu dem sehr berührenden Thema „Wochenbett – BabyBlues und Depression“. Heute mit Märry von Kalinchen, die mich in den letzten Wochen sehr beeindruckt hat. Sie ist eine energiegeladene Frau, die sich sehr gern für andere einsetzt. Wie es ihr aber mal gegangen ist, erfahrt ihr hier.

1. Wie immer sinnvollerweise) als erstes: Erkläre doch kurz, wer Du bist?

Ich bin Märry, fast 25 und die Mama vom Kalinchen bald 3. Wir wohnen im wunderschönen Münster und ich studiere Erziehungswissenschaften.

2. Wie viele Kinder hast Du und bei welchem Deiner Kinder trat der Babyblues auf?

Ich habe eine Tochter bei der auch die Wochenbettdepression aufgetreten ist.

3. Welche Anzeichen gab es und wie hast Du gemerkt, dass die Gedanken nicht nur kurz abschweifen sondern eher den ganzen Tag dunkel bleiben?

Also wurde es auch eine Depression? Ja es wurde eine Depression. Den Anfang machten die üblichen Heultage die einfach nicht besser wurden. Immer mehr zog ich mich zurück und merkte, dass ich an nichts mehr Freude empfinde. Ausschlaggebend war ein Streit mit dem Papa vom Kalinchen indem ich mich kaum noch unter Kontrolle hatte. Am nächsten morgen besuchte ich meinen Hausarzt und endlich hatte jemand Verständnis für meine Gefühle. Er nahm mich Ernst und half mir.

4. Hast Du Dich jemandem anvertraut bzw. hat jemand zu Dir gesagt „Du hör mal, ich glaube, Du hast den Babyblues / Wochenbettdepression?“

Leider nicht, natürlich spürte meine Hebamme, dass etwas nicht in Ordnung war. Wir sprachen viel. Ich habe mich leider immer mehr zurück gezogen und verschlossen.

5. Wie war der Babyblues für Dich? Mehr ein Blues oder doch schon eine Depression?

Und in welchen Situationen war es besonders schlimm? Eine Depression. Ich konnte keine Glücksgefühle empfinden und hatte an nichts mehr Spass. Schlimm war es im Alltag mit dem Kalinchen. Schon einfachste Aufgaben wie Termine waren kaum erträglich, ich hatte einfach keine Kraft. Einkaufen zusammen mit Kind war eine unlösbare Aufgabe.

6. Gab es Verstärker (Momente, in denen es besonders schlimm war) Und was hast Du dagegen und gegen die Gefühle unternommen?

Wenn ich alleine war, war es am schlimmsten. Ich habe mir irgendwann Hilfe bei einer Heilpraktikerin gesucht, die mir wunderbar geholfen hat. Auch sie nahm mich Ernst.

7. Wie lange hat der Blues angedauert? Und warum hat er geendet bzw. warum wurde es eine Depression, falls es eine war)?

Das Ganze ging ungefähr 6 Monate und Medikamente nahm ich knapp 18 Monate Lang. Warum es eine Depression wurde? Der Kaiserschnitt war zu viel für mich und meine Seele, ich hab es nicht geschafft ihn zu verkraften. Zusätzlich hatte ich ein paar Wochen nach der Geburt eine Operation am Kiefer, die mir den Rest gab und sämtliche Kraftreserven raubte. Das erste positive Erlebnis muss ein Einkauf mit Kind zu Stoßzeiten gewesen sein. Wieder im Auto war ich Soooo stolz auf mich. Heute muss ich schmunzeln; einkaufen mit Kind läuft mittlerweile so nebenbei.

8. Wie waren die Reaktionen Dir gegenüber in dieser Zeit?

Viele hatten wenig Verständnis für mein Verhalten. Viele Freunde vom Mann denken noch heute, dass ich nicht ganz normal bin weil er viel übernommen hat. Natürlich brauchte ich seine Unterstützung, das Party Leben war vorbei. Mit vielen wollte ich auch nicht drüber sprechen, das ist ja doch sehr intim und nur mit sympathischen Menschen zu besprechen. Heute spreche ich offen drüber, da es mir wichtig ist, anderen klar zu machen,dass es jeden treffen kann.

9. Glaubst Du, der Babyblues /Wochenbettdepression ist vollständig verschwunden?

Ja. Ich habe viel verarbeitet und mich mit der Situation auseinandergesetzt.

10. Hat Dich das Gefühlschaos nachhaltig verändert? Auch hinsichtlich anderer Eltern?

Ja natürlich. Ich bin dankbar, dass ich meine Tochter lieben kann. Der Prozess sie lieben zu lernen hat sehr lange gedauert. Auch zu akzeptieren, dass es meine Tochter ist, die die 9 Monate lang in meinem Bauch gewohnt hat, war nicht einfach. Viele andere Eltern in meinem Umfeld, sind mir zu perfekt. Haben ein sorgenfreies Leben und sind trotzdem ständig am jammern. Durch die Depression habe ich gemerkt, dass ich sowas nicht Ernst nehmen kann.

11. Was würdest Du anderen Müttern raten, wenn sie merken, das etwas nicht stimmt?

Sofort Hilfe suchen. Jemanden der einem zuhört und einen Ernst nimmt. Es ist wichtig über Gefühle und Ängste zu reden. Spätestens wenn es um Suizid Gedanken geht. Oder es einfach aufschreiben, auch das hat mir geholfen.

header-blog-Kalinchens-212. Können andere Mütter noch etwas über Dich erfahren? Hast Du einen Blog (Social Media Accounts), dann schreibe es hier. 

 Auf www.kalinchens.de schreibe ich über den Alltag mit Kind im Studium und auch über die blöde Zeit nach der Geburt. Natürlich hab ich auch Instagram und Twitter. Oft geht es hier chaotisch und lustig zu, normaler Wahnsinn eben!

 

 

 

Märry, ich danke Dir, dass Du Dich auf meinen Aufruf gemeldet hast! Deine Geschichte ist beeindruckend (und kann man hier noch mal bei Dir nachlesen). Sie zeigt mir aber auch, es geht: Man kann weiter machen und kommt auch weiter. Heute sehe ich Dich als energiegeladene Frau, die auch mal Überstunden für andere macht. Danke Dir und ich hoffe, dir und deinem Madel geht es weiterhin gut!