„Wochenbett – BabyBlues und Depression“ – Interview mit Sarah von Schwersternliebeundwir

Wochenbett - BabyBlues und Depression

Tatsächlich erscheint heute schon Teil 5 meiner Interviews zum Thema „Wochenbett – BabyBlues und Depression“. Ich freue mich, dass heute Sarah von „Schwesternliebeundwir“ mir Rede und Antwort steht. 

Sarah hat konkrete Tipps für euch im Gepäck!


1. Erkläre doch kurz, wer Du bist?

Ich bin Sarah, 27 Jahre alt. Ich studiere Psychologie im Master und habe meine beiden Töchter Ciara und Emmi während meines Bachelorstudiums geboren. Mit dem tollsten Mann der Welt lebe ich zusammen in der schönen Stadt Trier. Geboren wurde ich aber in Dresden, wo auch fast meine ganze Familie lebt.

Schwesternliebeundwir2. Wie viele Kinder hast Du und bei welchem Deiner Kinder trat der Babyblues auf?

Ich habe 2 Töchter. Ciara ist im Juni 2011 geboren und Emmi im Februar 2013. Der Babyblues trat vor allem bei Ciara ganz stark auf, darum werde ich vor allem auf diese Zeit eingehen. Bei Emmi war er nur sehr kurz.

3. Welche Anzeichen gab es und wie hast Du gemerkt, dass die Gedanken nicht nur kurz abschweifen sondern eher den ganzen Tag dunkel bleiben? Also wurde es auch eine Depression?

Ich hätte ständig nur heulen können und ich wollte keine Menschen um mich haben. Besuch fand ich richtig schrecklich. Eine Depression ist es allerdings nicht geworden. Dagegen habe ich auch stark angekämpft. Ich kannte einige verhaltenspsychologische Maßnahmen, wie morgens aufstehen und duschen, frische Luft und Sport, die ich bewusst angewendet habe um depressive Gefühle zu verdrängen.

4. Hast Du Dich jemandem anvertraut bzw. hat jemand zu Dir gesagt „Du hör mal, ich glaube, Du hast den Babyblues / Wochenbettdepression?“

Ich habe mit meiner Mutter darüber gesprochen. Allerdings bin ich eher unkonkret geblieben.

5. Wie war der Babyblues für Dich? Mehr ein Blues oder doch schon eine Depression? Und in welchen Situationen war es besonders schlimm?

Schlimm war es für mich, wenn andere Menschen dabei waren. Ich fand es furchtbar Glückwünsche zu erhalten oder Sätze wie „Ein Kind ist doch das schönste auf der Welt.“. Denn ich empfand es nicht so. Ich fand es vor allem erst einmal sehr anstrengend. Auch wenn ich dazwischen immer wieder sehr glücklich war. Auch hatte Ciara einen starken Reflux und ich hatte oft alles in den Haaren und viele Wäscheberge. Oft hörte ich „Ist doch nicht schlimm, Speihkinder sind Gedeihkinder“. Ich dacht mir nur: der spinnt wohl! Lauf du mal stundenlang vollgespuckt mit einem schreienden Baby auf dem Arm herum!

6. Gab es Verstärker (Momente, in denen es besonders schlimm war) Und was hast Du dagegen und gegen die Gefühle unternommen?

Schlimm war es vor allem, wenn sie viel geschrien hat. Dann fühlte ich mich sehr hilflos. Ich habe dann meist gesungen. Das beruhigte das Baby und mich auch. Auch hat mir Besuch oft nicht gut getan. Ich habe dann versucht mich viel zurück zu ziehen. „Ich geh Ciara stillen“ war einer meiner liebsten Sätze. Am liebsten gleich 3 Stunden! Doch einmal hatte ich die Situation, dass unser ganzer Besuch in einem Raum war, ich ging in den Nebenraum um sie zu stillen und die Hälfte der Menschen kam mir tatsächlich hinterher! Und wollte dann auch noch ein Gespräch anfangen. Da hab ich mich sehr unwohl und unglücklich gefühlt. Warum werden eigentlich manche Menschen so aufdringlich, wenn ein Baby da ist? Ich fühlte mich oft bedrängt, wegen des Babys.

7. Wie lange hat der Blues angedauert? Und warum hat er geendet bzw. warum wurde es eine Depression (falls es eine war)?

Circa 3 Monate. Danach fing ich an mich deutlich abzugrenzen. Das hat mir sehr geholfen, auch wenn ich damit auf viel Unverständnis gestoßen bin. Aber hätte ich dies nicht getan, wäre ich in eine Depression gerutscht und das wäre sehr schlecht für mein Kind gewesen. Auch heute muss ich mich sehr oft noch abgrenzen um selbst zufrieden sein zu können. Damit stoße ich immer noch oft auf Unverständnis. Aber dafür kann ich meinen Kindern eine gute Mutter sein und das ist wichtiger!

8. Wie waren die Reaktionen Dir gegenüber in dieser Zeit?

Meine Mutter ist die einzige mit der ich darüber gesprochen habe. Sie ist sehr verständnisvoll gewesen und hat mich einfach nur in den Arm genommen. Vor allen anderen habe ich immer ein Fassade aufgesetzt oder mich zurückgezogen. Meine Beziehung hat leider viel darunter gelitten. Wir haben es lange nicht geschafft konstruktiv über meine Gefühlsausbrüche zu reden. Mein Freund konnte mich deswegen oft nicht verstehen. Glücklicherweise konnten wir das alles wieder aufarbeiten.

9. Glaubst Du, der Babyblues /Wochenbettdepression ist vollständig verschwunden?

Ja. Ich denke, dass ich die Ursache erkannt habe. Ich vermute, dass meine Hochsensibilität eine große Rolle gespielt hat. Seitdem mir das klar ist, kann ich meine Reaktionen viel besser nachvollziehen. Ich denke auch, dass ich aus der Zeit nach Ciaras Geburt viel gelernt habe und dadurch die Babyzeit mit Emmi viel besser meistern konnte.

10. Hat Dich das Gefühlschaos nachhaltig verändert? Auch hinsichtlich anderer Eltern?

Ich weiß, dass ein Baby zu haben nicht das pure Glück bedeutet. In erster Linie ist es vor allem meist sehr anstrengend und herausfordernd. Dazwischen gibt es wunderschöne Glücksmomente die alles andere überstrahlen. Doch es sind nur Momente. Es ist für mich auch völlig okay, dass es Menschen gibt die Kinder nicht als ihr allergrößtes Glück ansehen. Ich liebe meine Kinder und würde alles dafür tun das es ihnen gut geht. Aber sie machen mich nicht ununterbrochen glücklich. Das müssen sie auch nicht. Es ist nicht die Aufgabe meiner Kinder, dass ich glücklich bin.

11. Was würdest Du anderen Müttern raten, wenn sie merken, dass etwas nicht stimmt?

1. Überlegt euch, welche Situationen besonders schwierig und herausfordernd für euch sind. Was könnt ihr ändern um es besser zu machen? Bei mir war es: kein Übernachtungsbesuch mehr in unserer Wohnung und singen wenn das Baby schreit anstatt es nur verzweifelt herumzutragen.

2. Ehrlich mit dem Partner reden. Und wenn ihr zusammen keine Lösung findet, dann sucht euch sofort professionelle Hilfe. Ein objektiver und professioneller Blick von außen wirkt oft Wunder.

3. Morgens aufstehen, duschen und frühstücken. So fühlt ihr euch gleich besser und meist wird dann auch der Tag besser.

4. Hilfe holen. Aber jemand der euch gut tut. Mir taten Menschen aus meiner Familie oft nicht so gut. Eine Putzfrau, die einfach nur für den Haushalt gekommen wäre und mehr nicht, wäre sicherlich super gewesen.

12. Können andere Mütter noch etwas über Dich erfahren?

SchwesternliebeundwirMein Blog heißt Schwesternliebe & Wir: schwesternliebeundwir.de.

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Danke liebe Sarah auch Dir für Deinen Mut und Deinen Willen uns an Deiner Situation teilhaben zu lassen. Daran sieht man, dass auch ein BabyBlues ein einschneidendes Erlebnis sein kann. Ich habe großen Respekt vor Dir als Zweifachmama als Studentin!

Wie immer: Wenn ihr Fragen habt, bitte schreibt uns!
Oder kommt in die Facebook Gruppe, die ich zu diesem Thema gegründet habe.